Das Parken vor Geschäften an der Kreisstraße ist oft chaotisch. Schlechte Beschilderung und zu wenig Parkplätze verärgern viele Selmer. So ist der Stand in Sachen Parkplatzneubau.

Selm

, 05.06.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein hoher Bauzaun ist um das Gebäude des ehemaligen Döner-Imbisses an der Kreisstraße Ecke Landsbergstraße gezogen worden. Das Gebäude soll bald einem Parkplatz weichen. „Der Abriss hat bereits begonnen“, teilt Norbert Zolda von der Stadt Selm mit. „Aktuell findet die Entkernung des Gebäudes statt“, sagt Zolda.

Das Gelände mit einer Fläche von 2500 Quadratmetern soll die Bereiche ersetzen, die nach dem Kreisstraßenumbau für die Autofahrer wegfallen.

Früher hatten mögliche Kunden direkt vor den Geschäften an der Kreisstraße parken können. Obwohl breite gepflasterte Streifen zum Parken förmlich einladen: Es handelt sich dort um einen Rad- und Fußweg.

Das Parken ist dort offiziell nicht erlaubt - eine Tatsache, die bereits für bei vielen Selmern für Missverständnisse und Ärger gesorgt hatte. Momentan duldet es die Stadt noch, dass auf dem gepflasterten Weg geparkt wird - bis zum Stadtfest hieß es zunächst. Aber: „Parkverstöße werden erst geahndet, wenn die neuen Parkplätze zur Verfügung stehen“, sagt Norbert Zolda.

Kurzzeitparkplätze würden vor allem Senioren helfen

Silvia Reimann vom Blumengeschäft an der Kreisstraße ist nicht begeistert davon, dass im Zuge der Baustelle die drei Parkplätze vor dem Haus weggefallen sind. Wer in ihrem Laden einkauft, kann auf dem Edeka-Parkplatz parken. „Aber es ist natürlich viel bequemer, direkt vor der Ladentür zu parken, wenn man Blumen trägt“, sagt sie.

Parkärger an der Kreisstraße: So ist der aktuelle Stand in Sachen Parkplatzneubau

Das Entkernen des Hauses an der Kreisstraße hat begonnen.An seiner Stelle soll ein Parkplatz entstehen. © Sylvia vom Hofe

Auch für das Geschäft sei es nicht von Vorteil, dass nach dem Umbau die Parkplätze weggefallen seien. „Viele Kunden halten und fragen: Wo kann ich hier parken? Dann kann ich nur sagen: Gute Frage!“

Die Mieter im gleichen Haus seien außerdem nicht alle gut zu Fuß. „Die haben Parkplätze hinter dem Haus, diese sind aber weit vom Eingang weg. Wenn die mit Einkäufen kommen, wäre es schön, wenn man wenigstens zum Beladen und Entladen vorn an der Straße halten dürfte“, sagt Silvia Reimann.

„Viele unserer älteren Kunden sind auf einen Rollator angewiesen.“

Nicht gut zu Fuß sind auch die Kunden, die bei Kind Hörgeräte vorbeischauen. Die beiden Mitarbeiterinnen dort hoffen auf den neuen Parkplatz. Sie hätten es aber - wie Silvia Reimann - auch gern gesehen, wenn Parkmöglichkeiten direkt vor der Tür eingerichtet worden wären.

„Viele ältere Kunden kommen zu uns. Die sind meist auf einen Rollator angewiesen. Wenn es da eine Möglichkeit gäbe, mit Kurzzeitparken oder so, wäre das echt toll“, sagt eine der Mitarbeiterinnen, die ihren Namen nicht nennen möchte. „Für uns ist der Edeka-Parkplatz, oder auch der geplante Parkplatz, ein Katzensprung. Aber hier sind nun mal viele ältere Leute, für die ist das sehr weit.“

„Die Parklücken hier sind ruckizucki voll.“

In Conny`s Sonnenparadies auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist Inhaberin Avril Ritter froh darüber, dass ihre Kunden momentan noch die Straße vor dem Geschäft nutzen dürfen. „Ich habe das Studio im Oktober übernommen. Natürlich parken die Leute am liebsten direkt vor dem Laden“, sagt sie. Aber ein neuer Parkplatz gegenüber wäre natürlich nicht schlecht. „Die Parklücken hier sind ruckizucki voll“, sagt Ritter.

Die Selmerin könnte eigentlich mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen und müsste dann auch selbst keinen Parkplatz suchen. „Aber ich muss immer drei bis vier Pakete Handtücher transportieren, das geht auf dem Fahrrad natürlich schlecht“, sagt sie.

Wer eigene Kundenparkplätze anbieten kann, reagiert entspannt.

Im Sanitätshaus OTec nebenan ist die Situation entspannt. Das Haus hat eigene Kundenparkplätze, und genau vor der Eingangstür befindet sich zudem ein Behindertenparkplatz. „Wir sind hier ja bisher ziemlich verwöhnt gewesen mit kostenfreien Parkplätzen“, sagt eine Mitarbeiterin.

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Auch für die Provinzial-Versicherung wird sich, ob mit oder ohne zusätzliche Parkplätze, wenig ändern. Denn auch dort stehen den Kunden eigene Parkplätze zur Verfügung. „Parkmöglichkeiten halten wir grundsätzlich für sinnvoll“, sagt Guido Menke. „Aber dass die Parkplätze hier vorne jetzt weg sind, das ist für viele Selmer sicher eine große Umstellung.“

Eindeutige Beschilderung auf den Nicht-Park-Flächen wäre sinnvoll

Zumal die Beschilderung nicht eindeutig auf ein Parkverbot verweist. Blau-weiße Schilder weisen ledigilch darauf hin, dass es sich um einen Geh- und Radweg handelt. Dass man da nicht parken darf, sollten Autofahrer wissen. Lesen können sie es aber nirgends.

„Ich finde, da gehören vernünftige Schilder hin“, sagt Silvia Reimann. Selbst die Geh- und Radweg-Schilder seien kaum einsehbar. Und sie fügt hinzu: „Eine Stadt lebt vom Einzelhandel. Dann sollten die Geschäfte für die Kunden auch gut erreichbar sein.“

Die vielen Fragen der Selmer kann die Stadt allerdings noch nicht abschließend beantworten. Erste Entwürfe sehen rund 80 Parkplätze vor, sagt Norbert Zolda. Aber: „Die entsprechenden Planungen sind noch nicht in den zuständigen städtischen Gremien abschließend beraten worden. Insofern kann im Vorfeld noch keine verbindliche Aussage hierzu gemacht werden“, sagt er. Ebenso sieht es mit dem Thema Parkplatzbewirtschaftung aus. Auch dazu muss noch abschließend beraten werden.

Was hingegen feststeht: Im Bereich zwischen dem Kreisverkehr Botzlarstraße und dem Kreisverkehr Am Kreutzkamp werde es ausschließlich Parkplätze für schwerbehinderte Verkehrsteilnehmer mit außergewöhnlicher Gehbehinderung geben.

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