Nach Überfall auf Selmer Rentner: Diese Strafe haben die Dortmunder Richter verhängt

rnLandgericht Dortmund

Im Prozess um den Raubüberfall auf einen Rentner an der Lange Straße wurde am Mittwoch das Urteil verkündet: Die Strafe fiel deutlich milder aus, als von der Staatsanwaltschaft gefordert.

Selm

, 07.08.2019, 17:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein 73-jähriger Rentner wurde im Oktober 2018 in seinem Haus an der Langem Straße überfallen und ausgeraubt. Sieben Wochen später war der Senior tot. Am Mittwoch hat das Dortmunder Landgericht einen der beiden Räuber, einen 32-Jährigen, zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Mit dem Strafmaß blieben die Richter der 32. Strafkammer allerdings deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von acht Jahren Haft.

Richter Dirk Kienitz begründete die gravierende Abweichung zwischen Schuldspruch und Strafantrag der Staatsanwaltschaft in der Urteilsbegründung mit zahlreichen offengebliebenen Fragen beziehungsweise nicht auflösbaren Widersprüchen.

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Im Gegensatz zu Staatsanwältin Sandra Lücke sahen die Richter der 32. Strafkammer es am Ende als nicht zweifelsfrei erwiesen an, dass der Angeklagte derjenige Täter gewesen ist, der das Opfer bedroht und gefesselt hat. Im Gegenteil: Zugunsten des Angeklagten müsse man vielmehr davon ausgehen, dass diese Handlungen dem flüchtigen Mittäter zuzuschreiben sind. Letztlich entfiel für die Richter so auch eine Verurteilung wegen erpresserischem Menschenraub (Mindesstrafe fünf Jahre Haft), von der die Staatsanwaltschaft allerdings noch überzeugt war.

Opfer zwischenzeitlich verstorben

Darüber hinaus, so die Richter, sei auch nicht sicher festzustellen gewesen, dass der Angeklagte von den Fesselungen des Opfers überhaupt etwas mitbekommen hat. „Wir konnten das Opfer ja leider hier im Prozess nicht mehr befragen“, sagte Richter Dirk Kienitz. So habe man leider auch Widersprüche des Rentners bei der Täterbeschreibung nicht mehr aufklären können. Und auch in diesem Punkt müsse man dann am Ende in dubio pro reo – sprich im Zweifel für den Angeklagten – entscheiden, hieß es.

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Rückblende: Bei der Tat hatten die Männer den Rentner in dessen Wohnzimmer an der Lange Straße überrascht und zu Boden gestoßen. Nachdem der Mittäter den Senior laut Urteil mit einer Kordel (wahrscheinlich aus seiner Jogginghose) gefesselt und fixiert hat, übernahm der Angeklagte die Durchsuchung des Hauses nach stehlenswerten Gegenständen. Erbeutet wurde am Ende rund 2800 Euro Bargeld.

Angeklagtem droht noch ein Jahr Haft mehr

Dem Selmer Senior war es jedoch schnell gelungen, sich zu befreien und die Polizei zu alarmieren. Den Beamten hatte er dann den entscheidenden Hinweis auf eine DNA-Spur gegeben, durch die der Angeklagte später ins Visier der Ermittler geraten war.

Der Angeklagte hatte im Prozess ein weitreichendes Geständnis abgelegt. Ihm droht nun neben den dreieinhalb Jahren Haft ein weiteres Jahr Haft aus einer alten Bewährungsstrafe, die jetzt wohl widerrufen wird.

Das Urteil lautet auf Raub und gefährliche Körperverletzung.

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