Dass der Brauereiknapp in Cappenberg sanierungsbedürftig ist, hat auch der Landesstraßenbaubetrieb erkannt und will nächstes Jahr aktiv werden. Aber: Ein Radweg ist aktuell nicht geplant.

Cappenberg

, 08.08.2018, 07:17 Uhr / Lesedauer: 3 min

Man muss kein Experte sein, um zu sehen, dass die Straße Am Brauereiknapp in Cappenberg in einem ziemlich sanierungsbedürftigen Zustand ist. Große Schlaglöcher und tiefe Spurrillen machen die Fahrbahn zu einer Ruckelpiste. Der steile, kurvenreiche Weg macht die Strecke nicht nur für Auto-, sondern auch für Radfahrer – milde ausgedrückt – anspruchsvoll. „Das geht eigentlich gar nicht“, drückt es Christian Jänsch, Vorsitzender des Fahrradclubs ADFC, etwas drastischer aus, während er auf Höhe der Cappenberger Waldschule auf die Straße blickt. Viele Selmer Radfahrer, so sagt er, nutzten die Straße als Verbindung von und nach Lünen, außerdem werde sie von vielen Radlern, die das Schloss Cappenberg als Ausflugsziel ansteuerten, gerne genutzt. Umso mehr ärgert Christian Jänsch, dass Straßen.NRW, der Baulastträger für die Landesstraße, bei der geplanten Sanierung der L810 für den Abschnitt Brauereiknapp keinen Radweg und nicht einmal einen auf der Fahrbahn markierten Schutzstreifen für Radfahrer vorsieht. Das bestätigte der Landesstraßenbetrieb auf Anfrage der Redaktion. Für die Radfahrer sei das „eine echte Ohrfeige“, so Christian Jänsch.

Straße nicht breit genug

Um diese Entscheidung von Straßen.NRW nachvollziehen zu können, muss man sich tatsächlich doch etwas Expertenwissen aneignen. Der Querschnitt der Straße – also die Breite der Fahrbahn – sei, so erklärte es Frank Hoffmann von Straßen.NRW, Am Brauereiknapp nicht ausreichend, um dort einen Radfahrstreifen auf der Fahrbahn zu markieren. „Dafür werden auf einer Landesstraße 11 Meter benötigt, die Straße dort ist aber nur bis zu 6,80 Meter breit. Eine solche Lösung geben die Regelwerke also nicht her“, sagt er. Die Straße könne nicht einfach breiter gemacht werden. Auch eine andere Lösung, nämlich einen Geh- und Radweg getrennt von der Fahrbahn einzurichten, schließt er für den Brauereiknapp aus. „Es gibt dort so viele Anlieger, es müsste zu viel Grunderwerb getätigt werden“, sagt er. Hinzu komme, dass die Straße für so einen Umbau zunächst in eine Priorisierungsliste des Regionalverbandes Ruhr aufgenommen werden müsste, was wegen der verhältnismäßig geringen Verkehrsstärke dort und keiner auffälligen Unfallhäufung aber unwahrscheinlich sei.

Situation am Schlossberg

Auch der Kompromissvorschlag von Christian Jänsch, nur bergab einen Radstreifen auf der Fahrbahn zu markieren und bergauf einen kombinierten Geh- und Radweg auszubauen sei wegen der genannten Gründe nicht möglich. „Was ist also die Lösung? Gar nichts zu tun für die Radfahrer?“, fragt nun Christian Jänsch aufgebracht.

Erschwerend kommt zur Situation am Brauereiknapp hinzu, dass der alternative Radweg zum Schloss – der Schlossberg – auch nicht wirklich radfahrerfreundlich ist. Wegen der Steigung ist der kombinierte Rad- und Gehweg immer wieder von Stufen unterbrochen. „Klar will der Radfahrer sein Fahrrad nicht immer über die Stufen tragen“, weiß auch Jürgen Busch vom Kreis Unna. Der Schlossberg ist nämlich eine Kreisstraße – da ist also nicht der Landesbetrieb zuständig, sondern der Kreis. Wie Jürgen Busch erklärt, soll auf der Fahrbahn des Schlossberges im Jahr 2021 etwas passieren. Genaue Planungen gibt es noch nicht. Aber: „Der Fokus liegt auf der Straße“, sagt Jürgen Busch. „Das werden wir aber zum Anlass nehmen, uns auch konkret über den Radweg Gedanken zu machen.“ Wenn schon eine Sanierung anstünde, sei das ja ein guter Zeitpunkt dazu.

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Stadt will sich einsetzen

Genau deshalb hat der ADFC mit seinem Vorsitzenden Christian Jänsch auch nicht vor, sich mit den Plänen von Straßen.NRW für den Brauereiknapp abzufinden. Auch die Stadt Selm will sich einsetzen, wie Stadtsprecher Malte Woesmann auf Anfrage sagte. Weil sie nicht Baulastträger ist, hat sie am Brauereiknapp zwar kein Mitspracherecht. „Es ist jedoch inzwischen gängige Praxis, dass bei Deckensanierungsmaßnahmen hinsichtlich der späteren Aufteilung des Straßenraums, insbesondere markierungstechnisch, die Führung des Radverkehres möglichst berücksichtigt wird. Dies wird seitens der Stadt Selm gegenüber dem Landesbetrieb angemerkt und um Berücksichtigung gebeten“, so Malte Woesmann.

Auch die CDU-Ortsunion Cappenberg hat sich des Themas angenommen und wird nach der Sommerpause im Rat einen Antrag einbringen, damit die Stadt beim Land Druck machen kann. Das bestätigte Michael Wißmann von der Cappenberger CDU auf Nachfrage der Redaktion. Der ADFC will noch weiter gehen: Jänsch hat sich an das Landesverkehrsministerium gewandt und wartet auf Rückmeldung.

Zeitplan und Kosten für die Sanierung der L 810
  • Noch ein kleines, kompliziertes Detail zur Sanierung der Landesstraße 810, zu der der Brauereiknapp gehört: Die Straße liegt auf dem Gebiet der Straßen.NRW-Niederlassung in Bochum. Weil sie allerdings direkt an das Gebiet der Niederlassung Münsterland grenzt, wird diese Niederlassung mit Sitz in Coesfeld die Sanierung umsetzen.
  • Den Zeitplan für die Sanierung kann die Niederlassung in Coesfeld auf Anfrage allerdings noch nicht konkret nennen. Fest steht bisher lediglich, dass der Bau im Jahr 2019 beginnen soll. „Die Maßnahme ist noch nicht genauer terminiert“, sagt der Sprecher Christian Drescher.
  • Saniert werden sollen auf der L 810 insgesamt rund vier Kilometer der Fahrbahndecke – von der Kreuzung Selmer Landstraße/Werner Straße im Norden bis zur Grenze zur Stadt Lünen im Süden.
  • Die Kosten schätzt Straße.NRW auf 1,6 Millionen Euro. „Das ist bislang noch ein Daumenwert, weil noch nicht ganz genau feststeht, was wir da machen können“, so Drescher.
  • Um festzulegen, was genau saniert werden muss, nehmen Experten an den entsprechenden Stellen Bohrkerne und prüfen dann, welche Schichten der Straße erneuert werden müssen. Es handle sich um eine Erhaltungsmaßnahme.
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