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Letzte große Kunstausstellung in der Stiftskirche Cappenberg eröffnet

rnVerzögerungen bei Bauarbeiten

Nicht nur die Biennale in Venedig hat am Wochenende geöffnet. Auch der Kreis Unna hat zu seiner neuen Kunstausstellung geladen - und die ist nicht nur für Kulturfreunde interessant.

Cappenberg

, 13.05.2019 / Lesedauer: 3 min

„Wohl zum letzten Mal“ sei der Kreis Unna mit einer Kunstausstellung in der Cappenberger Stiftskirche zu Gast, sagt Landrat Michael Makiolla am Sonntagvormittag. Die Kirche dient als Ausweichquartier für die Kunstschauen des Kreises, seitdem dessen Ausstellungsräume im benachbarten Schloss Cappenberg geschlossen sind wegen Sanierungsarbeiten. Ende 2015 gingen die Türen zu. Eigentlich sollten sie längst wieder geöffnet sein.

Warten auf die Eröffnung des Schlosses

2017 sollten die sanierten Räume im Schloss öffnen, dann 2018. Auch aus 2019 wird daraus nichts werden. Zurzeit geht der Landschaftsverband Westfalen Lippe von Anfang 2020 aus. „Ich habe das Versprechen der Verantwortlichen, dass ich noch während meiner Amtszeit eine Ausstellung im Schloss eröffnen werde“, sagt Makiolla am Sonntag und schmunzelt. Bekanntlich kandidiert der Landrat nicht für eine weitere Amtsperiode. Und die Kommunalwahlen, die seinen Nachfolger bestimmen, sind für September 2020 vorgesehen.

Wann genau Kulturfreunde das Schloss wieder betreten können, ist zwar offen. Dass sie und alle anderen ab Anfang 2020 aber nicht mehr in die Stiftskirche können, ist dagegen sicher. Dann werde die umfassende Sanierung des romanischen Gotteshauses beginnen, hatte der Pfarrer, Pater Gregor Pahl, angekündigt. Eine Verschiebung dieses Datums würde den gesamten weiteren Zeitplan durcheinander bringen.

Jubiläumsjahr 900 Jahre Cappenberg steht bevor

Im Jahr 2022 muss alles fertig sein - pünktlich zum Cappenberger Jubiläumsjahr. Im Jahr 1122 hatte Graf Gottfried von Cappenberg seine Burg und seinen gesamten weiteren Besitz dem jungen Orden der Prämonstratenser geschenkt. Kurz danach begann der Bau der Stiftskirche, in der bis zum 15. Dezember diesen Jahres 29 „beseelte“ Bronze-Plastiken zu sehen sind

„Beseelte Bronzen“ heißt die Ausstellung mit Werken des Künstlers Joachim Karsch, die - parallel zur Biennale in Venedig - in Cappenberg eröffnet wurde. Anders als Gerhard Marcks, der Bildhauer, dessen Werke 2018 in der Stiftskirche gezeigt wurden, war Karsch in Venedig nie vertreten, auch in Kassel bei der documenta nicht. „Joachim Karsch ist, wenn man ehrlich ist, auch hier nur wenigen bekannt“, sagt Makiolla mit Blick ins Publikum. Rund 250 Gäste aus dem ganzen Kreis sind zur Ausstellungseröffnung gekommen.

Alte und neue Kunstwerke im Austausch

Darunter auch das Ehepaar von der Heyde aus Cappenberg. Sie freue sich, dass wieder Skulpturen in der Kirche zu sehen seien, sagt Christa von der Heyde. Wer die betrachte, könne auch einen neuen Blick auf die bekannten, Jahrhunderte alten Kunstwerke des Kirchenraums werfen.

Zum Beispiel auf den leidenden Christus, eine im nördlichen Seitenschiff hängende Schnitzarbeit aus dem 15. Jahrhundert. Zu seinen Füße stehen drei Bronzen, die den Schmerzensmann mit ganz unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten scheinen. „So, als wenn die Figuren von vorne herein zusammengehört hätten“, meint die Cappenbergerin. Kurator Arne Reimann würden das gefallen.

Beseelte Figuren im Gegensatz zum unglücklichen Künstler

Ob „die kleine Sitzende“ oder „die kluge Jungfrau“ und die „törichte Jungfrau“ oder „die Lesenden“: „Die Bronzen nehmen Bezug auf das Umfeld“, sagt er in seiner Ansprache. Mitkuratorin Sally Müller ergänzt: „Joachim Karsch gehörte zu jenen Bildhauern, die mit der Körperlichkeit ihrer Bildwerke nach idealisierender und symbolhafter Darstellung strebten.“ Die Folge: der zu erkennende „beseelte Ausdruck“.

Den Optimismus seiner Figuren teilte der Künstler nicht. Der 1897 geborene Karsch wuchs als Vollwaise in Schlesien auf. Zeit seines künstlerischen Schaffens sei er voller Selbstzweifel gewesen, so Müller. So habe er seine anfänglich expressionistischen Plastiken und Zeichnungen 1922 nahezu vollständig vernichtet. Dass aus seiner dann folgenden Schaffensperiode nur ein kleiner Teil der Arbeiten erhalten ist, hat mit dem Krieg zu tun: Ein Bombenangriff zerstörte laut Müller zwei Drittel der Werke. Karsch selbst habe kurz vor Kriegsende das Leben genommen.

Die Ausstellung in der Stiftskirche von Schloss Cappenberg entstand in Zusammenarbeit mit der Galerie Nierendorf, Berlin. Zu sehen ist sie zu den Öffnungszeiten dienstags bis freitags, 13.30 bis 17 Uhr, und samstags und sonntags von 10 bis 17 Uhr (außerhalb der Gottesdienste). Der Eintritt ist frei. Öffentliche Führungen finden ab Sonntag, 19. Mai, jeden Sonntag um 11.30 und 14.30 Uhr statt.
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