Kriegserlebnisse "von der Seele geschrieben"

Tagebuch der Marianna Tölle

Ein starkes Stück Familiengeschichte: Die Selmerin Marianna Tölle hat auf 537 Seiten ihr Leben niedergeschrieben. Und damit ihren Kindern nicht nur viele Erinnerungen hinterlassen, sondern auch ihre eigene Kriegserlebnisse verarbeitet.

BORK

von Von Benjamin Glöckner

, 01.08.2011, 14:29 Uhr / Lesedauer: 1 min
Marianna und Hanns Tölle haben ihre Familiengeschichte aufgeschrieben und halten so die Erinnerung an sich und ihre Eltern wach.

Marianna und Hanns Tölle haben ihre Familiengeschichte aufgeschrieben und halten so die Erinnerung an sich und ihre Eltern wach.

Beim Niederschreiben der Kriegsereignisse und deren Folgen kamen dann all die Ängste zurück, die sie ihr ganze Leben wie eine Bürde mit sich herumgetragen hatte. Besonders unter dem Tod ihres Bruders Josef hatte sie jahrelang gelitten. Aber das Schreiben half. „Nachdem ich mir vieles von der Seele geschrieben habe, geht es mir heute gut. So ist der Weg bereitet für einen ausgeglichenen, frohen Lebensabend.“

Ihren Kindern Claudia und Magnus hinterlässt sie mit ihrem Buch 70 in sich geschlossene Geschichten, „damit sie manche meiner Vorgehensweisen in unserem gemeinsamen Leben besser verstehen“, so Marianna Tölle. Sie bekamen deshalb auch die ersten beiden Exemplare ihres Buches mit dem Titel „Erzähltes Leben – Kurzweilige wahre Geschichten“, das eine Auflage von 20 Stück hat. „Weitere Kopien bekamen die engsten Freunde.“ Vier hat sie noch im Vorrat. „Für meine Enkel“. Wenn die alt genug sind, werden sie sich über ihre niedergeschriebene und gebundene Familiengeschichte freuen, ist sich Marianna Tölle sicher.

Auch ihr Mann Hannes ist unter die Familien-Schriftsteller gegangen. Er schrieb seine Lebensgeschichte unter dem Titel „Mistgabel und Pannschüppe“ auf. Überhaupt ist das Schreib-Gen bei den Tölles sehr ausgeprägt. Hannes Tölles Vater Hermann war von Beruf Journalist und Schriftsteller. Er gilt heute als Pionier des Deutschen Rundfunks. Mutter Anne Tölle-Honekamp schrieb den Roman „Die silberner Straßen“. Auch Marianna Tölle geb. Schleich war schon immer vom Schreiben fasziniert.

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