Die Corona-Krise bereitet dem Verein Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) Lippeauen Bork bei seiner Arbeit das eine oder andere Problem. Das Engagement hemmt das Virus nicht.

Bork

, 21.04.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Verein SoLaWi Lippeauen Bork ist eine Erzeuger-Verbraucher Gemeinschaft, bei der die Ernteteiler und Vereinsmitglieder die Landwirtschaft finanzieren und unterstützen. Wo gesät wird, wird auch geerntet. Und in diesem Falle wird die Ernte auch aufge- und verteilt. In diesem Jahr geschieht der Auftakt auf etwas andere Weise als sonst. Und das hat mit der Corona-Pandemie zu tun, wie Anne Reygers von der SoLaWi berichtet.

Anne Reygers und das Team der Solidarischen Landwirtschaft Lippeauen Bork arbeiten im zweiten Jahr auf den Feldern.

Anne Reygers und das Team der Solidarischen Landwirtschaft Lippeauen Bork arbeiten im zweiten Jahr auf den Feldern. © Marie Rademacher (Archiv)

Am Freitag, 24. April, und am Samstag, 25. April, erhalten die Ernteteiler aus Selm, Lünen und Umgebung die erste kleine Menge Gemüse. Eigentlich war diese Aktion geplant „als große Auftaktveranstaltung 2020, bei der sich die neuen und alten Ernteteiler kennen lernen können und das Prozedere der Abholung erklärt wird, das Ganze mit gemütlichem Ausklang“, erzählt Anne Reygers. „Nun sieht es natürlich auch bei uns anders aus. Die Abholung findet außerhalb des Hofes statt. Anstatt dass sich jeder seinen Anteil selber abwiegt, gibt es gepackte Kisten.“ Das Kontaktverbot in Corona-Zeiten hat dem Verein in dieser Hinsicht einen Strich durch die Rechnung gemacht.

0,3 Hektar Ackerfläche mehr

Gleichwohl geht der junge Verein in seiner zweiten Saison optimistisch gestimmt ans Werk. Immerhin hat sich die Zahl der Ernteteiler, die sich zur Erntezeit wöchentlich ihr Gemüse abholen, von 82 im ersten Jahr auf aktuell 91 erhöht, wie Anne Reygers berichtet. Und die Anbaufläche sei von einem Hektar auf 1,3 Hektar vergrößert worden.

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Was darauf wächst und geerntet wird, beschreibt Anne Reygers so: „Aus dem Folientunnel gibt es Tomaten, Gurken, Paprika und Basilikum.“ Auf dem Freiland wachsen Kopfsalate, Rucola, Stielmus, Broccoli, Blumenkohl, Schwarzkohl, Grünkohl, Weißkohl, Rotkohl Blumensprossenkohl, Spitzkohl, Rote Beete, Möhren, Spinat, Rettich, Radieschen, Asiasalat, Feldsalat, Mangold, Pak Choi, Knollensellerie, Staudensellerie, Hirschhornwegerich, Kräuter, Postelein, Zwiebeln, Knoblauch, Zucchini, verschiedene Kürbisse, Maisrübchen, Steckrüben, Zuckermais, Pastinaken, Schwarzwurzeln, Frühlingszwiebeln, Fenchel, Kohlrabi und Porree.

Auch im Folientunnel wächst so allerlei.

Auch im Folientunnel wächst so allerlei. © Marie Rademacher (Archiv)

Doch der Verein hat auch schon Erfahrungen mit Gemüse gemacht, das nun nicht mehr angebaut werde, so Anne Reygers: „Das einzige Gemüse, was wir leider nicht mehr anbauen, sind Auberginen. Die sind auf unserem Boden leider nicht so glücklich. Dafür gibt es 50 Tomatenpflanzen im Tunnel mehr.“ Außerdem werde es in diesem Jahr noch drei Beete mit Schnittblumen geben.

Kindergruppen müssen noch etwas warten

Das ist aber noch nicht alles., wie Anne Reygers verrät: „Es wird einen Kinderacker geben, auf dem die Kinder der Ernteteiler und interessierte Schulklassen und Kitagruppen Gemüse anbauen können und einmal selber die Hände in die Erde stecken können um wertvolle Naturerfahrungen zu machen. Angedacht sind Jahreszeitenkurse, bei denen die Kinder im Frühjahr, Sommer und Herbst beobachten können, was es in der Natur und auf dem Acker gerade zu beobachten gibt, welches Gemüse zu welcher Jahreszeit erntereif ist.“ Der Start müsse wegen der Corona-Krise jedoch zunächst einmal verschoben werden.

Solidarische Landwirtschaft - was bedeutet das eigentlich? SoLaWi Lippeauen Bork sei als gemeinnütziger Verein organisiert, „der im Einklang mit der Natur Gemüse anbaut und Umweltbildung betreibt, um den Verbraucher wieder näher an die Landwirtschaft zu bringen und natürliche Zusammenhänge zu verdeutlichen“, sagt Anne Reygers. Alle Ernteteiler können alle zwei Wochen bei Aktionstagen auf dem Acker helfen: Pflanzen, hacken, bauen, generelle Hilfe an den Abholtagen anbieten, Wildgehölze-Hecke pflanzen. Wöchentlich helfen freitags Ernteteiler bei der morgendlichen Ernte. „Das ist zur Zeit wegen Corona natürlich alles nicht machbar, bleibt aber ansonsten natürlich weiterhin Teil des Konzeptes“, versichert Anne Reygers.

Wertschätzung für Landwirtschaft steigt

Klingt nach einer starken und engen Gemeinschaft. „Viele Ernteteiler bezeichnen den Gemüseacker als ,ihren‘‘ Acker, genießen die Gemeinschaft und freuen sich über neu gewonnene Erkenntnisse, wie viel Arbeit in einem biologisch angebauten Broccoli steckt, bis er auf dem Teller liegt“, erzählt Anne Reygers. Die Wertschätzung der Arbeit der Landwirte und Gärtner und der Landwirtschaftlichen Produkte bekomme dadurch einen ganz anderen Stellenwert.

Solidarische Landwirtschaft bedeutet auch, gemeinsam zu ernten.

Solidarische Landwirtschaft bedeutet auch, gemeinsam zu ernten. © SoLaWi

Und wie wird man Ernteteiler? Die Bieterrunde für das Wirtschaftsjahr 2021/22 findet am 8. November statt. Bei der Bieterrrunde werde der Finanzplan vorgestellt (Gehälter, Pachten, Kosten für Saatgut und Jungpflanzen). Diese Summe, die für die funktionierende Landwirtschaft benötigt wird, werde durch 12 Monate und die Anzahl der Ernteteiler geteilt, sagt Anne Reygers. Daraus ergebe sich der monatliche Richtwert. Jeder Erneteiler zahle aber nur so viel, wie er könne. Wichtig sei, dass in der Summe das Jahresbudget gedeckt ist. „Einige zahlen weniger, einige mehr, ganz solidarisch also“, berichtet sie. „Das ganze natürlich anonym.“

Wie groß ist denn eigentlich der Ernteanteil für die Ernteteiler? Anne Reygers: „Wöchentlich bekamen die Ernteteiler in der Erntesaison 2019/20 zwischen ein und sechs Kilogramm Gemüse. Einmachen und Gemüse verarbeiten und konservieren liegt gerade in den Sommermonaten wieder voll im Trend.“

Interessierte können sich über verein@solawi-lippeauen-bork.de auf die Warteliste für 2021/2022 setzen lassen.

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