Die Ausmaße des Lutherquartiers sind bereits gut zu erkennen, die Arbeiten an der Tiefgarage sind bereits weit fortgeschritten. © Thomas Aschwer
Riesige Nachfrage

Lutherquartier in Selm: Mehr Interessenten als Wohnungen

Viele zufriedene Gesichter gab es bei der offiziellen Grundsteinlegung für das lange umstrittene Lutherquartier in Selm. In die Freude über den Baufortschritt mischte sich eine Sorge.

Es war nicht mehr – aber auch nicht weniger – als ein wichtiger symbolischer Akt: Die Unnaer Kreis-Bau- und Siedlungsgesellschaft (UKBS) hatte am Mittwoch (10.) zur offiziellen Grundsteinlegung für das lange heftig umstrittene Lutherquartier auf dem Grundstück der dafür abgerissenen Lutherschule eingeladen. Zu sehen bekamen die Gäste schon recht viel, denn bereits seit Mai wird hier „in die Hände gespuckt“.

Die Freude bei der UKBS, dem Kreis und der Stadt über den Baufortschritt ist so groß, dass die „schwierige Geburt“ inklusive Streit über Sanierung der Schule oder Neubau und einem Bürgerentscheid gegen den Abriss nur noch am Rand ein Thema waren. Landrat, Bürgermeister und UKBS-Geschäftsführung richteten die Blicke nach vorne. Er ist so rosarot, dass sich ein ganz neues Problem auftut. Welche Interessenten sollen den Zuschlag für eine der insgesamt 25 Wohnungen bekommen, lautet die alles entscheidende Frage.

Bereits jetzt stehen 70 Interessenten auf der Liste, die für Mittwochabend zu einem Gespräch ins Bürgerhaus eingeladen waren. Die „Konkurrenz“ um die Wohnungen wird in den nächsten Wochen weiter wachsen. Für den 15. November (Montag) lädt die UKBS zu 18.30 Uhr alle noch nicht auf der Liste stehenden Interessenten zu einem Infoabend ins Bürgerhaus (Willy-Brandt-Platz 2) ein; Beginn ist um 18.30 Uhr. Im Mittelpunkt wird das besondere Konzept des Projektes stehen.

21 freifinanzierte und 4 Sozialwohnungen entstehen im Lutherquartier

Von anderen Bauvorhaben unterschiedet sich das Lutherquartier schon dadurch, dass es hier eine Kombination von 21 freifinanzierten und 4 Sozialwohnungen gibt. „Diese öffentlich geförderten Wohnungen sind jeweils 96 Quadratmeter groß – und verfügen somit über die größte Fläche in dem gesamten Projekt“, sagt Martin Kolander, Architekt und Mitglied der UKBS-Geschäftsleitung. Für diese vier Wohnungen gilt der festgesetzte Mietsatz von 5,90 Euro je Quadratmeter.

200 Tonnen Stahl werden beim Lutherquartier in Selm verbaut, dazu kommen rund 1500 Kubikmeter Beton und 80 Kubikmeter Mauerwerk.
200 Tonnen Stahl werden beim Lutherquartier in Selm verbaut, dazu kommen rund 1500 Kubikmeter Beton und 80 Kubikmeter Mauerwerk. © Thomas Aschwer © Thomas Aschwer

Bei den freifinanzierten Wohnungen ruft die UKBS eine Kaltmiete von 7,50 Euro je Quadratmeter auf – „wie wir es auch versprochen haben“. Martin Kolander räumt allerdings ein, dass diese Miethöhe nicht lange zu halten sein wird. Bereits jetzt stehe fest, dass sie „auf bis zu 8,50 Euro steigen kann.“ Die Unnaer Kreis-Bau- und Siedlungsgesellschaft begründet diese relativ kurzfristige Mietsteigerung mit den deutlich gestiegenen Baukosten. „Wir hatten mit einer Investition von 7,6 Millionen Euro gerechnet. Jetzt gehen wir davon aus, dass es am Ende 8,2 Millionen Euro werden.“

Mit dieser hohen Investition wird allerdings auch ein Konzept realisiert, das alles andere als Standard ist. So verfügt das Projekt über 28 PKW-Stellplätze in der Tiefgarage. „Jeder Platz kann problemlos mit einer Wallbox nachgerüstet werden“, sagt UKBS-Geschäftsführer Matthias Fischer. Dazu kämen weitere Parkplätze auf Flächen neben dem Haus. Hier wird es auch eine öffentliche E-Ladesäule geben. Geschützt in der Tiefgarage und unter einem Dach neben dem Haus können Fahrräder abgestellt werden. „Selbstverständlich ist“, so Matthias Fischer, „dass alle Wohnungen barrierefrei sind.“

Wohnungen reichen von 47 bis 96 Quadratmeter

Von anderen Mietobjekten will sich das Lutherquartier auch mit der inhaltlichen Ausrichtung unterscheiden. „Die Bereitschaft aller, einander zu helfen sowie füreinander da zu sein, bildet die Grundlage des Generationen-Wohnkonzeptes“, betont die Siedlungsgesellschaft. Sie wünscht sich in der Mieterschaft jüngere und ältere Menschen, Familien und Singles. Die Wohnungen reichen deshalb von 47 bis 96 Quadratmeter.

Viel Lob gab es bei der offiziellen Grundsteinlegung für das Konzept des Lutherquartiers, kein Wunder, dass Landrat Mario Löhr, UKBS-Geschäftsführer Matthias Fischer und Bürgermeister Thomas Orlowski (v.r.) gut gelaunt waren
Viel Lob gab es bei der offiziellen Grundsteinlegung für das Konzept des Lutherquartiers, kein Wunder, dass Landrat Mario Löhr, UKBS-Geschäftsführer Matthias Fischer und Bürgermeister Thomas Orlowski (v.r.) gut gelaunt waren. © Thomas Aschwer © Thomas Aschwer

Alle Mieter profitieren dabei von dem Blockheizkraftwerk. „Wir wollen den so produzierten Strom den Mietern kostengünstig anbieten“, so Fischer bei der Grundsteinlegung. Weil dieses Konzept rund 18 Monate vor dem Erstbezug so stark nachgefragt ist, steht die Geschäftsführung der UKBS vor schwierigen Entscheidungen: Wer soll den Zuschlag für die Wohnungen bekommen?

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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