Nach Unfall an Pfingsten: Wenn Motorradfahrer Gas geben, wird es schnell gefährlich

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Zu schnell und zu leichtsinnig: Nach schweren Unfällen mit Motorradfahrern wie Pfingstsonntag in Selm fühlen sich Kritiker meist bestätigt. Ein Blick in die Polizei-Statistik überrascht.

Selm

, 12.06.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

77 verunglückte motorisierte Zweiradfahrer unter 65 Jahren listet die Polizei im Kreis Unna für das vergangene Jahr auf - elf weniger als ein Jahr zuvor. In Selm blieb die Zahl mit elf Unfällen immerhin konstant - während die Zahl der Verkehrunfälle insgesamt in Selm deutlich (plus elf Prozent) auf insgesamt 242 gestiegen ist. Zur Schuldfrage kann die Pressestelle der Polizei im Kreis Unna auf unsere Anfrage zwar keine konkrete Aussage machen, doch Polizeihauptkommissar Thomas Röwekamp sieht Auto- wie Motorradfahrer in der Pflicht sich rücksichtsvoll zu verhalten.“

Tempo 100 „wird nicht einmal als großer Anhaltspunkt betrachtet“

Nach wissenschaftlichen Untersuchungen der Unfallforschung der Versicherer vor einigen Jahren sind es gerade Motorradfahrer, die sich nicht an Regeln halten. „Leider sehen wir bei unserer Datenbankauswertung zu Überholunfällen, dass die Landstraßenbegrenzung auf 100 km/h nicht einmal als grober Anhaltspunkt betrachtet wird.

Motorradfahrer haben fünfmal häufiger Überholunfälle mit Getöteten oder Verletzten, als alle anderen Verkehrsteilnehmer zusammen“, heißt es in der Unfallforschung. Sie kommt auch deshalb zu dem Schluss, dass „Motorradfahren ein hohes Risiko bedeutet“.

Start in Motorradsaison für alle Verkehrsteilnehmer ein Problem

Polizei-Pressesprecher Thomas Röwekamp hingegen sieht große Gefahren vor allem beim Start in die neue Motorradsaison. „Viele Fahrer testen ihre Maschinen nach der Winterpause aus“, sagt Röwekamp.

Dazu würde bei dem ein oder anderen Fahrer das Gefühl für das Motorrad fehlen. Die Polizisten - vor voran die Kradfahrer - würden deshalb auch immer wieder das Gespräch mit den Motorradfahrer suchen, um sie auf die Gefahren hinzuweisen.

Röwekamp räumt zugleich ein, dass im Frühjahr auch die Autofahrer sich wieder daran gewöhnen müssten, dass verstärkt Motorradfahrer unterwegs sind.

Nach Auswertung vieler Zahlen kommt die Unfallforschung der Versicherer zu dem Ergebnis, dass „bei Kollisionen mit Pkw knapp 40 Prozent der Unfälle durch Motorradfahrer verursacht wurden.“ Rechne man noch die sogenannten Alleinunfälle dazu, komme man auf eine Verursacherquote von 65 Prozent.

Motorradfahren bedeutet ein deutlich höheres Risiko

„Das auf den gefahrenen Kilometer bezogene Risiko, getötet zu werden, ist auf dem Motorrad etwa 18 Mal höher als im Auto“, betont die Unfallforschung der Versicherer. Polizeihauptkommissar Thomas Röwekamp appelliert deshalb dringend an alle Motorradfahrer, auch bei kurzen Fahrten die Schutzkleidung zu tragen. „Nach der Jeans kommt die Haut“, sagt Röwekamp. Er gibt zudem alle Motorradfahrern den Tipp, gerade zum Start den Gashahn nicht zu sehr aufzudrehen.

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