Kreis Unna will Ersthelfer per App koordinieren

Kostenfrage offen

Wenn im Notfall ein Arzt in der Nähe ist, ist das Glück im Unglück. Die CDU will dem Glück im Kreis Unna auf die Sprünge helfen – mit einer App, mit der ausgebildete Ersthelfer kontaktiert werden können. Das geplante System soll Leben retten. Aber die Kostenfrage ist noch nicht geklärt.

KREIS UNNA

von Alexander Heine

, 17.01.2016, 05:13 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kreis Unna will Ersthelfer per App koordinieren

So sieht die lebensrettende App aus.

Im Ernstfall können Sekunden über den Ausgang eines internistischen Notfalls entscheiden. Bei einem akuten Herz-Kreislauf-Stillstand etwa erhöhen unmittelbar eingeleitete Wiederbelebungsmaßnahmen nicht nur die Überlebenschancen, sondern reduzieren auch die Gefahr irreversibler Organschäden. Erste Hilfe kann Leben retten.

Dr. Ralf Stroop, leitender Notarzt aus dem Kreis Gütersloh, hat vor diesem Hintergrund ein System entwickelt, mit dem die Leitstelle ausgebildete Ersthelfer zu Hilfe rufen kann. Wer beruflich mit rettungsdienstlichen Abläufen zu tun hat, kann sich registrieren lassen – und erklärt sich bereit, Erste Hilfe zu leisten, wenn ein internistischer Notfall in seiner Nähe dies erfordert.

Noch ist offen, wie viel die App den Kreis kosten würde

Einen gemeinsamen Antrag von CDU- und SPD-Fraktion befürwortete der Kreistag diese Woche mit großer Mehrheit. Strittig war nur die Kostenfrage. SPD und CDU hatten in ihrem Antrag formuliert, dass für die Einführung 47 000 Euro bereitzustellen seien – etliche Kreistagsmitglieder bezweifelten aber, dass diese Summe ausreichen würde. Auch Landrat Michael Makiolla glaubte nicht daran. Die Absicht ist aber erklärt. Nun wird die Kostenfrage geprüft. 

Der Clou der App

Der Clou der App: Sobald in der Leitstelle ein Notfall eingeht, ortet das System Ersthelfer in der Nähe, die in Sekundenschnelle über ihr Smartphone auf den Notfall aufmerksam gemacht werden. Reagieren sie nicht sofort, wird der nächste angefragt. Der Arzt, Rettungssanitäter oder Polizist, der möglicherweise in der Nähe wohnt oder gerade nicht weit ist, kann noch schneller vor Ort sein als der Rettungsdienst.

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„Das System ergänzt den Rettungsdienst optimal“, sagt CDU-Kreistagsfraktionschef Wilhelm Jasperneite und verweist auf Zahlen aus Gütersloh – bislang der einzige Landkreis, der das System einsetzt; im Januar steigt der rheinland-pfälzische Landkreis Germersheim ein. Nach Angaben Stroops sind im Kreis Gütersloh 521 Helfer registriert, die seit Ende 2013 bei 323 Alarmierungen am Einsatzort waren. Dabei haben sie fast jede zweite Wiederbelebungsmaßnahme übernommen.

Wer die „Mobilen Retter“ sind

Geeignet für den Einsatz als „Mobile Retter“ sind nach Angaben des gleichnamigen Trägervereins Krankenpfleger, Arzthelfer und Polizisten genauso wie Feuerwehrleute, Rettungssanitäter oder Ärzte. Sie werden bei Bedarf fortgebildet, stellen sich ehrenamtlich zur Verfügung, können ihre Einsatzbereitschaft auch auf bestimmte Zeiten beschränken.

Der Kreis Gütersloh will das System dauerhaft etablieren

Der Kreis Gütersloh wird das System nach Ablauf der kostenlosen Pilotphase dauerhaft etablieren. Die einmalige Investition in die Verzahnung des Systems mit der in der Leitstelle eingesetzten Technik beziffert die dortige Kreisverwaltung auf 18 000 Euro – zusätzlich zu den jährlichen Lizenz- und Servicegebühren in Höhe von 12 000 Euro.

Mit welchen Kosten der Kreis Unna zu rechnen hätte, darüber hält sich Dr. Ralf Stroop bedeckt. Nur so viel: Es habe bereits eine Kalkulationsanfrage gegeben.

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