Kann Poco die Lüdinghauser Innenstadt beleben?

IHK hat Zweifel

Wenn im Spätsommer Poco am früheren Rathmer-Standort eröffnet, erwarten die Verantwortlichen des Möbeldiscounters auch, dass die Lüdinghauser Innenstadt belebt wird. Die Industrie- und Handelskammer Münster hat daran erhebliche Zweifel.

LÜDINGHAUSEN

, 15.03.2017, 16:17 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kann Poco die Lüdinghauser Innenstadt beleben?

Die erste Hälfe des neu gestalteten Marktplatzes ist freigegeben. Dieses Foto entstand am 21. Dezember 2016.

Ein neues Flagschiff-Haus plant die Poco-Gruppe in Lüdinghausen. Dafür hat der Möbeldiscounter die Immobilien und den Standort des Möbelhauses Rathmer übernommen. 14 bis 15 Millionen Euro investiert die Poco-Gruppe in die Neueröffnung und hofft, damit auch die Lüdinghauser Innenstadt zu beleben.

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Weiter Fußmarsch zwischen Innenstadt und Möbelhaus

„Werfen Sie einen Blick auf die Karte“, sagte auf unsere Anfrage IHK-Hauptgeschäftsführer Karl-Friedrich Schulte-Uebbing. Vom Möbelhaus bis zum Marktplatz sind es rund 1500 Meter. Nach Einschätzung von Schulte-Uebbing werden sich nicht viele Poco-Besucher auf diesen Fußmarsch einlassen.

„Wie viele werden aber ihr Auto umparken, um in der Innenstadt zu bummeln?“, stellt der Hauptgeschäftsführer eine Frage, die er selbst nicht final zu beantworten vermag.

Beispiel Roermond in den Niederlanden

Allerdings gibt es durchaus vergleichbare Situationen. Der IHK-Hauptgeschäftsführer verweis auf das Outlet-Center Roermond in den Niederlanden. Hier habe die Stadt zunächst auf eine Belebung der Innenstadt gehofft. Der Erfolg sei bescheiden gewesen. Bis die Stadt „eine Schneise vom Center zur City geschlagen hat.“

Auf Lüdinghausen übertragen heißt das aus Sicht von Schulte-Uebbing, dass Poco und die Lüdinghauser Kaufmannschaft beim Parkticket für die Innenstadt zusammen arbeiten müssten. Genau das scheint nicht abwegig. Poco-Vertriebsleiter Bernd Jost kündigte bei der Vorstellung der Pläne für das Haus an, dass der Möbeldiscounter sich gerne in der Kaufmannschaft engagieren würde und dass er großes Interesse an einer guten Zusammenarbeit hat.

Modehaus mit ähnlichem Preisniveau könnte profitieren

Die größten Chancen auf zusätzliche Kunden hat nach Meinung des IHK-Geschäftsführers ein Modehaus an der Konrad-Adenauer-Straße. Das biete seine Waren auf einem ähnlichen Preisniveau wie der Möbeldiscounter. Für die Sommermonate hat der Fachmann einen weiteren möglichen Gewinner im Blick. „Eis geht immer.“

Schulte-Uebbing möchte jedoch ein großes Fragezeichen hinter einer größeren Belebung der Innenstadt durch die Ansiedlung von Poco setzen. Eine Chance kann vielleicht sein, dass Poco mit ganz anderen Besucherzahlen kalkuliert als Rathmer früher. Das Möbelgeschäft hatte nach eigener Aussage rund 500 bis 700 Besucher an normalen Werktagen. Der Möbeldiscounter erwartet hingegen 2000 Besucher am Tag. Viele Innenstadthändler dürften sich freuen, wenn ein Bruchteil dieser Poco-Besucher zu ihnen kommen – und kaufen.

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