Leiden Selmer Geschäfte unter dem Onlinehandel?

Konkurrenz im Internet

Sich im Geschäft vor Ort beraten lassen und dann im Internet kaufen. Immer wieder liest man: Der Onlinehandel macht vielen Einzelhändlern zu schaffen. Wir haben bei Geschäften in Selm nachgefragt und durchaus überraschende Antworten bekommen: Ja, der Onlinehandel kostet Umsatz - es gibt aber auch positive Effekte.

SELM

, 07.09.2017, 18:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Selber kaufe ich nicht so gerne online ein. Ich möchte die Ware ansehen, anfassen, anprobieren – und nicht alles zigmal hin- und herschicken.“ Werner Angersbach ist einer der Selmer Einzelhändler, die mit der wachsenden Konkurrenz durch den Onlinehandel klarkommen müssen.

Der 65-Jährige ist Inhaber des Intersport-Geschäfts an der Ludgeristraße, das dort schon seit 40 Jahren beheimatet ist. „Man jongliert, so kann man das sagen“, sagt Angersbach. War früher der Versandhandel die direkte Konkurrenz, ist es heute der Onlinehandel.

Stammkunden schätzen persönlichen Kontakt

Dass allerdings Leute kommen und sich beraten lassen, um dann günstig im Internet einzukaufen – das kann er nicht so bestätigen. Angersbach hat Stammkunden, die den persönlichen Kontakt und die Beratung schätzen. „Gerade ältere Leute, die mit dem Internet nicht so zurechtkommen, wollen gerne von mir beraten werden“, erzählt der Einzelhändler. Und die kaufen auch bei ihm. Auch der positive Effekt des Onlinehandels ist Angersbach bekannt: So mancher informiert sich im Internet über das Angebot und kommt dann zu ihm. „Was ich nicht da habe, kann ich bestellen.“

Masche: Beratung vor Ort, Kauf im Internet

Bei Haushaltsgeräten sieht das offenbar ganz anders aus: Gleich nebenan liegt das Haushaltswarengeschäft Knümann – seit mittlerweile 137 Jahren. Herbert Reuter (77) und sein Sohn Christian Reuter (43) führen das Geschäft in der dritten bzw. vierten Generation. Sie kennen die „Masche“ vieler Kunden, die sich vor Ort beraten lassen, um dann online zu bestellen.

„Das zieht sich überall durch“, sagt Herbert Reuter. „Erst heute Morgen war einer hier, der sich über einen Briefkasten informiert hat.“ Ob der Kunde ihn später tatsächlich bei ihm kaufen wird? Daran glaubt Reuter nicht. Nur nachweisen kann er es natürlich niemandem. „Es tut allen weh“, fasst er dieses Verhalten der Käufer (oder vielmehr Nicht-Käufer) zusammen.

Kunden nutzen Reparaturservice zu Unrecht

Auch der Reparaturservice, den das Geschäft anbietet, würde manchmal zu Unrecht in Anspruch genommen. „Da kommen dann Leute und sagen: Die Kaffeemaschine hab ich geschenkt bekommen, die ist von hier, nur die Quittung habe ich nicht“, erzählt Herbert Reuter. Sohn Christian nickt bestätigend.

Trotzdem bieten sie diesen Service weiter an. „Wir können beraten, liefern, die Sachen aufstellen. Wir müssen eben versuchen, so viel wie möglich über den Service aufzufangen.“

Elektrofachgeschäft macht nur noch Endberatung

Im Elektrofachgeschäft Euronics Krampe an der Brückenstraße läuft es genau anders herum: „Die Kunden machen sich vorher im Internet schlau, aber dann kommen sie zu mir“, erklärt Inhaber Michael Krampe stolz. „Das ist zu mehr als 90 Prozent so“, fügt der 45-Jährige hinzu. „Unsere Kunden wissen schon, was sie wollen. Wir machen dann nur noch die Endberatung.“

Den Grund für diesen Erfolg sieht er darin, dass es sich bei seinem Geschäft um eine Meisterwerkstatt handelt. „Von der Sat-Antenne über die Waschmaschine bis zum Fernseher können wir alles reparieren, und das können viele Hersteller, bei denen online bestellt wird, einfach nicht anbieten“, sagt er. Auch die Kunden im größeren Umkreis wüssten das zu schätzen. „Ich sehe, dass viele, die bei mir kaufen, von weiter weg kommen.“ 

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