Nur im Notfall gibt es schnelle Hilfe in Lüdinghausen

Notfallaufnahme des Krankenhauses

Die Information der Krankenschwester in der Notfallaufnahme in Lüdinghausen sorgte für viele verstörte Blicke: „Sie können bleiben, müssen jedoch mit einer Wartezeit von mindestens einer weiteren Stunde rechnen.“ Eine außergewöhnliche Situation oder ein grundsätzliches Problem? Wir haben nachgehört.

LÜDINGHAUSEN

, 01.04.2016, 05:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nur im Notfall gibt es schnelle Hilfe in Lüdinghausen

Das St. Marien-Hospital in Lüdinghausen.

„Am Samstag ballt es sich generell zwischen 9 und 13 Uhr“, sagt der ärztliche Direktor Dr. Jörg Siebert und verweist auf das Nadelöhr der Notfallaufnahme – den Arzt. Am Samstagmorgen hat hier grundsätzlich ein Arzt Dienst. Er wird durch einen zweiten Kollegen – einen Facharzt in Rufbereitschaft – unterstützt. Allerdings müssen diese beiden Mediziner zusätzlich die Stationen des Krankenhauses versorgen – auch die Intensivstation.

Was ist ein Notfall?

Werden Patienten in der Zentralen Aufnahme erst dann behandelt, wenn der Arzt auf den Stationen nicht mehr gefordert ist? „Nein“, sagt Dr. Siebert mit Nachdruck. „Es gelingt uns annähernd zu 100 Prozent, die Dinge zu priorisieren.“ Aber was bedeutet das?

Der ärztliche Leiter der Zentralen Aufnahme antwortet mit einer Gegenfrage: „Was ist ein Notfall?“ Und er gibt auch die Antwort. Die Kontrolle eines Gipses beispielsweise nach einem Armbruch gehöre eindeutig nicht in diese Kategorie. Das Opfer eines ins Krankenhaus gebrachten Unfalls hingegen sehr wohl. Und natürlich auch der Patient in der Zentralen Aufnahme bei dem Gefahr in Verzug sei wie etwa bei einem (drohenden) Herzinfarkt.

Mehr Patienten nach der Notfalldienstreform

„Wir sind ein Haus der Grund- und Regelversorgung und damit auch für die Notfallversorgung der Bevölkerung verantwortlich“, sagt Verwaltungsdirektorin Monika Kleingräber-Niermann. Und sie macht keinen Hehl daraus, dass sich die Situation mit der Notfalldienstreform verschärft habe. „Unsere ärztliche Besetzung ist gleich geblieben.“ Die Zahl der Patienten sei hingegen gestiegen. Vor der Reform sei es so gewesen, dass Ärzte ausschließlich aus Lüdinghausen und Selm nach Praxisschluss von Montag bis Sonntag in der Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe Notfallpatienten behandelt hätten.

Und es habe mal eine Zeit gegeben, in der die Hausarztpraxen Abend für Abend und an jedem Wochenende jeder für sich in seiner Praxis die eigenen Notfallpatienten behandelt habe. Um die Attraktivität des Arztberufes im niedergelassenen Bereich zu stärken, habe die Politik diese Situation sinnvollerweise optimiert. Das habe aber zur Folge, dass deutlich mehr Menschen in die Notfallaufnahme des Krankenhauses kommen würden.

Jeder wirkliche Notfall wird auch behandelt

Diesen Bereich personell aufzustocken, sei bei einer abzurechnenden Pauschale von rund 20 Euro je Patient für das Krankenhaus aus finanziellen Gründen nicht möglich. In Lüdinghausen und auch in anderen Krankenhäusern. Wichtig ist der Verwaltungsdirektorin jedoch die zentrale Aussage von Jörg Siebert, dass jeder wirkliche Notfall auch direkt behandelt wird. „Darauf können sich die Menschen verlassen.“

Sehr deutlich sagt Monika Kleingräber-Niermann aber auch, dass die Menschen eine Vorstellung nicht mehr haben dürfen: „Ich gehe ins Krankenhaus und werde insbesondere in den Abend- und Nachtstunden, an Feiertagen oder am Wochenende direkt behandelt.“

Für Kontrolltermine ist samstags das Sekretariat besetzt

Das gelte auch für Patienten, denen das Krankenhaus einen Kontrolltermin nach einem Armbruch oder für einen Verbandswechsel nach einer Schnittverletzung gegeben wurde. Um organisatorisch die Dinge optimal zu gestalten, habe das Krankenhaus mit Einrichtung der Zentralen Aufnahme an Samstagvormittagen das Sekretariat l besetzt. „Das gab es früher nicht.“

Was bleibt als Fazit des Ostersamstags? Wer am Samstagmorgen in die Notfallaufnahme des Krankenhauses kommt, muss viel Zeit und Geduld mitbringen. Und er muss mit der Aussage einer Krankenschwester rechnen, dass sich die Behandlung verzögert. Wer jedoch dringend und kurzfristig ärztliche Hilfe benötigt, kann sich nach Aussage des Krankenhauses darauf verlassen, dass ihm umgehend geholfen wird.

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