Mario Löhr über alles, was Selm bewegt

Großes Bügermeister-Interview

Im Gespräch mit Sylvia vom Hofe macht Bürgermeister Mario Löhr klar, warum er den Begriff „große Koalition“ für Entscheidungen des Selmer Rates für unpassend hält und warum es sich lohnt, sich schon jetzt auf die nächste Weihnachtszeit zu freuen.

BORK

, 20.01.2017, 06:39 Uhr / Lesedauer: 11 min

Unsere Redakteurin Sylvia vom Hofe hat mit Selms Bürgermeister Mario Löhr über aktuelle Planungen in Selm, Ärger in Bork und Hoffnungen für Cappenberg gesprochen. Um diese Themen ging es:

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Über diese Themen sprach Bürgermeister Mario Löhr im Interview

Die Burg Botzlar, das neue Borker Einkaufszentrum, die Kreisstraße, das Amtshaus Bork: Über diese Themen sprach Bürgermeister Mario Löhr im Interview.
19.01.2017
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Wird umgebaut: die Burg Botzlar.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die Bauarbeiten für das neue Einkaufszentrum in Bork machen Fortschritte.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die Bürger stehen Schlange im Amtshaus Bork.© Foto: Sylvia vom Hofe
In Cappenberg ein Einkaufszentrm zu schaffen, scheint aussichtlslos.© Foto: Sylvia vom Hofe
Das Flanieren hier soll attraktver werden: die Kreisstraße.© Foto: Sylvia vom Hofe
Hier entsteht ein neues Einkaufszentrum mit Lidl, Roßmann und einer Bäckerei.© Foto: Sylvia vom Hofe
Der bisherige Standort von Rüschkamp an der Kreisstraße.© Foto: Sylvia vom Hofe
Hier entsteht in Bork ein neues Einkaufszentrum.© Foto: Sylvia vom Hofe
Wird umgebaut: das Amtshaus Bork.© Foto: Sylvia vom Hofe
Hierhin will das Autohaus Rüschkamp umziehen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Schlagworte Selm, Bork

 

Aktuelle Planungen in Selm

Während wir dieses Gespräch im Borker Amtshaus führen, steht Kaffee auf dem Tisch. Glauben Sie, dass man bald auch wieder im Borker Ortskern Bier wird trinken können?

Erst einmal bedauere ich die Schließung der letzten Gaststätte im Ortskern: Alt Bork. Die Eigentümerin hatte das aber schon lange vorher angemeldet. Das hat keinen mehr überraschen können.

Was halten Sie von dem Vorschlag von Willi Müller, eine ehrenamtlich geführte gemeinnützige Gaststätte in der ehemaligen Alten Post einzurichten?

Er hatte mich zweimal aufgesucht und mir zahlreiche Fragen gestellt, im Wesentlichen baurechtliche Fragen. Ich wünsche ihm alles Gute bei seinem Vorhaben. Ich drücke ihm die Daumen, dass die ehrenamtlichen Unterstützer auch weiter bei der Sache bleiben. Barrierefreiheit, Parkplatzproblem – das sind alles Probleme, die gelöst werden können. Dass es durch ehrenamtliche Unterstützung gelingen wird, die finanziellen Voraussetzungen zu schaffen, hatte er mir im Gespräch signalisiert.

Könnte die Stadt denn selbst eine Gaststätte kaufen. Und sogar betreiben?

Nein. Ich weiß, dass das in der Diskussion auch aufkam. Aber wir können nicht einerseits bei Wohlfahrtsverbänden die Mittel kappen und dann so etwas in den Stiel stoßen. Dazu waren wir früher nicht in der Lage und sind es jetzt auch nicht.

Die Borker machen sich Gedanken über die Zukunft ihres Ortskerns. Sie hatten im Dezember dazu auch eine Versammlung einberufen von Borkern für Borker. Sie sind dazu nicht eingeladen worden. Ärgert Sie das?

Dass man sich zusammensetzt und kümmert, begrüße ich. Ärgerlich fand ich nur, dass man gesagt hat, die Selmer Politiker und die Verwaltung dürften nichts davon wissen. Ärgerlich auch, die Grünen und die Linke erst gar nicht einzuladen. Ich kann mich erinnern: Beim Thema Bürgerbus hatte Stefan Kühnhenrich (Anm. d. Redaktion: der zurückgetretene SPD-Stadtverbandsvorsitzende) alle angesprochen, und jetzt beim Thema Kneipe wird selektiert.

Apropos Bürgerbus: Der ist ja immer noch nicht losgefahren…

…stimmt, das war die Herzensangelegenheit von Stefan Kühnhenrich.  Vor zwei Jahren hatte er das angestoßen, ist damit aber noch nicht weitergekommen. Ich warte genauso auf Fortschritte wie die Bürger. Das wird gerne verwechselt, und man fragt mich, wann die Verwaltung den Bürgerbus startet. Dabei ist das aber eine Initiative von Stefan Kühnhenrich.

Es sind also private Initiativen nötig, um so etwas in Bewegung zu setzen?

Die Politik hatte im Zuge der Haushaltskonsolidierung Personal abgebaut. Das ging nur, weil wir auch Standards reduzierten. Wir sind auch nicht in der Lage, dies zusätzlich zu leisten. Wir unterstützen jeden Verein, jede Initiative, die gestartet wird. Aber dann müssen die Ehrenamtlichen nicht nur Worte, sondern auch Taten folgen lassen.

 

Rolle des Bürgermeisters

Innenminister Thomas de Maizière hat auf Bundesebene angesichts der aktuellen Herausforderungen einen starken Staat gefordert. Sehen Sie das auf lokaler Ebene ähnlich? Braucht es einen starken Bürgermeister angesichts der finanziellen Schwierigkeiten, die Selm hat?

Ich glaube, nicht nur in dieser Situation, sondern bei allen anderen Themen genauso.  Die Bürgerinnen und Bürger müssen die gerade Linie sehen, die der Haushalt vorgibt. Und daran müssen wir uns alle halten. Da komme ich auf die Gaststätte zurück. Nur um einigen Borkern einen Gefallen zu tun, kann ich nicht sagen: Wir kaufen die Gaststätte. 

  

Große Koalition?

Bleiben wir bei der Bundespolitik: Da ist die große Koalition bei den Politikern wenig beliebt, was sich besonders jetzt im Wahlkampf zeigt. Denn eine große Koalition bringt wenig Gelegenheit, das jeweils eigene Profil zu schärfen. Verstehen sie das mit Blick auf die politischen Verhältnisse in Selm, die oft ebenfalls an eine große Koalition erinnern?

Allen, die von der großen Koalition in Selm gerne sprechen, halte ich entgegen: Eine Koalition hat es zwischen CDU und UWG gegeben, als es um das Thema Hundesteuer ging. Auf kommunaler Ebene möchte ich auch gar nicht von Koalitionen sprechen. Die kann man auf Bundes- und Landesebene machen, aber nicht hier vor Ort, wo es darum geht, das Beste für Selm zu erreichen. Wenn hier ein Fußgängerweg gebaut wird, ist das nicht der Fußgängerweg einer Koalition, sondern aller politischer Vertreter, die das im Haushalt beschlossen haben.

Im Bund scheinen sich vor allem CDU und CSU zu streiten. Schwesterparteien in Selm haben wir nicht. Aber man kann den Verdacht bekommen, wenn man derzeit nach Bork blickt, dass sich gerade sowohl bei der CDU als auch bei der SPD die Ortsverbände und Stadtverbände streiten. Geht es Ihnen auch so?

Ich würde eher sagen: Stadtverbände und Fraktionen. Für die SPD kann ich zumindest sagen, dass Stefan Kühnhenrich mit seiner Idee für Bork, Alt Bork zu kaufen,  an die Fraktion herangetreten ist. Und die hat gefragt: Gibt es ein Konzept und ist das mit der Verwaltung besprochen? Als er das verneinte, hat auch die Fraktion abgewunken.  Der Stadtverband war irritiert, warum er beim Stadtverband hingeschmissen hat, aber in der Fraktion geblieben ist. Mit ihnen hatte er ja gar nicht gesprochen.

 

Ortsteile

Haben Sie den Eindruck, dass zurzeit Bork etwas zu kurz kommt?

Nein. Natürlich haben wir im Moment viele Projekte in Selm, aber die haben auch einen Vorlauf von sieben, acht Jahren. Zu glauben, die Stadt stecke zurzeit nur Geld in Selmer Projekte und vernachlässige die anderen beiden Stadtteile, stimmt nicht. Wir haben ebenfalls große Projekte für Bork und Cappenberg vor. Die Bürgerinnen und Bürger nehmen das durchaus wahr. Jetzt laufen die Planungen für Bork, und für Cappenberg gibt es auch bereits den Beschluss für ein integriertes Handlungskonzept. Die Vereine sammeln bereits Ideen. Vor den Sommerferien wollen wir den notwendigen Beschluss fassen, damit wir unsere Anträge ans Ministerium schicken können. Nur alles gleichzeitig, das geht nicht.

 

Amtshaus

Von Baumaßnahmen in Selm, Bork und Cappenberg zu denen, die hier im Amtshaus geplant sind. Dafür sieht der Haushaltsplan knapp eine halbe Million Euro vor. Was genau ist da geplant?

Wir gehen einmal davon aus, dass wir Ende Februar, Anfang März die Genehmigung für unseren Haushalt bekommen werden. Dann wollen wir auch mit Landeszuschüssen unser Bürgerbüro umgestalten und im Eingangsbereich erweitern. Barrierefreiheit wollen wir auch umsetzen, damit alle Menschen etwa in unseren Sitzungssaal kommen können.

 

Haushalt

Der Haushalt ist auf Kante genäht. Ein Puffer fehlt. Könnten Sie sich vorstellen, dass die Stadt angesichts der vielen Projekte doch noch – gegen ihre Absicht – Kredite wird aufnehmen müssen?

Ich persönlich gehe nicht davon aus, außer es passiert etwas Unvorhergesehenes: die Zuweisung von einer außergewöhnlich hohen Zahl an Flüchtlingen etwa. Darauf ist unser Haushalt nicht vorbereitet. Wenn das auftreten sollte, müssten wir das eine oder andere Projekt wieder zurückstellen. Ich habe eine klare Verpflichtung gegenüber dem Gesetzgeber, dass wir einen ausgeglichenen Haushalt präsentieren müssen. Das werden wir auch machen.

Die Genehmigung für den Haushalt steht noch aus. Muss man sich da Sorgen machen?

Ich gehe davon aus, dass wir ohne Auflagen den Haushalt genehmigt bekommen. Das hat man uns in Vorgesprächen so signalisiert.

 

Flüchtlinge

Im vergangenen Jahr beim Neujahrsempfang gingen Sie noch davon aus, dass es gelingen könnte, eine zweite Landesunterkunft für Flüchtlinge nach Selm zu bekommen. Das hätte dazu geführt, dass die Stadt – anders als es jetzt eingetreten ist – keine neuen Flüchtlinge zugewiesen bekäme, die längerfristig in der Stadt bleiben. Alles andere, so sagten sie damals beim Empfang, stelle Selm vor riesige Probleme. Sind die jetzt eingetreten?

Die Aussage, die ich damals getätigt habe, würde ich heute unter den gleichen Bedingungen genauso wiederholen. Wir haben 25.000, 26.000 Einwohner. Für uns ist das Thema Integration eine enorme Herausforderung. Die können wir nur dank der großen Hilfe der vielen ehrenamtlichen Helfer bewältigen. Mit einer Landeseinrichtung wäre es viel einfacher gewesen,  aber auch mit der Planung für ein kommunales Übergangsheim an der Industriestraße sind wir auf einem guten Weg, um das vernünftig umzusetzen. Ein Risiko: Wir wissen nicht, wer uns zugewiesen werden wird. Man hat uns aber bereits signalisiert: vorwiegend Nordafrikaner, die kein Bleiberecht haben. Da hat es am Anfang Schwierigkeiten gegeben, auch in der Kommunikation mit den Ehrenamtlichen. Aber das ist bewältigt worden.

Es stand in der Kritik, dass die Stadt jetzt eine zentrale Unterkunft an der Industriestraße und keine dezentrale Lösung gewählt hat. Stehen Sie weiter dazu?

Davon würde ich keinen Zentimeter abrücken. Ich stehe hier in der Verantwortung. Ich habe die Mitteilung bekommen, dass der größte Teil der Menschen, der kommen wird, kein Bleiberecht hat. Die Registrierung funktioniert inzwischen deutlich schneller. Nach zwei Monaten teilt das BAMF (Anm. d. Red. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) mit, ob es ein Bleiberecht gibt oder abgeschoben wird. Dass die Menschen in einer zentralen Einrichtung bleiben, finde ich richtig. Bekommen sie ein Bleiberecht, wechseln sie in einen anderen Rechtskreis, dann haben sie einen Anspruch auf eine Wohnung. Da bekommen sie SGBII-Gelder.

Gibt es denn genügend Wohnungen?

Wir suchen und sind immer in Gesprächen mit Eigentümern. Wohnraum ist insgesamt gefragt. Ich bin daher froh, dass wir etwa in Kreutzkamp West in Selm ein neues Wohngebiet geschaffen haben, das schon wieder annähernd ausgebucht ist. Für die Ausweisung hatten wir auch Kritik zu hören bekommen. Aber es war genau richtig. Wir haben überdies mit den großen Wohnungsbaugesellschaften gesprochen, dass sie hier weiter aktiv werden: am Stadion zum Beispiel.

 

Burg Botzlar

Vom Wohnungsbau zum Umbau der 735 Jahre alten Burg Botzlar, in der der Stadtrat regelmäßig tagt. 500.000 Euro sah der Haushalt 2016 vor für Planungskosten, in diesem Jahr noch einmal 700.000 Euro und 2018 dann 2,7 Millionen Euro. Wie weit sind die Planungen?

Es gibt sehr enge Abstimmungsgespräche mit den Ministerien. Wir warten noch auf das OK eines Beirats. Der prüft die Inhalte, die künftig auf der Burg vermittelt werden. Da gibt es noch Abstimmungsbedarf. Ich hoffe aber schon, dass es noch 2017 losgehen wird, auch für den Heimatverein Selm, der dort dauerhaft einziehen wird. Wir wollen an der Burg und in der Burg etwas verändern. Auch ein Anbau ist geplant. Das Außengelände soll ebenfalls umgestaltet werden, auch dafür stehen Gelder zur Verfügung.

Bleibt denn auch die umgebaute Burg Sitz der Politik?

Das hatten wir so von vorne herein der Bürgerstiftung (Anm. d. Red.: die Eigentümerin der Burg)  so signalisiert, dass die Burg Ratszentrum bleibt. Gedacht ist aber daran, dass neben dem Heimatverein auch andere die Räume nutzen: Vereine, Verbände, Vertreter der Wirtschaft und Privatleute, die dort etwas feiern wollen. In der Burg vielleicht ein Trauzimmer unterzubringen, um in diesem besonderen Ambiente heiraten zu können, ist ebenfalls vorgesehen.

 

Aktive Mitte

Noch größere Bauarbeiten stehen nördlich von Burg Botzlar ins Haus: im Bereich, der als sogenannte Aktive Mitte umgestaltet werden soll. Wie weit ist die Stadt da?

Wir werden in diesem Jahr im Bereich Campus Süd und Campus Nord mit dem Umkleidegebäude anfangen. Der Bau des Hauses der Wirtschaft, eine private Investition, steht an. Ich bin froh, dass es losgeht. Viel hat man gehört von der Aktiven Mitte: Planungen, die notwendig waren. Jetzt werden sie endlich in die Tat umgesetzt. Die Bauarbeiten werden aber bestimmt zu Beeinträchtigungen führen an der einen oder anderen Stelle, da muss man um Verständnis bitten.

Lohnt es sich denn?

Auf jeden Fall. Die Aktive Mitte wird zu einer erheblichen Aufwertung der Stadt führen, der ganzen Stadt und nicht nur des Ortsteils Selm. Ob Campusplatz, Wohnbebauung oder Sportzentrum. Besonders wichtig ist mir aber auch der Platz für die Jugend. Das Jugendzentrum Sunshine wird ertüchtigt werden, verbunden mit einer neuen Skateranlage. Die Jugendlichen haben künftig eine feste Bleibe, in der sie sich auch abends aufhalten können, und das im Zentrum. Wie gut sich das gesamte Gelände einpasst in die Stadt, wird man künftig vom Aussichtshügel überblicken können.

… dem Rodelberg.

Das will ich hier gerne noch einmal richtigstellen. Wir werden dort im Auenpark große Erdmassen bewegen. 50.000 bis 60.000 Kubikmeter. Das kann man für viel Geld abfahren lassen. Ich habe aber gesagt, dass man stattdessen so viel wie möglich vor Ort behält. Und wenn man einen solchen Hügel dann zum Rodeln nehmen will, dann nimmt man ihn zum Rodeln. Für mich ist entscheidend, dass dann keine Mehrkosten entstehen. Das haben wir dem Bund der Steuerzahler, an den sich jemand gewandt hatte, auch so mitgeteilt (Anm. d. Red. Der Bund der Steuerzahler verfolgt die Angelegenheit nicht weiter, weil durch den Hügel keine Mehrkosten entstehen, stattdessen sogar mit Einsparungen zu rechnen sei). Ärgerlich ist nur, dass oft immer etwas hängen bleibt. Das wäre schade für das Projekt Auenpark.

Droht der Aktiven Mitte das Schicksal aller schönen Großprojekte? Wird die Umsetzung viel teurer und länger als geplant?

Wenn wir so arbeiten würden wie bei der Elbphilharmonie in Hamburg, dann dürfte die Aktive Mitte nicht 27 Millionen Euro, sondern 270 Millionen kosten. Das kann ich Ihnen versprechen:  Das wird nicht passieren. Wir werden den Rahmen einhalten, diese Vorgabe habe ich bekommen, und daran halten wir uns auch. Innerhalb der Projekte lassen sich Schwankungen auffangen, und notfalls müssen wir uns kürzer setzen.  Ich habe keine Sorge, dass wir das nicht schaffen.

 

Kreisstraße

Apropos Sorge, der Umbau der Kreisstraße beginnt im März. Wer muss sich da mehr Sorgen machen: die Pendler, die sich einen anderen Weg zur Arbeit suchen müssen, oder die Einzelhändler, vor deren Haustür gebaut werden wird?

Die Pendler werden sich schnell darauf einstellen, davon bin ich überzeugt. Die Einzelhändler wollen ein attraktives Umfeld haben. Um das zu bekommen, mussten wir an die Kreisstraße rangehen. Das wussten auch alle.

Für alle, die die Straße jetzt nicht vor Augen haben…

… eine Bundestraße durch Selm, auf der jeden Tag 14.000 bis 15.000 Fahrzeuge unterwegs sind. Wir werden sie unter Vollsperrung umbauen. Eine Ampelanlage hätte nur dazu geführt, dass die notwendigen Arbeiten deutlich länger dauern würden. Wenn mir jetzt jemand sagt: Durch diese Baumaßnahme werden Geschäfte schließen müssen, dann entgegne ich. Seid ehrlich. Geschäfte, die das nicht überstehen, müssten sowieso schließen.  Umgekehrt appelliere ich an die Eigentümer, die Bauphase selbst zu nutzen und ihre Geschäftslokale attraktiver zu machen. Denn das ist das große Problem an der Kreisstraße.

Was?

Nicht die Baustelle, sondern dass die Kreisstraße nicht so attraktiv ist. Wenn Eigentümer auf die Idee kommen, ihre Fassade mit Baumarktfarbe selbst zu streichen, weiß ich nicht, ob das der Attraktivitätssteigerung dient. Grundsätzlich ist aber auch die Größe der Ladenlokale ein Problem: Wenn ich mit dem Handel spreche, dann höre ich: Ausreichend große Ladenlokale, die für uns interessant wären, habt ihr nicht. 600 bis 1000 Quadratmeter suchen die, das haben wir in Selm nicht.  Darum kommen manche Geschäfte erst gar nicht zu uns.

Was also tun?

Wenn einzelne Ankermieter zur Kreisstraße kommen, glaube ich, dass andere folgen werden. Da sind wir beim Thema Verlagerung der Aral-Tankstelle und des Autohauses. An diese Stelle will man einen großen Einzelhandel holen.

Wie weit sind da die Verhandlungen?

Wir haben eine Einigung mit Herrn Rüschkamp und seinen Gesellschaftern erzielt, die den Standort verlagern wollen. Das Grundstück ist auch verkauft. Jetzt wird das Thema sein:  Findet man Investoren, die den alten Standort übernehmen wollen? Es handelt sich um ein Erbpachtgrundstück der evangelischen Kirche. Wir als Stadt hatten nie vor, das zu erwerben. Es sieht so aus, dass es Investoren gibt, die in den Vertrag einsteigen wollen.

Und Rüschkamp wechselt auf die freie Fläche am Kreisverkehr der Umgehungsstraße?

Richtig. Rüschkamp hat vor, mit seinem gesamten Bereich - dem Autohaus, der Tankstelle und vielleicht auch anderen Bereichen – an den neuen Standort zu ziehen. Ich gehe davon aus, dass wir 2018 erste Bauarbeiten dort erleben werden. Wenn die abgeschlossen sind,  werden dann die ersten Veränderungen am alten Standort folgen können. Zusammen mit dem Umbau der Straße werden sie dazu führen, dass die Kreisstraße attraktiver wird.

In Bork entstehen auch gerade neue Einkaufsmöglichkeiten mit Lidl, Roßmann und Co.  Wann werden denn auch die Cappenberger mehr als nur Brötchen in ihrem Ortsteil kaufen können?

Da muss man offen und ehrlich sein. Der Handel braucht Frequenzen, damit es attraktiv ist, dass er dorthin kommt. An der B 236 (Anm. d. Red.: da, wo gerade das neue Einkaufszentrum in Bork entsteht) stimmen die Voraussetzungen. Im Borker Ortskern hätte das nicht funktioniert. So sieht das auch in Cappenberg aus. Da werde ich keinen Lidl oder Aldi hinbekommen. Die Idee des Dorfladens ist gut. So ganz ist sie auch noch nicht aufgegeben.

 

Parkplätze

Kommen wir noch einmal zurück nach Selm. Thema Parkplätze. Als das neue Gesundheitshaus gebaut wurde, hieß es, dass Parkplätze auf dem Grundstück des ehemaligen Kinos geschaffen werden sollten. Jetzt entstehen dort Wohnungen. Wo sollen die Altstadtbesucher parken?

Da, wo sie auch jetzt parken.  Der Bauverein musste noch fünf Parkplätze bringen. Die hätte er auch ablösen können oder woanders schaffen. Damals gab es Gespräche mit der Kirchengemeinde, die sich aber zerschlagen hatten. Wir hatten die Möglichkeit, das alte Kino zu erwerben. Da wollten wir ursprünglich Parkraum schaffen. Dann hatte sich aber die Möglichkeit ergeben, die Fläche anders zu nutzen. Ein Investor aus der Nachbargemeinde will dort ein Mehrfamilienhaus bauen. Das war uns wichtiger. Hätten wir diese Chance verpasst, wäre das der teuerste Parkplatz in NRW geworden.

Und die Parkplatzsuche?

Fast immer findet man dort einen Parkplatz. Ich will nicht verhehlen, dass es auch Spitzen gibt, in denen das anders ist. Aber Parkplätze gibt es ausreichend.

Auch für eine älter werdende Gesellschaft, die nicht mehr so mobil ist?

Ja, aber auch in Dortmund gibt es ältere Leute, in Lünen und in Werne. Dort finden sie auch nicht den Parkplatz vor der Ladentür und bummeln dort dennoch gerne durch die Fußgängerzonen.

Themenwechsel: Vom Bummel zum Karnevalsumzug. Die einen freuen sich schon, die anderen überlegen sich noch, ob sie aus Sicherheitsgründen – Großveranstaltungen stehen ja inzwischen im Fokus von Angreifern – lieber zu Hause bleiben. Kann man in Selm unbesorgt feiern?

Ja, ich freue mich schon darauf.  Beim Karnevalsumzug haben die Selmer einiges auf die Beine gestellt. Wir haben unser Sicherheitskonzept überarbeitet, auch wenn man nie etwas ausschließen kann.

 

Großveranstaltungen

Apropos Feiern. Was erwartet uns beim Stadtfest?

Einiges, es lohnt sich wieder. Bei der Beachparty werden Stars dabei sein. Außerdem kommt auch in diesem Jahr wieder Jürgen Drews. Ganz besonders freut mich, dass wir Chris Andrews gewinnen konnten, unseren Star vom Ternscher See. Das war überfällig. Ich freue mich schon sehr. Die Aussicht auf den Sommer macht mir Freude. Den Winter mag ich nicht so sehr.

Dennoch noch ein Gedanke zum nächsten Winter, zum nächsten Weihnachtsmarkt…

... Nein, wir reden nicht vom Weihnachtsmarkt, sondern vom Adventsmarkt. (Anm. d. Red. Die katholische Kirchengemeinde hatte Unterschriften gesammelt, als 2016 die Veranstaltung Weihnachts- und nichts Adventsmarkt hieß)

Also Adventsmarkt: Wie lange wird er dauern?

Den feiern wir nach wie vor drei Tage lang. Was anderes hatte ich auch nie ins Gespräch gebracht.

Aber es war doch von einer möglichen Erweiterung die Rede.

Nein: Den Markt selbst unter Mitwirkung der Vereine und Verbände wollte ich nie erweitern. Der bleibt von Freitag bis Sonntag.  Aber wir haben tatsächlich vor, noch zusätzlich eine weitere Veranstaltung nach Selm zu holen, direkt im Vorfeld des Adventsmarktes.

Können Sie dazu schon mehr verraten?

Nur so viel: Wir versuchen, einen Wald in die Stadt zu holen.

 

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