Lieferdienst für Spielzeug: Einzelhändlerin in Selm sucht Ausweg aus der Corona-Krise

rnCoronavirus

Ilselotte Keksberg ist nur 65 Zentimeter groß. Für das Team des Geschäfts Spielen und Träumen ist sie aber eine riesige Hoffnungsträgerin: das Maskottchen eines besonderen Lieferdienstes.

Selm

, 22.03.2020, 19:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Elisabeth Sandmann steht vor einer verschlossenen Tür: ihrer Ladentür in der Selmer Altstadt. Um die Ansteckungsgefahr mit dem gefährlichen Coronavirus zu bremsen, dürfen nur noch Geschäfte für Lebensmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs öffnen. Spiele, Bastelsachen und Bücher gehören laut des NRW-Erlasses nicht dazu.

Dabei sind sie auch wichtig, wie Sandmann meint - erst recht in einer Krisenzeit, in der alle Spielplätze gesperrt sind, die Schulen und Kitas geschlossen und das Toben mit den Nachbarkindern verboten ist.

Existenzängste angesichts der ungewissen Zukunft

Die Selmerin ist wehmütig. „Ein bisschen verzweifelt“, sagt sie selbst: „In den letzten Wochen und Monaten hatten wir einen großartigen Aufschwung in unserem Laden erlebt“, sagt sie. Und jetzt? Sie martert sich mit vielen Fragen: „Wie lange dürfen wir unsere Kunden nicht persönlich begrüßen. Wie bezahlen wir unsere Miete. Und wann dürfen wir unser Ladenlokal wieder öffnen?“ Und reichen die Reserven bis dahin?

Sie hat keine Antwort darauf. Und sie weiß, dass die auch niemand sonst weiß. Eigentlich ein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken und zu resignieren. So sieht Sandmann aber nicht aus - Dank ihrer Familie.

Unterstützung durch die fünf erwachsenen Kinder und deren Familien

„Unsere fünf großen Kinder mit ihren Familien haben angerufen und ihre Hilfe angeboten“, erzählt sie. Das hat neue Energie freigesetzt - und Ideen. Die Sandmanns haben telefoniert, gechattet, Plakat-Entwürfe hin- und hergeschickt: eine Gemeinschaftsaktion sondergleichen, ohne sich dabei tatsächlich zu treffen. Denn bei ihnen herrsche selbst verordnete Familien-Quarantäne, sagt Elisabeth Sandmann.

Großfamilie Sandmann hält zusammen. In Zeiten von Corona trifft sie sich anders als auf diesem Foto aber nicht, sondern hält Kontakt via Internet und Telefon.

Großfamilie Sandmann hält zusammen. In Zeiten von Corona trifft sie sich anders als auf diesem Foto aber nicht, sondern hält Kontakt via Internet und Telefon.

„Unsere Kinder wohnen mit ihren Familien in Osnabrück, Beckum, Münster und Velbert“, und da seien sie auch geblieben. Nähe lasse sich auch auf Distanz erleben, Gemeinschaft auch alleine: eine Erfahrung , die sie jetzt an ihre Kunden weitergeben will - mit Hilfe einer ganz besondere Mitarbeiterin Ilselotte Keksberg.

Puppe Ilselotte ist als Maskottchen dabei

Die Handpuppe mit der großen Klappe und der Struppelfrisur ist das Maskottchen des neuen Lieferservice von Spielen und Träumen. Sie ist dabei, wenn das Team Bestellungen ausfährt und vor die Haustüren stellt, und sie winkt den Kunden von der anderen Straßenseite zu, wenn sie die Waren ins Haus holen. Das Angebot ist brandneu, es gibt aber schon Resonanz: „Und die ist wirklich toll“, sagt Sandmann und erzählt von Mails, die Eltern, Kinder und Mitarbeiter von Seniorenheimen geschickt haben.

Dieses Foto von Elisabeth Sandmann, der Inhaberin des Spielwarenladens „Spielen und Träumen“, ist bereits einige Monate alt. Damals ahnte noch niemand etwas von der Corona-Krise.

Dieses Foto von Elisabeth Sandmann, der Inhaberin des Spielwarenladens „Spielen und Träumen“, ist bereits einige Monate alt. Damals ahnte noch niemand etwas von der Corona-Krise. © Simon Rusche

Auch wenn die Ladentür verschlossen bleibt: „Wir sind zu den regulären Öffnungszeiten unseres Geschäftes jederzeit telefonisch für alle Anliegen erreichbar“, sagt Elisabeth Sandmann. Und dabei gehe es nicht nur um Bestellungen: „Auch wenn wir nur ein wenig zuhören, trösten oder lachen“, jeder Kontakt sei wichtig, in einer Zeit, in der jeder am besten zuhause bleibt.

Wie Nähe auch auf Distanz funktioniert

Diese Erfahrung nutzt die Ladenbesitzerin auch privat: „Gestern Abend habe ich unseren Enkeln per Telefon die Abendgeschichte vorgelesen - und wir hatten auch daran Freude“, sagt sie. Im Moment seien einfach Fantasie und Kreativität gefragt.

So funktioniert der Lieferservice: anrufen unter Tel. 02592/980688 oder per E-Mail (elisabeth.sandmann@online.de), über Facebook oder Instagram. „In den meisten Fällen liefern wir nach Zahlung per Überweisung am gleichen oder nächsten Tag aus“, sagt Elisabeth Sandmann. Das erfolge im Umkreis von 20 Kilometern kostenlos. Ilselotte Keksberg ist immer dabei.

Lesen Sie jetzt