Rund um das Einzelhandelszentrum an der B 236 wird das Neubaugebiet Neuenkamp entstehen. Ob dort auch ein Altenheim Platz findet, ist offen. © Stadt Selm
Meinung

Noch einmal nachdenken: Der Selmer Rat traut sich ‘was

Krötenschlucken ist eine hohe Kunst. Die Möchtegern-Koalitionäre in Berlin machen es gerade vor. Manche Selmer Kommunalpolitiker sollten sich davon etwas abgucken, anstatt weiter zu husten.

Ein Moment Stille. Dann ein kurzer Abschiedsgruß. Der Caritas-Chef und die von ihm beauftragte Architektin rauschen aus dem Saal. Der Bürgermeister ruft den nächsten Tagesordnungspunkt auf. Die Selmer Ratsmitglieder haben ein Poker-Face aufgesetzt. Oder befinden sich in Schockstarre. Dass gerade etwas Denkwürdiges passiert ist, lässt sich zumindest keiner anmerken: Eine knappe Mehrheit hat beschlossen, lieber noch einmal nachdenken zu wollen, bevor es zu spät ist.

Unser Kopf ist bekanntlich rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann. Genau dem will eine knappe Ratsmehrheit Rechnung tragen, indem sie einen runden Tisch einberuft. Die Teilnehmer sollen klären, ob das neue Caritas-Altenheim vielleicht doch besser im Baugebiet Neuenkamp aufgehoben sei als auf dem ehemaligen Marktplatz. Das behaupten zurzeit manche. Aber so lange es kein Grundstück gibt, das man der Caritas vorschlagen könnte, bleibt das nur Gerede. Mit dem runden Tisch wird daraus eine Chance.

Nachdem Selm Jahre vergeblich auf den Baubeginn der Caritas gewartet hat, kommt es auf ein paar Wochen – aber bitte nicht mehr! – auch nicht mehr an. Und die Caritas? Tut gut daran, sich einzubringen. Für die Akzeptanz des Neubaus – egal, an welcher Stelle – ist dieses Krötenschlucken wichtig. Und vielleicht verwandelt sich eine Kröte doch noch in einen Prinzen – in ein Alternativgrundstück an belebter Stelle.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe