Nächste Lehrerin verlässt die Otto-Hahn-Realschule

Abgang nach Olfen

Die Otto-Hahn-Realschule verliert eine Lehrkraft: Kirsten Wever, Konrektorin der auslaufenden Schule in Selm, wechselt schon zum 1. Februar 2016 an die Wolfhelm-Gesamtschule in Olfen. Bei Schülern und einigen Eltern löst das Unbehagen aus: Ist trotz des Auslaufens der Schule die Qualität der Lehre gewährleistet?

SELM/OLFEN

, 12.01.2016, 15:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nächste Lehrerin verlässt die Otto-Hahn-Realschule

Die Schüler der Otto-Hahn-Realschule müssen den Weggang einer weiteren Lehrerin verkraften.

Kirsten Wever unterrichtet Deutsch und Sport an der Realschule - allerdings nur noch bis Ende dieses Monats. Seit kurz vor Weihnachten steht fest, dass die Lehrerin, die auch als Konrektorin in Verantwortung steht, die Schule verlässt. Sie geht zur Wolfhelm-Gesamtschule nach Olfen.

Das sagte sie selbst am ersten Schultag nach den Weihnachtsferien vor ihrer Deutsch-Klasse, der 10 D. Denn gerade für die Schüler in dieser Klasse ist der Abschied einschneidend: Sie müssen wenige Monate vor dem Schulabschluss noch einen Lehrerwechsel mitmachen.

„Ich bin auch traurig, dass Frau Wever geht“, sagte die kommissarische Schulleiterin Christiane Kräling-Lietzke am Dienstag auf Anfrage unserer Redaktion. „Und sie selbst ist es auch.“ Als ungünstig bezeichnet die kommissarische Rektorin den Termin: Warum nicht den Wechsel erst zum Ende des Schuljahres umsetzen? Dieses Bestreben habe die Schulleitung der Bezirksregierung gegenüber geäußert – aber eine negative Antwort erhalten: Das geht laut Christiane Kräling-Lietzke vor allem wegen des Wechsels der Schulform nicht. 

Was hat das nun für Auswirkungen auf die Qualität der Lehre an der Schule?

„Wir können eine Stelle ausschreiben und werden sie auch direkt besetzen“, sagt Kräling-Lietzke. „Der Deutschunterricht vor allem der Zehnerklasse wird versorgt.“ Das geschehe in enger Abstimmung mit der Bezirksregierung. „Es wird auch eine Lehrkraft eingesetzt, die die Schüler schon kennen“, so die Schulleiterin. Unterrichtsausfall werde es nicht geben. 

An der Realschule werden zurzeit nur noch Schüler der Jahrgangsstufen 7 bis 10 unterrichtet. Fünfer und Sechser gehen zur parallel im Aufbau befindlichen Selma-Lagerlöf-Sekundarschule. Sie ist im gleichen Gebäudekomplex untergebracht, aber organisatorisch streng von der Otto-Hahn-Realschule getrennt. Die Zusammenarbeit sei dennoch „hervorragend“, wie Realschul-Leiterin sagt Kräling-Lietzke sagt. 

Sie führt Beispiele dafür an: 

  • Es gebe einmal pro Woche auf der Führungsebene der beiden Schulen eine Konferenz. 
  • Es gebe zwar keinen gegenseitigen kurzfristigen Vertretungsunterricht, aber sogenannte Abordnungen von Lehrern: Einige Kollegen der Realschule unterrichten einige Stunden an der Sekundarschule und umgekehrt. So hat ein OHR-Lehrer eine Mineralogie-AG an der Lagerlöf-Schule, eine Sekundarschullehrerin unterrichtet sechs, demnächst neun Stunden Französisch an der Realschule. 

„Wir erzählen jedoch von Anfang an, als das Auslaufen der Schule feststand, dass nicht immer gewährleistet ist, dass alle Schulklassen ihre Fachlehrer bis zum Abschluss behalten können“, sagt Kräling-Lietzke. Aber die Qualität des Unterrichts sei garantiert. 

Es gibt bei Bedarf Unterstützung von schulfachlichen Dezernenten - aber ansonsten regelt Kräling-Lietzke den Abbau der Schule aus Selm heraus. Dabei gibt es einen Stellenschlüssel, der für die jeweiligen Schuljahre bis zum Ende der Realschule im Jahr 2019 genau nach der Schülerzahl berechnet wird.

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Jedes Jahr verlassen mehr als 100 Schüler die Schule, ohne dass es Neuaufnahmen gibt. Also verlassen zwangsläufig auch Lehrer die Schule. „Einige Kollegen suchen sich da nun natürlich selbst neue Stellen in der Umgebung, wo sie eine langfristige Perspektive haben“, sagt die Schulleiterin. „Dass Schüler, Eltern und uns in der Schulleitung das immer wieder ganz hart trifft, steht auf einem anderen Blatt.“ Die Mutter einer Schülerin habe nach dem Abschied von Kirsten Wever bei ihr angerufen und ihr ihren Unmut darüber mitgeteilt. 

Ab August nur noch drei Jahrgangsstufen

Diesen Sommer werden 115 Schüler die Realschule verlassen. Ab August gibt es dann nur noch die Jahrgangsstufen 8, 9 und 10. Der Bedarf an Lehrkräften sinkt weiter. Planmäßig. Lehrer, die vor Ort nicht mehr gebraucht werden, aber selbst keine andere Stelle haben, werden zwangsversetzt – auf freie Stellen irgendwo im Regierungsbezirk.

„Realschulen und Hauptschulen laufen an vielen Stellen im Land aus“, sagt Christiane Kräling-Lietzke. Die dort beschäftigten Lehrer suchen sich etwas anderes. „Es ist total schwierig zurzeit.“ Kräling-Lietzke ist Schulleiterin und verwaltet diesen Abbau und diesen Mangel. „Ich bin hier und habe auch vor, hier zu bleiben“, sagt sie. Maximal allerdings bis 2019.

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