Neubau oder Sanierung? Schwimmbäder in Selm stehen in der Diskussion

rnSchwimmbäder in Selm

Die Schwimmbäder Selms haben arg Sanierungsbedarf. Während in Werne das neue Solebad bald öffnet, will sich die Stadt des Problems annehmen. Die kommende Freibad-Saison ist aber gesichert.

Selm

, 09.04.2019, 15:03 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der aufkeimende Frühling dürfte bei dem ein oder anderen bereits Gedanken an Abkühlung aufkommen lassen. Die Bädersituation Selms dagegen eher Sorgen - zumindest bei den Verantwortlichen. Sowohl Hallenbad als auch Freibad sind arg in die Tage gekommen. „Ja, die Bäder sind betagt und es ist erforderlich, da etwas zu machen“, meint auch Michael Merten, Vorsitzender des Stadtsportverbandes, auf Anfrage der Redaktion.

Das Freibad an der Badestraße ist 25 Jahre alt und die letzte umfangreiche Sanierung des Hallenbades am Sandforter Weg liegt rund 17 Jahren zurück.

„Ich kann als Stadtsportverband da nur fordern und das will ich auch tun. Wir haben dafür zu sorgen, dass wir auch weiter gut aufgestellt sind, was das Sportangebot angeht“, sagt Merten. Und da gehöre das Schul- und Vereinsschwimmen zu. Er wünsche sich weiterhin zwei Bäder. „Wir haben aber auch das Signal bekommen, dass etwas passiert“, sagt er.

Doppellösung ein „Wunschtraum“ aber „völlig weltfremd“

Und es passiert tatsächlich etwas. Die Stadt will am kommenden Donnerstag, 11. April, im Rat über die Situation der beiden Bäder sprechen und ein Gutachten in Auftrag geben, das die Bädersituation Selms, beziehungsweise die Bäder selbst beleuchtet. So sollen Optionen und mögliche Kosten ausgelotet werden.

Konkret geht es derzeit um die Frage: Neubau oder Sanierung? Sprich: entweder Hallenbad und Freibad sanieren oder Freibad sanieren und ein neues Hallenbad daneben bauen. Eine Doppellösung, die Ende vergangenen Jahres noch als Option galt, ist höchstwahrscheinlich vom Tisch. Der Grund: Eine solche Lösung wäre vermutlich zu teuer. „Das wäre natürlich ein Wunschtraum“, gibt Merten zu, um dann einzulenken: „aber auch völlig weltfremd.“

Er halte das Ganze sowieso für sehr komplex. „Bei einem Neubau würde es ja nicht nur um die Kosten des Baus gehen, sondern etwa auch um die Zuwegung. Bei einem Standort muss man zudem schauen, wie gut es für die jeweiligen Schulen erreichbar wäre“, gibt Merten zu bedenken.

In einer nicht-representativen Online-Umfrage der Ruhr Nachrichten beantwortete Mehrzahl mit Option zwei: das Freibad sanieren und daneben ein neues Hallenbad.

Umfrage

Sowohl das Freibad als auch das Hallenbad sind sanierungsbedürftig. Was soll die Stadt tun?

Beide Selmer Schwimmbäder sind in die Jahre gekommen. Wie soll die Stadt die Bäderlandschaft entwickeln?
324 abgegebene Stimmen

„Momentan ist alles intakt“

Wie bereits berichtet, gibt es in beiden Bädern das, was man Investitionsstau nennt. Wenn etwas kaputt geht, kann es schnell sehr teuer werden.

„Der worst Case wäre natürlich ein plötzlicher Schaden, der etwa eine halbe Million Euro kosten würde“, zeichnet Merten sein Schreckensbild, um dann aber auch zu beschwichtigen. „Es steht momentan nicht zu befürchten, dass etwas großes kaputt geht, momentan ist alles intakt.“ Dennoch hat der Hallenbadbetreiber 4elements „deutliche Signale“ für „erheblichen Investitionsbedarf“ gesendet, wie es in der Beschlussvorlage für die Ratssitzung heißt.

„Auf Dauer geht es so nicht“

Die Stadt habe allerdings auch signalisiert einzuspringen, sollte es kurzfristig Reparaturbedarf geben, sagt Merten. Dennoch: „Auf Dauer geht es so nicht“, meint der Vorsitzende des Stadtsportverbandes.

Deshalb begrüßt er die kommende Diskussion im Rat: „Für mich ist auch wichtig, dass das Problem angenommen wird seitens der Stadt.“

Im Szenario wäre zudem denkbar, dass ein neues Hallenbad etwa von den Stadtwerken betrieben wird.

Freibad-Saison gewährleistet

Freibad-Geschäftsführer Markus Jungeilges mochte am Montag, 8. April, mit Verweis auf die kommende Ratssitzung, noch keinen Wunsch für die Gestaltung der Selmer Bädersituation äußern. Nur so viel: Er warte gespannt auf Donnerstag begrüße, dass sich dem Problem angenommen werde. „Dass die Diskussion stattfindet, ist im Sinne des Fördervereins. Das ist wichtig“, sagt er. Positionieren wolle er sich dennoch noch nicht.

„Ich kann jetzt nur so viel sagen, dass wir das Freibad nach wie vor betreiben werden. Wir haben das auf Dauer übernommen.“ Es stehe auf jeden Fall fest, „dass wir die nächste Badesaison gewährleisten können“, sagt Jungeilges. Und die Vorbereitungen dazu laufen auf Hochtouren. Stichwort: gutes Wetter.

Die kommende Freibad-Saison ist zumindest schonmal gewährleistet. Im Fall der Fälle ist das Freibad ab dem ersten Mai Betriebsbereit.

Die kommende Freibad-Saison ist zumindest schonmal gewährleistet. Im Fall der Fälle ist das Freibad ab dem ersten Mai Betriebsbereit. © Sabine Geschwinder (Archiv)

Wann geht es los? „Ab dem 1. Mai sind wir betriebsbereit“, sagt Jungeilges. Heißt: sollte es tatsächlich Dauersonnenschein in den kommenden Wochen geben, könnte das Freibad schon am Tag der Arbeit seine Pforten öffnen. „Aus Erfahrung wird es aber meistens eher Mitte Mai“, sagt der Geschäftsführer weiter.

Solebad als Konkurrenz?

Bleibt noch der Blick in die Nachbarstadt. Schließlich soll am 14. April planmäßig das neue Solebad in Werne eröffnen und Badegäste ins salzige Nass führen. Ist zu befürchten, dass der schicke Neubau zu viele Badegäste weg von den reichlich gealterten Bädern Selms zieht? „Nein, da habe ich überhaupt keine Angst“, sagt Markus Jungeilges. „Ich glaube, wir sprechen da eine ganz andere Zielgruppe an.“ Das Selmer Freibad ziele eher auf Familien und Jugendliche ab, während das Solebad „vermutlich eher die Dauerschwimmer ansprechen wird“, schätzt Jungeilges. Seine diesbezügliche Gelassenheit stützt sich auch darauf, dass auch bei der damaligen Schließung des Werner Solebades der Zulauf aus der Nachbarschaft nicht so merklich riesig gewesen sei.

So ähnlich sieht es auch Michael Merten vom Stadtsportverband. „Ich sehe Werne nicht als Konkurrenz. So etwas wie dort bräuchten wir gar nicht, da unser Sportangebot ganz anders ausgelegt ist.“

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