Kunst mit Klebeband: Cappenberger Künstler Michael Nolte mit Tape Art erfolgreich

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Ein Werk (ein von ihm bemaltes Teil der Berliner Mauer) ist nach Kanada verkauft, 2020 steht eine Einzelausstellung in der Artothek in Dortmund an: Es läuft beim Cappenberger Künstler Mino.

Cappenberg

, 26.12.2019, 15:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Irgendwie hatte er schon immer ein Auge dafür, sagt Michael Nolte. Ein Auge für Formen. Für Farben. Für das, was einem Bild den „besonderen Kick“ gibt. Der Cappenberger ist eigentlich Polizeibeamter. Seit einem schweren Rennradunfall vor ein paar Jahren hat sich für ihn aber eine Art Nebenberuf ergeben: Künstler. Seine Werke, so sagt er, gehen gerade regelrecht durch die Decke.

Ein Vierteljahr durfte Michael Nolte nach den Unfall nicht arbeiten. Musste sich schonen. „Da saß ich dann hier“, sagt er heute schulterzuckend. „Und dann fiel mir auf einmal meine Staffelei wieder ein.“ Außerdem entdeckte er eine Kunstform für sich, die gerade noch ziemlich neu und ziemlich besonders ist. Tape Art heißt sie. Kunst mit Klebeband also.

Kunst mit Klebeband: Cappenberger Künstler Michael Nolte mit Tape Art erfolgreich

Michael Nolte bei der Arbeit. Hier mit Pinsel - sonst macht er auch viel mit Klebeband. © Marie Rademacher

Was genau das ist, erklärt Michael Nolte, während er im Flur vor einem seiner ersten Tape-Art-Kunstwerke steht. Darauf ist eine Frau zu sehen, deren rotes Haar in einem geflochtenen Zopf über ihre Schulter fließt. Und das aus Klebeband. Das Bild hat auch gezeichnete Elemente - die blauen Augen der Frau zum Beispiel. Ihre üppigen Wimpern allerdings haben durch das verwandte Material eine besondere Wirkung. Tape ist hier das Geheimnis.

Kunst zum Anfassen

„Fassen Sie ruhig mal an“, sagt Michael Nolte und deutet auf das echte Pflaster, das auf der Wange der dargestellten Frau klebt. Ein Satz, den man im Kunstmuseum wohl nie hören würde. Michael Nolte hat ein anderes Verständnis von Kunst, als es in Museen oft vorherrscht. Das Anfassen, das unmittelbare Berühren und das Abbauen von Scheu oder zu viel Respekt vor dem Werk: Das ist ihm wichtig.

Kunst mit Klebeband: Cappenberger Künstler Michael Nolte mit Tape Art erfolgreich

"It's a shame" heißt dieses Bild von Michael Nolte. © Michael Nolte

Kein Wunder: Tape Art ist eine Kunstform, die aus der Street Art oder Urban Art kommt. Also aus der Kunst, die im öffentlichen Raum und nicht unbedingt im Museum zu Hause ist. Das Klebeband - meistens Gaffer- oder Gewebeband - ist dabei so eine Art Alternative zur Spraydose, die Künstler für Graffiti verwenden. Die Klebebande, ein Künstlerkollektiv aus Berlin, macht das schon seit zehn Jahren. Ganze Hausfassaden hat die Künstlergruppe dort beispielsweise schon mit Klebeband in Kunstwerke verwandelt.

Dort - in Berlin - gibt es eine richtige Szene. Das ist in Cappenberg natürlich nicht so, sagt Michael Nolte. Außerdem ist er natürlich auch nicht unbedingt auf Hauswänden unterwegs, sondern auf Leinwänden oder Holzbrettern. Aber mit seiner Interpretation der Tape Art und auch mit seinen anderen Kunstwerken (Malereien oder Kollagen) konnte er schon viele Menschen erreichen.

Ausstellung in der Artothek in Dortmund

Mehrere Ausstellungen hat Mino, so der Künstlername von Michael Nolte, schon organisiert: die erste in der Kaffeerösterei in Lünen. Dabei hat er Spenden für den ambulanten Kinderhospizdienst in Lünen gesammelt. 2020 zeigt er in der Artothek der Landesbibliothek Dortmund eine Einzelausstellung und ist auf der Suche nach einer Galerie, die ihn als Künstler vertritt.

Kunst mit Klebeband: Cappenberger Künstler Michael Nolte mit Tape Art erfolgreich

Eines der drei Teile der Berliner Mauer, die der Cappenberger Künstler MiNo verkauft hat, ist nach Kanada verkauft worden. © Michael Nolte

Rund 20 Bilder - je nach Größe kosten sie derzeit 400, 600 oder 800 Euro - hat er bereits verkauft. Eine besondere Arbeit von ihm wird bald sogar den weiten Weg nach Kanada antreten: Ein von Michael Nolte bemaltes (und beklebtes) Stück der Berliner Mauer wird dort bald eine Garten zieren. Für eine fünfstellige Summe ist es verkauft worden und wir im nächsten Jahr verschifft. Für die Kunst hat Michael Nolte ein Auge - und für die Vermarktung offenbar ein Händchen.

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