Käfer mit Skorpion-Schwanz: Ist er so gefährlich wie er aussieht?

rnUnterwegs in der Natur

Er ist schwarz, hat mächtige Kieferzangen und hebt wie ein Skorpion bei Gefahr angriffslustig seinen Hinterleib. Dieser Käfer ist nützlich. Dennoch sollten Menschen besser Distanz waren.

Cappenberg

, 08.11.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Herbsttag wie aus dem Bilderbuch: Sonnenschein, wolkenloser blauer Himmel und Temperaturen, die eher an einen Spätsommertag erinnern als an den 8. November. Das lockt viele vor die Haustür - auch einen seltsamen Sechsbeiner, der sich bei seiner Entdeckung mächtig in Pose wirft.

Der Käfer ist ein echter Grenzgänger. Er spaziert über die Straße Dreischfeld - fast genau auf der Grenze zwischen Lünen, Selm und Werne: kein Huschen, sondern ein gemächliches Schreiten. Als Spaziergänger auf zwei Beinen auf ihn aufmerksam werden und sich bücken, macht auch er abrupt Halt und zeigt, dass mit ihm nicht zu spaßen ist.

In der Türkei leben tödliche Skorpione

Der lange, leicht behaarte Hinterleib, der gerade noch wie der Waggon eines Bummelzugs über das Straßenpflaster zog, richtet sich leicht wippend nach oben: eine Bewegung, die von einem der ältesten Landtiere der Welt bekannt ist, dem Skorpion.

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Bei ihm kann es dann nur noch eine Frage von Augenblicken sein, bis er den Stachel an der Schwanzspitze nach vorne schnellen lässt, um zu stechen und das Gift zu injizieren. Nicht nur in den Tropen, sondern selbst in der Türkei gibt es jedes Jahr einige Menschen, die daran sterben: gemessen an der Gesamtzahl der Stiche allerdings nur ein Bruchteil. Das Wissen um diese Fälle reicht dennoch, um einen Schritt Abstand zu nehmen von dem aggressiven schwarzen Käfer auf dem Dreischfeld.

Nabu hilft online, Käfer richtig zu bestimmen

Ist er gefährlich? Oder ist er gefährdet? Mit einem Smartphone und etwas Geduld lässt sich die Antwort finden. Die Welt der Käfer ist groß. Deutschlandweit gibt es 33.000 verschiedenen Arten. Die Bestimmung einer konkreten Art kann da etwas knifflig werden. Online hilft der Bestimmungsschlüssel für Insekten, den der Naturschutzbund Deutschland online zur Verfügung gestellt hat. Das Versprechen: „Mit diesem Schlüssel können die meisten adulten, also erwachsenen, Insekten in Deutschland mit bloßem Auge bis zur Ordnung bestimmt werden.“ Schon der erste Bestimmungsschritt der schwarzen Unbekannten vom Dreischfeld lässt aufatmen.

Hat der Käfer wirklich keine Flügel?

Wie viele Beine hat das Tier? „Drei paar Beine oder mehr oder weniger“, fragt das Programm. Das Nachzählen fällt leicht, denn das schwarze, etwa drei Zentimeter kleine Unbekannte steht noch immer still mit erhobenem Leib. Sechs Beine. Klar, eben ein Käfer. Und kein entlaufener Skorpion. Denn der hat als ein Spinnentier acht Beine.

Nach langem Warten in drohender Position ist es dem Käfer zu viel. Er zieht weiter. Notfalls könnte er auch fliegen.

Nach langem Warten in drohender Position ist es dem Käfer zu viel. Er zieht weiter. © Sylvia vom Hofe

Die zweite Bestimmungsfrage ist schon schwerer zu beantworten. Hat das Tier Flügel? „Wirklich nicht?“, lautet die Nachfrage auf dem Display. Stimmt: Wer den matt glänzenden Spaziergänger richtig ärgern würde, könnte sich wundern. Dann würde er seine kurzen Flüge ausbreiten und fliehen - in der Regel nicht ohne vorher dem aufdringlichen Beobachter eine unangenehme Lektion erteilt zu haben.

Stinkendes Sekret und zwickende Scheren

Der vermeintliche Miniskorpion ist ein schwarzer Moderkäfer: der größte Kurzflügler Mitteleuropas. Ein Vergleich mit der Fotogalerie auf Kerbtier.de, einer Datensammlung von deutschen Käferspezialisten, gibt Gewissheit.

Gift aus seinem inzwischen wieder gesenkten Hinterleib braucht niemand zu fürchten, wohl aber ein stinkendes Sekret. Das hat dem Käfer auch seinen wissenschaftlichen Namen eingebracht: Ocypus olens. Zu deutsch: stinkender Schnellfüßler. Mit seinen Kieferzangen kommt man besser auch nicht in Kontakt. Der Biss des Käfers gilt auch für Menschen als sehr schmerzhaft. Für seine Beutetiere ist er tödlich.

Der räuberische Käfer, der ist in Europa weit verbreitet - sogar in manchem Keller. Er attackiert seine Beutetiere mit den Kieferzangen hält sie fest und zerkleinert sie mit Hilfe der Vorderbeine. Bei Gartenbesitzern gilt er als willkommen. Denn auch Nacktschnecken stehen auf dem Speiseplan.

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