Bork könnte im nächsten Jahr seine erste Tiefagarage bekommen: 13 Stellplätze für die Bewohner eines neuen Mehrfamilienhauses. Nicht nur die Nachbarschaft ist außergewöhnlich.

Selm

, 30.09.2018, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Gartenstraße liegt im Borker Ortskern und ist dennoch eine ruhige Wohnstraße. Zu beiden Seiten stehen Wohnhäuser unterschiedlicher Größe. Eines, das unmittelbar vor der 90-Grad-Kurve der Straße liegt, hat einen großen Garten. In den hat sich Mario Marx verliebt: das ideale Grundstück für ihn, um seinen Traum in Weiß zu verwirklichen – drei Meter neben dem Friedhof.

Die Hecke lässt es kaum zu, auf das Grundstück zu blicken. Bert Bielefeld weiß aber, wie es dort aussieht: „Ein Gartengrundstück mit drei Garagen“, sagt der Dortmunder Architekt. Zwei Garagen müssten Platz machen, wenn Marx baut, was Bielefeld entworfen hat: eine Wohnresidenz mit neun Wohnungen mit einer Größe von 66 bis 155 Quadratmetern und einer Tiefgarage mit 13 Stellplätzen. „Nahezu alle Autos verschwinden unter der Erde“, so Architekt Bielefeld. Nur zwei Parkplätze seien auf dem Grundstück ausgewiesen.

Mittelmeer-Villa neben dem Borker Friedhof: Stuckateurmeister will etwas ganz Besonderes

Links ist der Beginn des Friedhofs zu sehen, rechts die Zufahrt. Geradeaus hinter den Büschen befindet sich das Grundstück, das Mario Marx bebauen möchte. © Foto: Sylvia vom Hofe

Ob es zu dem Bau kommen wird, ist noch offen. Die Entscheidung muss der Stadtrat treffen. Einen Bebauungsplan, der Größe und Art der Häuser vorschreiben würde, gibt es für den Bereich Gartenstraße nicht. Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser mit Klinker und mit Putz und mit jeweils unterschiedlichen Dachneigungen reihen sich in der Straße aneinander. So etwas wie die Stadtvilla ist noch nicht dabei. „Wir befinden uns mit der Firsthöhe aber einigermaßen auf einer Höhe mit den anderen Gebäuden“, so Architekt Bielefeld.

In der jüngsten Sitzung des Stadtplanungsausschusses haben er und sein Auftraggeber erstmals das Vorhaben öffentlich vorgestellt – und sind damit auf Zustimmung gestoßen. Nur Natalie Stefanski von den Grünen stimmte gegen die Bauvoranfrage.

Kurzer Weg zum Beitreib nach Lünen

„Freunde von mir wohnen in Bork“, sagt Mario Marx. Deshalb habe er dort Ausschau gehalten nach einem Grundstück. „Mein Betrieb ist Lünen“, an der Brechtener Straße 2. Mit fünf Mitarbeitern führt er Stuck- und Putzarbeiten an Fassaden aus und restauriert Schlösser und andere historische Gebäude. Keine zehn Kilometer wäre die Arbeitsstelle vom neuen Zuhause entfernt. Denn das steht fest für den 47-Jährigen: „Ich möchte selbst im Erdgeschoss des Hauses wohnen.“ Die acht anderen Wohnungen wolle er teils vermieten, teils verkaufen. „da habe ich schon Interessenten aus der Familie und dem Freundeskreis.“

Mittelmeer-Villa neben dem Borker Friedhof: Stuckateurmeister will etwas ganz Besonderes

So sieht die geplante Villa von der Straße gesehen aus. © Grafik: Bielefeld Architekten

Architekt Bielefeld spricht nicht von irgendeinem Mehrfamilienhaus, sondern von der Wohnresidenz Marx. Dass es sich dabei nicht um ein Objekt von der Stange handelt, verraten die Entwurfsskizzen: Sie zeigen einen zweigeschossigen Gebäudekörper mit Staffelgeschoss. Gerade Linie, hinten zum Garten zwei vorgelagerte Balkonanlagen , vorne zur Straße ein repräsentativer Eingang, um die symmetrisch bodentiefe, zweiflügelige Fenster angeordnet sind. Bielefeld nennt die strenge Formsprache klassizistisch und das Dach mit seinen hellbraunen Ziegeln mediterran. Auf eine „schreiende, moderne Architektursprache“ habe er bewusst verzichtet, „um die Schönheit des Ortes zu unterstreichen“.

Friedhofszufahrt bleibt unverändert

Diese Schönheit hat zumindest zur Rechten der geplanten Wohnresidenz etwas Morbides. Der Weg zum Friedhofsparkplatz zweigt gleich neben ihr ab. „Er wird auch dort bleiben“, sagt Bielefeld. Bewusst habe er das Gebäude von der Straße abgerückt. Das betone den „Auftakt zum Friedhofsparkplatz“.

Was in den Entwurfszeichnungen des Architekten nicht zu erkennen ist, erzählt Mario Marx selbst: „Ich werde die Fassade mit Stuckelementen versehen.“ Kostproben seines Handwerks, das heute kaum noch bei Neubauten Anwendung finde – vielleicht, weil sich der Geschmack gewandelt habe und verspielte Ornamente nicht mehr gefragt seien, vermutet der Handwerksmeister, ganz sicher aber auch wegen der Kosten. Stuck sei ein schönes, aber schwieriges Material, das in Handarbeit bearbeitet werde. Das hat seinen Preis, „aber auch seine eigene Schönheit“, meint Marx, der zuletzt die Decken und Wände in der Duisburger Villa Grillo und im Schoss Oberwerries in Hamm erneuert hat.

Michael Merten (CDU), der Chef des Stadtsportverbandes, macht weniger die Nachbarschaft zum Friedhof als zum Tennisplatz Sorgen. Nutzungskonflikte könnten vorprogrammiert sein, befürchtet er: hier die Sportler, die draußen trainieren, dort die Bewohner, die ihre Ruhe im Garte oder af der Terrasse suchen. „Jeder, der dort einzieht, wird von mir auf den Tennisplatz hingewiesen“, sagt Marx. Das Plätschern eines künstlichen Wasserlaufs werde zudem das Plöppen der Tennisbälle relativieren.

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