Auf die Weidenstraße hat sich am Mittwoch kein 40-Tonner mehr gewagt. Einen Tag zuvor hatten Anwohner einen Lkw zugeparkt: eine Blockade, die jetzt Wirkung zeigt.

Selm

, 20.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Zufrieden? Das wäre doch etwas zu viel gesagt, meint Gerald Nägeler nach dem Gespräch am Mittwochmorgen im Amtshaus Bork. Mit seinen Nachbarn von der Weidenstraße war er zur Stadtverwaltung gefahren, um eine Lösung für ein Ärgernis zu finden, das allen Anwohnern der Weidenstraße bitter aufgestoßen ist. Immerhin gibt es aber inzwischen eine Lösung.

Die Stadt hatte an der Kreisstraße (B236) ein Wohn- und Geschäftshaus - vielen bekannt als Sams Döner - abreißen lassen. Das Unternehmen hatte den Bauschutt am Dienstag abgefahren, aber nicht von der breiten Kreisstraße, sondern von der schmalen Weidenstraße aus. 40-Tonner fuhren im Slalom um die parkenden Autos herum, bis ein Anwohner so parkte, dass der Lkw weder vor noch zurück kam.

„Die Anwohner haben nichts Falsches gemacht“, sagt Thomas Röwekamp. Sprecher der Kreispolizeibehörde. Sie parkten völlig korrekt, wenn sie ihre Pkw auf der Straße abstellten. Und nicht etwa halb auf dem Gehweg.

Eigentlich sollten gar keine 40-Tonner kommen

„Sicher ist es hier eng, aber Krankenwagen und Feuerwehrautos sind noch immer durchgekommen.“, sagt Sabine Kemmler aus der Anwohnerschaft, die sich am Mittwochmorgen genauso wie am Abend zuvor auf der Straße versammelt hat. Die Einsatzfahrzeuge seien ja auch noch einige Meter kürzer als die Bauschutt-Transporter, erklärt Nägeler.

Eigentlich hätten nie solche 40-Tonner kommen sollen, sagt Malte Woesmann von der Stadtverwaltung. „Der beauftragten Firma wurde mitgegeben, aufgrund der Situation vor Ort kleine Lkw von maximal 26 Tonnen zu nutzen, da diese den Wendehammer in der Teichstraße nutzen können.“ Eine Sondererlaubnis, um den Bauschutt über die Weidenstraße abzufahren, und eine Information der Nachbarn seien laut Woesmann nicht nötig gewesen: „Es ist öffentlicher Verkehrsraum.“

Warum die Entsorgung nicht über die Kreisstraße erfolgte

Woesmann hat auch eine Erklärung dafür, warum die Stadt dem Entsorgungsunternehmen überhaupt vorgeschrieben hatte, den Weg über die Weidenstraße zu nehmen statt über die Kreisstraße. Sie hat nichts damit zu tun, dass die nagelneue Kreisstraße geschont werden soll, wie die Anwohner vermutet hatten.

Der Geh- und Radweg habe nicht gesperrt werden sollen, sagt Woesmann. „Zudem grenzt die ehemalige Kellerwand des abgerissenen Gebäudes direkt an den Gehweg.“ Bei zu großer Belastung durch den Lkw hätte es sein können, dass diese Wand abbricht und der Gehweg beschädigt wird. Der Weg über die Weidenstraße sei die „sichere, einfachere und schnellere Variante“. Gerald Nägeler und seine Nachbarn sehen das anders.

Die Stadt gibt den Anwohnern ein Versprechen

Am Ende, meint Nägeler, blieben er und die anderen Anwohner auf den Kosten sitzen: eine Befürchtung, die auch nach dem Gespräch im Amtshaus bleibt. Dabei gibt es ein Versprechen der Stadt: „Dass etwaige Beschädigungen durch den Baustellenverkehr an der Weidenstraße von der Stadt Selm repariert werden und die Anwohner nicht dafür zahlen müssen“, schreibt Woesmann. Eine Formulierung darin wird die Anwohner ärgern.

„Etwaige Beschädigungen.“ Es sei doch offensichtlich und auch dokumentiert, dass die Straße bereits Schaden genommen habe, sagt Nägeler, selbst Straßenbaumeister. Asphalt sei aufgesprungen und die bereits vorhandenen Risse seien jetzt noch tiefer. „Sobald es im Winter regnet und friert, wird sich das ganze Ausmaß des Schadens zeigen.“

Jetzt geht es doch über die Kreisstraße

Eine Lösung im Interesse der Anwohner gibt es aber doch. Die nächsten Abfuhren am Freitag und auch noch Anfang nächster Woche - „aufgrund der Beeinträchtigung am Mittwoch dauert der Abtransport nun länger“ - werden nicht mehr über die Weidenstraße erfolgen, sondern doch über die Kreisstraße: „Zum Schutz des Gehweges und der Baugrube werden dort aufwendige Sicherungsmaßnahmen vorgenommen“, so Woesmann.

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