Marihuana-Plantage: Mehr als drei Jahre Haft

Drogenprozess gegen Bandidos

Der Bandidos-Prozess am Landgericht Münster nimmt jetzt richtig Fahrt auf. Das erste Urteil ist Freitag gefallen. Ab sofort stehen die Marihuana-Plantagen im Vordergrund, die die Bandidos im Münsterland und in Magdeburg betrieben.Bei dem Prozess wird auch klar: So ein Plantagenbetrieb ist eine äußerst aufwendige Sache.

SELM/MÜNSTER

30.01.2016, 11:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Drei Jahre und neun Monate verhängte die 3. Große Strafkammer gegen den 45-jährigen Mann, dessen Verhandlung sie vom Hauptverfahren abgetrennt hatte. Marihuana-Handel in erheblichem Umfang und den Erwerb von knapp 100 Gramm Kokain hatte der Mann zugegeben. „Sie haben früh ausgepackt. Das hat sich erheblich zu Ihren Gunsten ausgewirkt“,  stellte der vorsitzende Richter Dr. Jochen Dyhr fest.

Dann wandte sich das Gericht den großen Fischen zu und begann mit der Marihuana-Plantage, die die Polizei am 12. Mai 2015 in Rheine ausgehoben hatte. Zwei der ermittelnden Kommissare berichteten, dass sie im Keller eines Bungalows umfangreiche Gerätschaften wie  Lampen, Filter, Blumenkästen, Erde, Wassertonnen und Heizstrahler gefunden hatten. Von den Pflanzen fanden sie nur noch die Ballen und ein paar Blätter. Die Plantage war drei Tage vorher abgeerntet worden, weil die Bandidos offenbar Wind von der Razzia bekommen hatten.

Auch Hausbesitzer muss sich verantworten

Der Hausbesitzer muss sich in einem weiteren Prozess verantworten und machte gestern von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Drei andere Männer, die diese und weitere Plantagen versorgt haben, wurden vom Landgericht bereits rechtskräftig zu Strafen zwischen 40 und 57 Monaten verurteilt. Der eigentliche Drahtzieher ist der 35-jährige Niederländer, der den gerade verurteilten 45-jährigen Dealer mit Drogen belieferte. Zusammen mit einem weiteren Beschuldigten besorgte er in Holland die Geräte und die Stecklinge für die Plantagen und kümmerte sich um die Trocknung der Ernte in seinem Heimatland. Vor Gericht äußert er sich bislang nicht.    

Mit dem Strafmaß gegen die „kleineren Lichter“ haben die Richter erste Anhaltspunkte geliefert. Die Strafen gegen die anderen sechs Angeklagten, soweit ihnen die Anschuldigungen nachgewiesen werden können, dürften drastischer ausfallen. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

 

Cannabis-Zucht ist eine Energie fressende Sache. Das wird im aktuellen Prozess deutlich:

  • Zum Betrieb ihrer Lampen, Heizungen, Filter und Pumpen im Rheine überbrückten die Bandidos den Hauptsicherungskasten samt Zähler im Haus.  
  • Damit wollten sie den plötzlichen hohen Energieverbrauch vor den Stadtwerken verbergen und sparten zugleich über 6000 Euro Stromkosten an 67 Betriebstagen.-  
  •  In den anderen Plantagen lag der Stromdiebstahl sogar im fünfstelligen Euro-Bereich. Sie wurden allerdings auch länger bewirtschaftet.
  • Da die Plantage in Rheine ohne Sicherung betrieben wurde, war die Aktion laut Polizei sehr gefährlich. Bei einer Panne hätte es brennen können und im gesamten Stadtteil wäre der Strom für längere Zeit ausgefallen.   
Lesen Sie jetzt