Am 8. Juni geht Nordrhein-Westfalen den nächsten Schritt seines Öffnungsplans und wechselt von der erweiterten Notbetreuung in den eingeschränkten Kita-Regelbetrieb. Wie kann das gelingen?

Selm, Bork, Cappenberg

, 05.06.2020, 13:47 Uhr / Lesedauer: 3 min

Alle Kinder können ab Montag, 8. Juni, in reduziertem Umfang wieder ihre Kindertageseinrichtung oder Kindertagespflege besuchen. So ist der Plan der NRW-Landesregierung. Eingeschränkter Regelbetrieb. Komischer Begriff. Das steckt laut NRW-Familienministerium dahinter:

  • Das Betretungsverbot für Kitas und Kindertagespflege wird aufgehoben;
  • die bisherige Notbetreuung wird aufgelöst;
  • alle Kinder dürfen wieder zu einem reduzierten Betreuungsumfang von 35, 25 und 15 Stunden pro Woche statt 45, 35, 25 in die Kita kommen;
  • Kitas, die sich aufgrund räumlicher und personeller Kapazitäten in der Lage sehen, ein höheres Stundenangebot zu realisieren, können dies in Absprache mit den zuständigen Aufsichtsbehörden ermöglichen;
  • Kitas, die aufgrund der Personalsituation außer Stande sind, dieses Angebot zu erbringen, können in Absprache mit dem örtlichen Jugendamt auch nach unten abweichen; dies sollte nur in Ausnahmefällen geschehen;
  • Fälle des Kinderschutzes und besondere Härtefälle sind beim Betreuungsumfang zu berücksichtigen.

Für die Kitas in der Stadt Selm bedeute der Re-Start, „dass jetzt wieder mehr Kinder in die Kitas kommen dürfen, als es zu Zeiten der Notbetreuung der Fall war“, sagt Selms Beigeordnete Sylvia Engemann. „Während der Notbetreuung hatten wir zuletzt rund 400 Kinder, die sich in der Kita befanden beziehungsweise bei Tagespflegepersonen untergebracht waren“, berichtet die Beigeordnete. Das seien 400 von ungefähr 1000 Kindern, für die es in Selm Plätze gebe.

Die Kitas öffnen ab Montag, 8. Juni, wieder im sogenannten eingeschränkten Regelbetrieb.

Die Kitas öffnen ab Montag, 8. Juni, wieder im sogenannten eingeschränkten Regelbetrieb. © DRK-Kita Mittendrin

„Die Einrichtungen regeln das in eigener Verantwortlichkeit“, sagt Sylvia Engemann zum angekündigten eingeschränkten Regelbetrieb „Sie schauen, wie viel Personal sie da haben. Entsprechend teilen sie den Eltern Öffnungszeiten mit.“

Betreuungsstunden reduziert

In der DRK-Kita Mittendrin zum Beispiel gelten Öffnungszeiten von 8 bis 14 Uhr, sagt Leiterin Nicole Schröer auf Anfrage. Wie in ganz NRW gilt: Die Betreuungszeiten sind pro Woche um zehn Stunden reduziert.

Aber die Kita Mittendrin hatte noch weitere Vorgaben zu erfüllen, als Öffnungszeiten anzubieten: „Nach den Hygienevorschriften sind die Gruppenräume abgeklebt, so dass die Eltern keinen Zutritt haben“, berichtet Nicole Schröer. Die Eltern dürfen die Kita nur mit Mund-Nase-Schutz betreten. Es gibt nur jeweils einen Eingang und einen Ausgang, sodass sich Eltern „nicht zu sehr ins Gehege kommen“. Vor Betreten desinfizieren sich die Eltern die Hände. Kinder waschen sich zunächst die Hände. In der Garderobe dürfen sich nur zwei Elternteile gleichzeitig aufhalten.

Die Gruppeneinteilung sieht so aus: Die Vorschulkinder, die ja bereits in die Kita durften, bleiben zusammen in einer Gruppe. Die anderen Gruppen bleiben ebenfalls unter sich. Das Ganze muss das Team unter personeller Einschränkung arbeiten. „Auch bei uns gibt es Mitarbeiterinnen, die zur Risikogruppe gehöre. Die dürfen nicht arbeiten.“

Und auch im Fall von Kindern, die aus Familien mit Vorerkrankungen kommen oder gar selber Vorerkrankungen haben, beugt die Kita Mittendrin vor: „Wir empfehlen, den Kinderarzt zu Rate zu ziehen.“ Tatsächlich haben Eltern von vorerkrankten Kindern laut Nicole Schröer schon entschieden, dass ihre Kinder bis zu den Sommerferien nicht in die Kita gehen.

Hohe Herausforderung für die Eltern

Was die Betreuungsituation in den betroffenen Familien nicht einfacher machen dürfte. Aber auch Familien, in denen Eltern in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten, müssen sich jetzt neu orientieren. Denn dadurch, dass die umfassende Notbetreuung weg fällt und in den Kitas ab 8. Juni ein eingeschränkter Regelbetrieb mit reduzierten Betreuungszeiten gilt, dürften Betreuungslücken in den Familien entstehen. „Die Eltern sind natürlich unglücklich damit. Sie sind jetzt ja wieder gefragt, sich familiär anders abzustimmen“, sagt Nicole Schröer. Es ist eine hohe Herausforderung für unsere Familien, das alles wieder umzuorganisieren. Aber bisher sind unsere Eltern gut im Versuch, das hinzubekommen. Ich habe bisher keine Anfragen zum Thema Härtefall bekommen, wenn sie eine höheren Betreuungsbedarf haben. In solch einem Fall würden wir die Eltern dann bitten, sich ans Jugendamt zu wenden.“

„Bei uns in Selm funktioniert die Kooperation mit dem Jugendamt sehr gut“, erklärt Nicole Schröer. „Wir bekommen alle Informationen sehr frühzeitig. Sobald das Jugendamt die neuesten Informationen vom Ministerium erhalten hat, bekomme ich sie zeitgleich vom Jugendamt, aber auch vom Träger.“ Dementsprechend könne sie das dann an der Basis mit ihrem Team umsetzen.

Masken für die Kitas sind eingetroffen

NRW-Familienminister Joachim Stamp hatte angekündigt, dass die Kitas bei ihrer Arbeit unterstützt werden. Etwa durch die Lieferung von Masken an die Jugendämter, die diese dann weiter in die Einrichtungen geben. Just am Freitag, 5. Juni, sind Masken in Sem angekommen. Und zwar über das Deutsche Rote Kreuz. Am Freitag übergaben Susanne und Thomas Dohms vom DRK-Ortsverein Selm 10.000 Masken vom Typ „KN95“ sowie Einweg-OP-Masken an Jochen Beese vom Jugendamt der Stadt Selm. Dieser verteilte die Masken an die Kindertageseinrichtungen in Selm sowie an die Tageseltern.

Susanne und Thomas Dohms vom DRK-Ortsverein Selm übergaben die Masken zur Verteilung an die Kindertageseinrichtung und Tageseltern an Jugendamtsmitarbeiter Jochen Beese (l.).

Susanne und Thomas Dohms vom DRK-Ortsverein Selm übergaben die Masken zur Verteilung an die Kindertageseinrichtung und Tageseltern an Jugendamtsmitarbeiter Jochen Beese (l.). © Malte Woesmann / Stadt Selm

Pro Erzieherin beziehungsweise Tagespflegeperson sind 20 KN95-Masken - sogenannte filtrierende Halbmasken - und 28 OP-Masken berücksichtigt. KN95-Masken schützen den Träger vor festen und flüssigen Aerosolen. OP-Masken schützen andere vor Tröpfchenauswurf des Trägers.

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