Frühe Früchte: Schon Mitte September ist die Kürbis-Ernte auf Hof Schulze Altcappenberg beendet. Der Ertrag ist zufriedenstellend - im letzten Jahr lief es trotz Trockenheit aber noch besser.

Cappenberg, Selm

, 15.09.2020, 15:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Kürbiszeit beginnt: Auf dem Hof Schulze Altcappenberg sind die Hokkaido-Kürbisse in diesem Jahr Mitte September bereits abgeerntet. Das liegt laut Moritz Spahn, Betriebsleiter des Hofes, daran, dass es während des Wachstums überdurchschnittlich warm war. Es sei gut, die Kürbisse bei diesen Bedingungen früh zu ernten, denn wenn die Blätter vertrocknen, die ein schützendes Dach für die Kürbisse bieten, werden die Kürbisse quasi leicht gegart und können Sonnenbrand, also braune Stellen bekommen.

Zudem lassen sich die geernteten Kürbisse über mehrere Monate lagern - am besten gut belüftet und trocken bei rund 10 Grad. Auf dem Hof Schulze Altcappenberg werden die Früchte bis Dezember in Holzkisten gelagert - die sind jeweils 900 Kilo schwer. Zwei Drittel der Kürbisse gehen jedoch direkt an Kürbis-Verarbeiter, die noch bessere Lagermöglichkeiten haben und so bis etwa Februar Kürbisse auf Lager haben.

Gute Ernte trotz warmen Sommer

Grundsätzlich sei die Ernte zufriedenstellend gewesen. Die beiden trockenen vergangenen Jahre hätten aber noch mehr Ertrag gebracht - das wundert sogar Spahn. „Die Kürbisse sind offensichtlich so gut verwurzelt, dass sie das Wasser gut speichern können“. Die zusätzliche Bewässerung von Feldern sei grundsätzlich schwierig, weil man das Wasser entweder aus umliegenden Flüssen oder aus Brunnen ziehen muss - das sei nicht überall gegeben. Leitungswasser wäre für diesen Zweck unverhältnismäßig teuer.

Das Problem in diesem Jahr: Viele Pflanzen haben zwei Früchte gebildet, die zweite Frucht aber wieder abgeworfen. Einen konkreten Grund wie extreme Trockenheit gab es zu dem Zeitpunkt aber nicht. Im Mai wurden die Kürbis-Samen gepflanzt, Ende Juli blühten die Pflanzen in sattem gelb - Anfang September konnten die Früchte bereits geerntet werden. „Es ist gut, wenn es bei der Ernte etwas bewölkt ist. Die Kürbisse zu ernten ist schwere körperliche Arbeit - bei Temperaturen um die 30 Grad wäre es umso kräftezehrender“, sagt Spahn.

Der Kürbis lebt nach der Ernte weiter

16.000-18.000 Kürbisse wuchsen auf dem Hof Schulze Altcappenberg auf einem Hektar, also 10.000 Quadratmetern. 21 Hektar sind die Kürbisfelder insgesamt groß. Das ergibt rund 357000 Kürbisse. 15 Mitarbeiter waren zehn Tage lang damit beschäftigt, das Fruchtgemüse von Hand zu ernten. Da Kürbisse recht sensibel sind, können sie nicht maschinell abgeerntet werden.

Doch der Kürbis „lebt“ nach der Ernte weiter, erklärt Spahn. Wenn bei der Ernte Schrammen an der Außenhülle entstehen, regeneriert sich der Kürbis noch. An den verletzten Stellen bildet sich eine leichte Korkschicht. Ob ein Hokkaido-Kürbis reif ist, erkennt man vor allem an der satten Farbe. Ein Blick ins Innere gibt noch mehr Aufschluss: Die Kerne müssen gefüllt, also nicht nur leere flache Hüllen sein.

Halloweenkürbisse warten auf ihre große Stunde

Seine große Stunde hat der Kürbis zu Halloween (31. Oktober). Darauf bereitet sich auch der Hof Lünemann, Nachbar von Hof Schulze Altcappenberg, vor. Benedikt Lünemann verwandelt sein Mais-Labyrinth an jenem Tag in einen Grusel-Parcours. Da dürfen Kürbislaternen nicht fehlen. Auf dem Hof wachsen einige Halloweenkürbisse - die wurden etwas später gepflanzt, damit sie nicht deutlich vor Halloween reif werden. Der Halloweenkürbis ist übrigens eine spezielle Sorte, die sich besonders gut für das Schnitzen von Laternen eignet.

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Erstmals werden in diesem Jahr auch Halloween-Kürbisse auf dem Hof Schulze Altcappenberg angebaut. Die wurden im Gegensatz zu den handlichen Hokkaido-Kürbissen, bei denen die Schale mitgegessen werden kann, noch nicht geerntet. „Niemand kauft schon gut einen Monat vor Halloween seinen Deko-Kürbis. Die Halloweenkürbisse können noch etwas weiter wachsen“, sagt Spahn.

Kaufen kann man die Bio-Kürbisse allerdings nicht direkt auf dem Hof, sondern in Super- und Raiffeisenmärkten.

Die wiederum beginnen nun, Kürbisse vom Hof zu bestellen. „Der Kürbis ist ein Saisonprodukt: Am häufigsten wird er für Suppen verwendet. Da die Lust auf Suppen bei kalten Temperaturen steigt, sind Kürbisse im Spätherbst und Winter besonders beliebt“, sagt Spahn. Zwar könne man in spezialisierten Betrieben die Kürbisse lange lagern, aber zum Frühjahr hin nähme das Interesse am Fruchtgemüse ohnehin wieder ab.

Viele Einsatzmöglichkeiten für den Kürbis

„Ich habe das Gefühl, dass der Kürbis aktuell immer beliebter wird. Das liegt einerseits daran, dass er sehr gesund ist, aber auch an seinen vielen Einsatzmöglichkeiten: Ob im Auflauf, auf dem Grill oder in der Suppe - er schmeckt immer“, schwärmt der Betriebsleiter vom Hokkaido-Kürbis.

Das Wetter habe im Übrigen keinen großen Einfluss auf den Geschmack des Kürbisses.

Kürbisse sind ein Saisonprodukt: Das beliebteste Kürbisgericht ist die Kürbissuppe. Der Hunger auf Suppe steigt, wenn es kälter wird - deshalb werden im Spätherbst und Winter die meisten Kürbisse verkauft.

Kürbisse sind ein Saisonprodukt: Das beliebteste Kürbisgericht ist die Kürbissuppe. Der Hunger auf Suppe steigt, wenn es kälter wird - deshalb werden im Spätherbst und Winter die meisten Kürbisse verkauft. © picture alliance / dpa-tmn

„Man kann nicht wie beim Wein sagen, dass es einen guten Kürbis-Jahrgang gab. Da gibt es keine Kürbis-Sommeliers“, sagt Spahn augenzwinkernd. Lediglich der Fruchtzuckergehalt schwanke je nach Witterung. Entscheidender für den Geschmack sei die Sorte. Bei denen gäbe es wiederum Untersorten. Letztendlich seien dies jedoch nur kleine geschmackliche Nuancen und machen keinen Unterschied bei der Verwertung, so wie es beispielsweise bei Kartoffelsorten sei.

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