Mutmaßlicher Drogenhändler einigt sich auf Deal mit dem Gericht

Drogenprozess

Knapp 50 Kilo Amphetamin und Marihuana soll ein 30-jähriger Mann aus Nordkirchen verkauft haben. Beim Prozess in Münster kommt es zu einer Ansprache zwischen ihm und dem Gericht.

Nordkirchen

, 18.01.2019, 19:57 Uhr / Lesedauer: 1 min
In Saal 11 des Landgerichts Münster entscheidet sich die Zukunft des Angeklagten.

In Saal 11 des Landgerichts Münster entscheidet sich die Zukunft des Angeklagten. © von Braunschweig

Trotz seiner jungen Jahre hat der Angeklagte schon neun Eintragungen im Vorstrafenregister stehen. Die letzten drehen sich ausnahmslos um Drogengeschäfte. In Münster wurde er schon Anfang 2016 zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Später erhöhte das Landgericht Detmold die Strafe auf fünfeinhalb Jahre.

Über sechs Jahre Haft?

Im aktuellen Prozess wird nun wohl ein weiteres Jahr hinzukommen. Nach einem sogenannten Rechtsgespräch zwischen Gericht, dem Verteidiger und der Staatsanwältin gab der Vorsitzende bekannt, dass der Nordkirchener im Falle eines Geständnisses mit einer Straße "zwischen sechs Jahren und vier Monaten und sechs Jahren und zehn Monaten" rechnen kann. Der Angeklagte nickte den Deal ab.

Damit scheint festzustehen, dass er zwischen 2013 und 2016 einen schwunghaften Handel mit Drogen betrieben hat. Von Nordkirchen aus soll er sowohl Großabnehmer in der Nachbarschaft als auch solche, die weiter weg wohnten, beliefert haben. Bis nach Würzburg reichten laut Staatsanwaltschaft die Kontakte. Regelmäßig sollen dorthin Kilo-Lieferungen Amphetamin gelangt sein.

Auch Kunden in Würzburg

In seinem Geständnis, das für Ende Januar angekündigt ist, soll der 30-Jährige nun auch Einzelheiten zu den Drogen preisgeben. Die Richter interessieren sich vor allem für den Wirkstoffgehalt. Dass der Mann außerdem verraten wird, woher er selbst das Rauschgift bezogen hat, glaubt indes niemand.

Die Übergabe der Kilopakete fand laut Anklage häufig auf dem Parkplatz des Hellweg-Baumarktes in Selm statt. Der von dem Abnehmer beauftragte Kurier soll hier ein zuvor genau beschriebenes Auto abgestellt und sich dann für eine gewisse Zeit entfernt haben. Als er dann wieder zurückkehrte, soll der Kofferraum gut gefüllt gewesen sein. Als weiteren Übergabeort in Selm nutzte der Dealer angeblich auch einen Supermarkt-Parkplatz.

Übergabe auf Parkplatz

Die Staatsanwältin hat ausgerechnet, dass der Nordkirchener mit den illegalen Geschäften rund 130.000 Euro verdient haben dürfte. Weil dieses Geld natürlich nicht mehr vorhanden ist, sollen die Richter dem 30-Jährigen die gleiche Summe im Urteil sozusagen als Schulden aufbrummen.

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