Lydia Klinghammer ist Mutter von sieben Kindern

Großfamilie

SELM Wenn Lydia Klinghammer sich am Muttertag an den Frühstückstisch setzt, werden sieben kleine Geschenke für sie bereit liegen. Die 43-Jährige ist Mutter von sieben Kindern. Zuweilen tummelt sich in ihrem Garten eine ganze Fußballmannschaft, denn als Tagesmutter betreut sie bis zu vier weitere Knirpse. Stress im Alltag?

von Von Sybille Warnking

, 09.05.2009, 08:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

  Morgens, sechs Uhr in Bork: Lydia Klinghammer macht es sich in ihrem Lieblingssessel bequem, mummelt sich in eine Wolldecke und trinkt ihre erste Tasse Kaffee. Sie schmökert in einem Buch und genießt es, eine halbe Stunde ganz für sich zu haben. „Mein morgendlicher Kaffee ist mir heilig“, sagt die gelernte Arzthelferin und sieht dabei so frisch aus, als wäre der Tag schon mehrere Stunden alt. Nach und nach purzeln ihre Kinder aus dem Bett. Um 6.45 Uhr versammelt sich die Großfamilie zu ihrem Frühstücksritual. In der Küche nimmt sich jeder einen Tee und eine Stulle. Schnell werden die Termine des Tages abgeklärt, Klamotten und Schulsachen zusammengesucht. „Wo ist meine Hose?“, fragt der eine. „Sind meine Sportsachen gewaschen?“, will die andere wissen. Lena benötigt dringend noch ein rautiertes Schulheft. Mama nimmt es gelassen. Um 7.40 Uhr schlägt die Haustür zum letzten Mal zu.

Heute hat Lydia Klinghammer 20 Minuten Zeit, um die erste von mindestens zwei Ladungen Wäsche in die Maschine zu stopfen, die Küche aufzuräumen und durchs Haus zu fegen. Bis um acht Uhr die Klingel schellt und Chris mit seiner Mutter vor der Tür steht. An diesem Tag kann die Tagesmutter ganz für den strohblonden Zweieinhalbjährigen da sein. Sie selbst kommt aus einer 16-köpfigen Familie und hat ihre Berufung gefunden: „Ich kann den ganzen Tag meiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen und mit Kindern spielen. Mir fällt das nicht nur leicht, es macht mir auch wahnsinnig Spaß.“ Mittlerweile ist es 12 Uhr. Lydia Klinghammer steht in der Küche und schält 2,5 Kilo Kartoffeln. Eintopf soll es geben – auch wenn Lena den so gar nicht mag. Das schrille Bimmeln des Telefons durchbricht die Ruhe – die Zahnärztin ist am anderen Ende der Leitung.

Lydia Klinghammer sucht zwischen Musikproben, Reitstunden und Sportveranstaltungen nach geeigneten Terminen für ihre Kinder, kritzelt sie direkt in den Familienkalender, räumt derweilen die Spülmaschine aus und kehrt immer wieder zu ihren Kartoffeln zurück. Um 13 Uhr kommt David aus der Schule. Im Gepäck hat er einen toten Raben, den er auf dem Schulhof gefunden hat. Der Siebenjährige hat ein Herz für Tiere, ob tot oder lebendig – aber wie reagiert Mama? Die nimmt es gelassen und sucht mit ihrem Sohnemann eine geeignete Grabstätte im Vorgarten. Mit David Mathe lernen, mit Jule im Sandkasten spielen und mit Pia über die Ereignisse des Tages diskutieren. Manchmal fällt es schwer, zwischendurch Zeit für eine Tasse Kaffee zu finden. Doch Lydia Klinghammer hat gelernt, sich im Alltag Inseln nur für sie selbst zu schaffen. „Ich muss zwischendurch mal eine halbe Stunde schlafen, joggen oder in der Sonne sitzen. Ich bin stolz, dass meine Kinder das akzeptieren.“

Um 16 Uhr kommt Carla. Noch ein Kind, das ab nächster Woche von Lydia Klinghammer betreut wird. Ihre eigenen Sprösslinge spielen mit dem elf Monate alten Fratz. Jeder hilft hier jedem. Die Klinghammers sind so etwas wie ein erfolgreiches Familienunternehmen. Gegen 21 Uhr ist die Mutter im Zimmer der Kleinen. Papa Edwin liest vor. Langsam fallen die Augen zu. Ein ganz normaler Tag endet für die Mama so, wie er angefangen hat: Gemütlich, eingemummelt in Decken, ganz ohne Stress. Unglaublich, aber wahr. 

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