Jazzmusiker aus Bork über Trump und New York

Interview mit Theo Bleckmann

Er ist immer neugierig und lässt sich als Künstler nicht festlegen: Theo Bleckmann (50), der Borker Junge, der es in die erste Liga des amerikanischen Jazz geschafft hat. Auf eine Neuigkeit, die das Jahr 2017 mit sich bringt, hätte der Wahl-New Yorker aber gerne verzichtet, wie er im Interview sagt: die Präsidentschaft von Donald Trump.

BORK

, 30.12.2016, 15:24 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jazzmusiker aus Bork über Trump und New York

Theo Bleckmann hoch konzentriert. Seinen Gesang begleitete er unter anderem mit diesen Spieldosen unterschiedlicher Tonhöhen.

Theo Bleckmanns neues Album „Elegy“ erscheint erst am 27. Januar. Exklusiv für unsere Redaktion hat er das zweite Stück,“Comedy tonight“, schon jetzt zur Verfügung gestellt:

 

Auf dem Time Square, zuhause im Wohnzimmer oder irgendwo dazwischen? Wo feiern Sie Silvester?

Dieses Jahr bin ich Panama, dem Heimatland meines Mannes. Weihnachten war ich ja sonst immer in Bork und Silvester dann oft in wärmeren Orten.

2016 war das Jahr, in dem die Mehrheit der US-Bürger Donald Trump zum neuen Präsidenten gewählt haben, 2017 wird das Jahr sein, in dem er seine Amtszeit beginnen wird: Was fühlt sich schlimmer an?

Es fühlt sich alles gleich schlimm an. Ich habe das Gefühl dass wir in eine sehr dunkle Periode eintauchen, nicht nur in Amerika, sondern weltweit: eine Dunkelheit des Bewusstseins und ein Rückgang von Empathie und Nächstenliebe in der Welt. Die Wahl von Trump ist nur eines von vielen dieser Zeichen – fast alle meiner amerikanischen Kollegen und Freunde verstehen jetzt wie Hitler an die Macht gekommen ist. Geschichte ist halt nicht geradlinig, sondern eher wie eine Spirale. Momentan sind wir auf dem Rückwärtskurs.

Apropos schlimm anfühlen: 2016 sind Sie 50 geworden. War das eine schmerzhafte Zäsur?

Es ist wahrhaftig eine Zäsur. Ein Meilenstein. Dazu habe ich ja auch noch meine Mutter kurz davor verloren. Keine gute Kombination. Aber ab 50 gibt es auch eine Freiheit, mehr man selbst zu sein und kein Blatt mehr vor den Mund zu nehmen.

Zurück zum 9. November 2016, dem Wahltag: Sind Sie nach mehr als 20 Jahren im „Big Apple“ inzwischen selbst US-Bürger und haben mit abgestimmt?

Ja, ich bin ja schon seit vielen Jahren Amerikaner, wähle immer und war – und bin immer noch – „with her“ (Anmerkung der Redaktion: für Hillary Clinton).Applaus ist bekanntlich das Brot des Künstlers. Was würden Sie sagen, wenn bei Ihrem nächsten Konzert Donald Trump in der ersten Reihe säße und begeistert applaudierte: Schock oder Ehre?

Das wäre völlig undenkbar. Schock. Vielleicht auch Verweigerung des Konzertes. Es würde in jedem Fall nicht ohne Kommentar ablaufen.

Trump hat mit Angriffen auf Minderheiten Wahlkampf gemacht: auch auf Homosexuelle. Macht Ihnen das Angst?

Angst direkt noch nicht. Was mir Angst macht, sind die Menschen, die Trump unterstützen. Mehr als Trump selbst. Der ist, wie wir wissen, ein narzisstischer Egoman, eines der Schlüsselelemente aller Diktatoren. Aber er wurde ja gewählt. Jeder neue Tag bringt weitere Schocknachrichten über Trump, und man denkt sich „jetzt ist es aber endlich vorbei“ und weiter gehts … wo bin ich hier?

Sie spielen in der ersten Liga des amerikanischen Jazz, unterrichten als Professor an Hochschulen – sind Teil der kulturellen US-Elite, zu der das „New York Magazine“ sie offiziell zweimal gewählt hat: Könnten Sie sich inzwischen noch vorstellen, woanders als in den USA zu leben?

Ja, das könnte ich mir schon. New York ist eine tolle aufregende Stadt, aber auch sehr anstrengend. Den größten Teil meines kreativen Schaffens bewältige ich eh‘ außerhalb von New York, auf dem Land, in Stille. Als meine Mutter noch lebte, habe ich sehr oft Musik in Bork geschrieben.

Gerade sind Sie von einer Europa-Tournee zurückgekommen. Waren Sie zwischen den Konzerten in Frankfurt, Paris und anderswo auch kurz in Bork?

Ich habe mir immer vorgestellt, nach dem Tod meiner Mutter auch öfter in Bork sein zu können, um auch die lieben Menschen, die sich um meine Mutter so herzlich gekümmert haben, zu sehen. Unerwarteterweise ist mir zu meinem Elternhaus nun leider keine Verbindung mehr möglich, und somit werden auch leider meine Borkbesuche äußerst selten sein.

Was wünschen Sie Bork zum neuen Jahr?

Ein gutes, gesundes frohes neues Jahr. Ich sende meine herzlichsten Grüße an die Menschen, die über die Jahre für meine Mutter und auch mich immer da waren.

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