Medienrummel um Selms Partnerstadt: Workington ist im britischen Wahlkampf begehrt

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Selms Partnerstadt Workington erlebt gerade einen ziemlichen Medienrummel. Grund ist die anstehende Wahl in Großbritannien, bei der dem „Workington Man“ eine große Bedeutung zugewiesen wird.

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, 06.11.2019, 05:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die General Election - also die Wahl des Unterhauses - ist in Großbritannien für Dezember angesetzt. In Vorbereitung darauf ist es ausgerechnet die Selmer Partnerstadt Workington, die besonders ins Rampenlicht geraten ist.

„The Workington Man“ geht in England gerade durch alle Schlagzeilen: Wenn die Tories, also die Partei von Premier Boris Johnson, die Wahl gewinnen wollen, so hat es die Onward, eine konservative Denkfabrik herausgearbeitet, müssen sie den normalen Workingtoner auf ihre Seite bringen. Er ist, so Onward, der archetypische Wechselwähler, der in der Wahl im Dezember den Unterschied für die Konservativen machen könnte.

Nach Essex Man und Worcester Woman nun Workington Man

„Bei Wahlen der Vergangenheit haben wir schon den Essex Man und Worcester Woman getroffen. Jetzt strömen Journalisten aus London raus und suchen einen anderen stereotypischen Wechselwähler, den Workington Man“, schreibt Lisa Nandy in einem Meinungsstück für die englische Zeitung The Guardian - mit einem durchaus kritischen Unterton.

Was macht „The Workington Man“ aus, was ist typisch für ihn? Er ist weiß und schon älter, kommt aus dem Norden von England und hat bei der Abstimmung 2016 für den Brexit gestimmt. Er wählt eigentlich Labour - hat aber das Gefühl, dass das Land sich irgendwie gerade weg von seinen Interessen bewegt. Er mag Rugby und verfolgt die Liga, er hat keinen Hochschulabschluss und kommt eher aus dem Arbeitermilieu.

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Das sind Stereotypen, die laut der englischen Zeitung Metro bei den Bewohnern Workingtons, die mit der Stadt Selm ja seit über 25 Jahren partnerschaftlich verbunden sind, nicht so super gut an. „Bewohner haben nicht gut auf die Publicity reagiert, die das in den cumbrischen Ort gebracht hat“, schreibt die Zeitung.

Workingtoner sind nicht so begeistert

Natürlich haben sich die britischen Medien auf der Straße von Selm Partnerschaft auch schon umgehört. Allan Mitchell, ein 53-jähriger Beamter aus Workington, zum Beispiel sagt laut BBC, dass Menschen dort sich angegriffen fühlen von der Stereotypisierung der Konservativen. „This may backfire“, sagte er zu dem englischen Fernsehsender: „Das könnte auch nach hinten losgehen.“

Die Idee vom Workington Man sei ein Klischee, das in die 1970er-Jahre gehöre, sagt er, nicht in den aktuellen Wahlkampf.

Zum Hintergrund: Selms Partnerstadt Workington hat 25.000 Einwohner, die eigentlich seit vielen Jahren mehrheitlich Labour wählen. Die Tories haben dort bei einer General Election nie einen Sitz gewinnen können.

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