Marion Küpper: Streberin, Hippie, Bürgermeisterin von Selm?

rnPortrait zur Kommunalwahl

Mit Marion Küpper haben die Grünen erstmals eine Bürgermeisterkandidatin in Selm aufgestellt. Wie sie von der „Streberin“ zum „Hippie“ wurde und welche Themen ihr am Herzen liegen.

Selm

, 05.08.2020, 06:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Marion Küpper lädt zum Gespräch bei Kaffee in ihren Garten in der Selmer Altstadt. Viele Blumen und vor allen Dingen essbare Kräuter dürfen hier wachsen. Die Sonne scheint, Marion Küpper redet entspannt über ihre Bürgermeister-Kandidatur.

Anfang Juni hatte die Partei bei ihrer Mitgliederversammlung darüber diskutiert, ob sie einen eigenen Kandidaten für das Bürgermeisteramt nominieren will. Das Ergebnis sei vollkommen offen gewesen, so Marion Küpper. Die Kandidatur sei im Gespräch entstanden, sagt sie. Und so schickt die Partei nun erstmals eine Bürgermeisterkandidatin für Selm ins Rennen.

Einzige Frau unter den Bürgermeisterkandidaten

„Ich muss mich nicht selbst auf ein Podium setzen“, sagt Küpper (55). Sie hätte auch nichts dagegen gehabt, wenn jemand anderes kandidiert hätte, vielleicht sogar ein blutjunger Kandidat. Aber sie habe die Unterstützung des Teams erhalten - und das sei ihr wichtig. Der ausschlaggebende Punkt sei dann aber auch gewesen, als Frau zu kandidieren - ein Gegengewicht zu sein, zu den weiteren männlichen Bewerbern für das Amt des Bürgermeisters.

In die Politik zu gehen, hatte sie ursprünglich nicht geplant. Partei? Das habe sie sich früher nicht vorstellen können, sagt sie. Aber es sei ihr dann doch wichtig gewesen, sich einzusetzen. 2013 trat sie dann bei den Grünen in Selm ein, wurde Sprecherin. Zudem sitzt sie seit 2013 auch im Rat der Stadt und seit 2015 im Kreistag, für den sie bei der Kommunalwahl im September ebenfalls kandidiert.

Kein ganz gradliniger Weg

Warum Marion Küpper glaubt, dass sie eine gute Kandidatin für das Amt ist? „Ich kann mich in verschiedene Gebiete einarbeiten“, sagt sie. Lernen, das hat sie immer geliebt, berichtet sie. Sie hat keine Erfahrung damit, den städtischen Haushalt zu machen, aber Angst davor, die habe sie auch nicht. „Ich würde es gut finden, wenn sich mehr Leute auf den Weg machen würden“, sagt sie - und meint damit, dass sie sich freuen würde, wenn Menschen nicht so viel zweifeln würden, sondern einfach mal irgendwo anfangen.

Marion Küppers Weg ist nicht immer gradlinig verlaufen. Nach ihrem Hauptschulabschluss hat sie eine Ausbildung als Chemielaborantin beim Konzern BASF gemacht. Neben dem Beruf hat sie schließlich ihr Fachabitur erworben und an der FH Steinfurt Chemieingenieurwesen studiert und unter anderem zehn Jahre als Ingenieurin bei der Windenergiefirma Plambeck gearbeitet.

Marion Küpper in ihrem Garten. Der gehört zu den privaten Projekten der Kommunalpolitikerin.

Marion Küpper in ihrem Garten. Der gehört zu den privaten Projekten der Kommunalpolitikerin. © Sabine Geschwinder

Früher sei sie für die Menschen vielleicht eher die Streberin gewesen, überlegt Marion Küpper. Die mit dem guten Job bei BASF, die nach der Arbeit noch für ihr Fachabitur büffelt. Heute sei sie wahrscheinlich in den Augen mancher eher ein Hippie. Denn irgendwann hatte sie sich gegen das Leben als Mitarbeiterin in großen Firmen entschieden, gegen ihre Karriere als Chemie-Ingenieurin. Heute arbeitet Marion Küpper als Dozentin, hauptsächlich für naturwissenschaftliche Fächer, zwischenzeitlich hat sie Yoga-Unterricht gegeben. „Ich habe schon viele Mädchen motiviert, naturwissenschaftliche Fächer zu studieren“, erzählt Küpper sichtlich stolz. Sie selbst ist ledig und hat keine Kinder.

Transparenz ist Marion Küpper wichtig

Und als Bürgermeisterin? „Das wichtigste ist für mich absolute Transparenz“, sagt Marion Küpper. Es könne nicht sein, dass es städtische Betriebe gebe, die keiner kenne. Sie möchte die Bürger stattdessen mehr einbinden. „Bei Bürgerveranstaltungen findet kein richtiger Dialog statt“, ist ihre Meinung. Stattdessen möchte sie Schritt für Schritt einen Bürgerhaushalt einführen. Bei dem könnten die Bürger dann zum Beispiel online abstimmen, ob städtisches Geld lieber in einen Spielplatz oder in einen öffentlichen Weg investiert werden soll. Mehr Mitbestimmung ist das Stichwort. Vorbild dafür ist die Stadt Monheim am Rhein, die ein entsprechendes Vorgehen praktiziert.

„Ich möchte mich für mehr soziale Gerechtigkeit einsetzen“, sagt Küpper ebenfalls. Corona zeige, wie wichtig das sei. Gleichzeitig solle man die Veränderungen durch die Corona-Pandemie auch als Chance sehen, sagt sie.

„Das kommt dann der Löwe in mir durch“

Auch das Thema „mehr grün“ steht auf Marion Küppers Liste. „Der Schrei nach grün ist in Selm groß“, sagt sie. Das kann man doppeldeutig verstehen. In diesem Moment bezieht sie es aber auf einen Kontrast zu den „ganzen Betonbauten“, wie sie sagt. „Ich glaube, es ist schwierig zu zeigen, dass man ökologisch agiert und nicht wirtschaftsfeindlich ist“, sagt Marion Küpper. Sie glaubt aber, „dass man jedem Investor hier alles recht macht“ und in Projekte investiert wird, „die viel Geld kosten.“ Stattdessen findet sie, dass Maßnahmen bezüglich des Klimaschutzes vernachlässigt werden. Gegen all die teuren Investitionen, da sei das Geld für Klimaschutz „dagegen Peanuts“, sagt Marion Küpper. Deswegen hatten die Grünen im vergangenen Jahr auch gegen das Klimaschutzkonzept der Stadt gestimmt. Es ging ihnen nicht weit genug.

„Ich glaube, dass es auch meine Fähigkeit ist, verschiedene Bereiche zu verknüpfen“, sagt Marion Küpper. Zeigen, dass scheinbare Gegensätze vielleicht keine sind. Sie möchte außerdem gerne die Bürger mitnehmen und sie dazu ermuntern, sich zu beteiligen. Auch, wenn das schwer sei und sich viele Bürger vielleicht nicht für Politik interessierten, so Küpper.

Und Bürgermeisterin zu werden, schafft sie das? „Man muss auch gewinnen können“, sagt Marion Küpper und „da kommt dann der Löwe in mir durch.“

SERIE ZUR KOMMUNALWAHL

SCHICKEN SIE UNS IHRE FRAGEN AN Marion Küpper

  • Für das Amt des Bürgermeisters in Selm kandidieren insgesamt sechs Bewerber. In unserer Portrait-Serie stellen wir jeden der Kandidaten einzeln vor - außerdem stellen sich die Kandidaten dann noch einmal einer von den Ruhr Nachrichten Selm veranstalteten Podiumsdiskussion.
  • Außerdem laden wir noch mal alle Kandidaten zum Video-Gespräch ein - auch Marion Küpper. Dabei soll sie sich noch mal Fragen stellen - diesmal allerdings denen von Ihnen. Was möchten Sie noch von der Kandidatin für die Grünen wissen? Schicken Sie uns Ihre Fragen bis Sonntag, 9. August, um 16 Uhr an selm@ruhrnachrichten.de oder unter Tel. (02592) 9690.
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