Klimaschutzpreis in Selm: Nicht nur Dank, sondern auch Kritik für Stadt und Sponsor Innogy

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Dass sich Preisträger bedanken für ihren Preis, gehört zum guten Ton. Dass sie lange nachdenken, ob sie ihn annehmen, ist eher selten. Beim Klimaschutzpreis Selm war das zweimal der Fall.

Selm

, 29.12.2019, 09:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 1995 unterstützt das Unternehmen Innogy bundesweit Engagement, das den Umwelt- und Klimaschutz in einer Stadt oder Gemeinde voranbringt: inzwischen mehr als 6000 Projekte. In Selm sind während der letzten Ratssitzung des Jahres drei weitere dazu gekommen. Dabei gab es einen deutlichen kritischen Unterton.

Sie hätten nachdenken müssen, ob sie diesen Klimaschutzpreis wirklich haben wollten. Das sagte sowohl der zweitplatzierte Preisträger als auch der erstplatzierte: beides Gruppen, die sowohl Verbesserungsbedarf beim umweltpolitischen Engagement der Stadt Selm sehen als auch bei dem des Hauptsponsors: des Energie-Unternehmens Innogy.

Noch zu viel fossile Energie bei der Stromerzeugung

Anders als der Kreis Unna habe sich Selm bewusst dagegen entschieden,den Klimanotstand auszurufen, erinnerte Jeannine Tembaak, Sprecherin des Klimatreffs. Was solle man als Klimaschützer von dem Klimaschutzpreis einer solchen Stadt halten? Und von einem Unternehmen, das sich umweltfreundlich gibt, bei dem aber noch mehr als die Hälfte des produzierten Stroms aus fossilen Energieträgern stammt.

Die Klimatreffsprecherin hatte sich mit ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern schließlich doch entschieden, den ersten Preis anzunehmen - und mit ihm das Preisgeld von 1250 Euro.

Von Klimaschutzdemo bis zur Müllsammelaktion

„Nicht nur durch die Organisation von Klimaschutzdemonstrationen, sondern auch durch Projekte wie Müllsammelaktionen und Bürgerinformationen setzt sich die Organisation für den Klimaschutz in Selm ein“, sagte Maria Allnoch, die Regionalleiterin des Unternehmens, in ihrer Laudatio.

Den zweiten Platz, der mit 750 Euro dotiert ist, erhielt der Verein Solawi: drei Silben, die für solidarische Landwirtschaft stehen und längst über die Stadtgrenzen hinaus bekannt sind. Die naturnahe Anbauweise schone nicht nur das Klima, sagte Maria Allnoch, sondern helfe, die Wertschätzung für gute Lebensmittel aus der Natur zu steigern.

Georg Sehrbrock, der Sprecher der Solawi, gab in der Ratssitzung einen Einblick in die Arbeit. 82 sogenannte Ernteteiler bebauten gemeinsam den einen Hektar Fläche in den Lippeauen. Da es sich oft um Familien handelte, teilten sich rund 150 Menschen die gemeinsame Ernte: eine Zahl, die noch steige. 2020 seien es 92 Ernteteiler. „Wir werden zusätzlich auch einen Kinderacker anbieten“, sagte Sehrbrock.

Solawi steckt das Preisgeld in Bewässerungstechnik

Auch er und die anderen Mitwirkenden teilten die Bedenken von Jeannine Tembaak, weil Innogy längst nicht so klimafreundlich Energie erzeuge, wie sie sich das wünschten. „Wir vertrauen aber darauf, dass sich das bessern wird.“ Das Preisgeld wollen Sehrbrock und die anderen in bessere Bewässerungstechnik investieren.

Die Rolle des Sponsors nicht problematisiert haben die Drittplatzierten, die ein Preisgeld in Höhe von 500 Euro für das Projekt „Von der Raupe zum Schmetterling“ erhielten: der Verein „Ganz Selm“. Daniela Rutz-Nölle, die pädagogische Leiterin der Offenen Ganztagsschule (OGS), erzählte, wie sie darauf gekommen seien.

Längst nicht alle Raupen sind gefährlich

Eines Tages habe es lautes Geschrei im Schulgarten gegeben, als die Kinder draußen Raupe entdeckten: gefährliche Tiere, wie viele meinten mit Verweis auf die tatsächlich Allergien auslösenden Eichenprozessionsspinner. Dass die Verwandlung von der Raupe zum Schmetterling keine Bedrohung, sondern ein Wunder der Natur sei, hätten sie und ihre Kolleginnen in dem Projekt deutlich gemacht.

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