Nach Brand bei Waffelino in Selm: Mordversuch-Prozess zweites Mal gestartet

rnSpektakulärer Prozess

Auf den Tag genau drei Jahre nach dem Brand im Café Waffelino hat am Mittwoch der zweite Mordversuch-Prozess gegen den Ex-Besitzer Hamza K. begonnen. Der Angeklagte hüllte sich in Schweigen.

Selm

, 05.08.2020, 17:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Drei Jahre nach dem Brand im Café Waffelino an der Kreisstraße und 14 Monate nach der ersten Verurteilung des mutmaßlichen Brandstifters Hamza K. steht der Fall seit Mittwoch am Dortmunder Landgericht erneut auf dem Prüfstand. Weil der Bundesgerichtshof (BGH) Mitte Februar das erste Urteil vom 7. Juni 2019 wegen rechtlicher Mängel teilweise aufgehoben hat, muss sich nun die 35. Strafkammer in erster Linie mit der Frage beschäftigen: War das absichtlich gelegte Feuer aus juristischer Sicht auch ein Mordversuch an den übrigen Hausbewohnern, die arglos in ihren Betten lagen?

Zum Prozessauftakt kündigte Verteidiger Ralf Bleicher an, dass der 33-jährige Selmer aktuell nicht vorhabe, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Bleicher: „Wir haben zusammen beschlossen, dass er zunächst einmal keine Angaben machen wird.“

Mordversuch-Verurteilung vom BGH gekippt

Rückblick: Das Dortmunder Schwurgericht hatte Hamza K. am 7. Juni 2019 zu einer empfindlichen Haftstrafe von zehn Jahren und neun Monaten verurteilt. Unter anderem wegen Mordversuchs. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte jedoch eben diese rechtliche Einordnung kritisch gesehen und in einem Beschluss festgehalten: „Die Verurteilung wegen Mordes hält einer revisionsrechtlichen Überprüfung nicht stand.“ Während die Feststellungen zum äußeren Tatgeschehen bestehen bleiben können, sollen die Dortmunder Richter insbesondere die Voraussetzungen für einen bedingten Tötungsvorsatz noch einmal kritisch prüfen, hieß es.

In der am Mittwoch erneut verlesenen Anklageschrift wird dem 33-Jährigen vorgeworfen, am 5. August 2017 gegen ein Uhr nachts in einem Abstellraum des Cafés Waffelino „unter Zuhilfenahme von Brandbeschleunigern“ Feuer gelegt zu haben.

„Er handelte in betrügerischer Absicht“

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Hamza K. den Brand in dem Café seiner Lebensgefährtin selbst gelegt hat, um an Geld aus der kurz zuvor abgeschlossenen Feuerversicherung (25.000 Euro) zu kommen. „Er handelte in betrügerischer Absicht“, heißt es in der Anklage. Und weiter: „Dabei nahm er die Tötung der zur Nachtruhe vollkommen arglosen Bewohner des Hauses billigend in Kauf.“ Bei dem Feuer war nicht nur ein massiver Gebäudeschaden zurückgeblieben. Knapp 20 Personen, unter anderem ein Säugling, waren laut Anklage als Bewohner in den oberen Etagen schlafend in großer Gefahr. Zahlreiche Hausbewohner hatten Brandrauchverletzungen erlitten.

Durch die nur teilweise Aufhebung des ersten Urteils durch den BGH, steht bereits fest, dass Hamza K. im für ihn besten Fall am Ende mit einer geringeren Haftstrafe bestraft wird. Für den zweiten Prozess sind vorerst noch Verhandlungstage bis zum 14. September anberaumt.

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