Pater Altfried Kutsch verlässt Cappenberg

Nach 15 Jahren

Das war eine Überraschung: eine, auf die die meisten Cappenberger Gottesdienstbesucher hätten verzichten können. Pater Altfried Kutsch (58) hat am Wochenende mitgeteilt, dass er die Gemeinde verlassen werde. Warum, wohin und mit welchem Gefühl, erzählt er im Interview mit Redaktionsleiterin Sylvia vom Hofe.

Cappenberg

, 31.10.2016, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Pater Altfried Kutsch verlässt Cappenberg

Verlässt Cappenberg zum 31. Januar 2017: Pater Altfried Kutsch.

Hier sehen Sie einen Ausschnitt des Gesprächs als Video:

Sind 15 Jahre in Cappenberg genug? Nein, eigentlich nicht. Die Kirche und die Gemeinde hier machen mir nach wie vor Spaß, und ich hätte es mit gut vorstellen können, noch ein paar Jährchen dranhängen zu können.

Warum tun Sie das nicht einfach? Zwei jüngere Mitbrüder haben den priesterlichen Dienst verlassen, und ein weiterer Mitbruder ist schwer erkrankt. Das stellt unsere Abtei vor große Herausforderungen. Schließlich muss die Arbeit weiter erledigt werden. Deshalb bat mich unser Abt zu wechseln. Ich gehe schweren Herzens.

Hätten Sie nicht auch Nein sagen können? Sich in so einer akuten Notsituation einfach zurückzulehnen und zu sagen, das geht mich alles nichts an, funktioniert nicht: weder in einer Familie noch in einer Klostergemeinschaft.

Wohin wechseln Sie? Nach Duisburg. Ich werde in unserem Kloster wohnen und eine von drei Pfarrgebieten im Duisburger Norden leiten.

Die Cappenberger Pfarrgemeinde St. Johannes Evangelist ist die kleinste im ganzen Bistum Münster. Wie groß ist die in Duisburg? (lacht) Größer. Viel größer. Also: Die Duisburger Pfarrei St. Johann besteht aus 13 einst eigenständigen Pfarrgemeinden. Das gesamte frühere Dekanat Duisburg-Hamborn ist inzwischen eine einzige Pfarrgemeinde mit rund 25 000 bis 26 000 Katholiken, aufgeteilt in drei Gemeindeteile, die jeweils von einem Pastor geleitet werden. Ich werde flächenmäßig den größten Teil übernehmen mit ehemals acht einzelnen Gemeinden.

Gibt es andere Priester? In der Gesamtgemeinde sind wir insgesamt fünf Priester. Bei meinem Ordenseintritt waren es noch 22. Die anderen pastoralen Mitarbeiter kenne ich noch nicht.

Wie hat sich die Zahl der Gemeindemitglieder entwickelt? Rückläufig, stark rückläufig. Um 1970 waren es dort 72.000 Katholiken, jetzt kaum noch 30.000. Der Anteil der Gemeindemitglieder ist sehr alt. Geprägt ist das Gemeindegebiet durch viele Menschen mit Migrationshintergrund. Das macht die Arbeit sehr verschieden von der hier in Cappenberg. Man hat häufiger mit prekären Verhältnissen zu tun.

Wie sieht es denn in Cappenberg aus? Besser. Viel besser. Natürlich sind auch Cappenberg und Langern nicht vom allgemeinen Trend verschont geblieben. Aber die Entwicklung ist längst nicht so dramatisch. Die Zahl der Gottesdienstbesucher ist nahezu stabil geblieben in den vergangenen 15 Jahren. Was ich aber durchaus feststellen kann, dass Familien mit Kindern und Jugendlichen seltener anzutreffen sind. Und dass das zunehmende Alter in manchen Gruppen Probleme bereitet. Deshalb haben sich etwa die Frauengemeinschaft und der Singekreis aufgelöst.

Gibt es auch neue Aufbrüche? Allerdings. Zum Beispiel hat sich ein Projektchor gegründet. Und aus der Pfarrgemeinde kam die Initiative, mit anderen zusammen den Flüchtlingshilfeverein Hand in Hand zu gründen. Auch das ökumenische Gemeindefest zusammen mit den evangelischen Mitchristen gehört dazu.

In der Stiftskirche am Schloss Cappenberg versammeln sich nicht nur regelmäßig Gläubige, sondern auch Kulturfreunde … … stimmt. Der rege Kulturbetrieb mit den vielen Konzerten und Führungen hat mir immer sehr viel Freude gemacht.

Aber St. Johann hat hoffentlich genauso wie St. Johannes eine Orgel? (lacht) Und auch Orgelkonzerte zum Glück: sechs Stück im Jahr, versetzt zu denen hier auf Cappenberg.

Sie sind Gründungsmitglied des vor wenigen Tagen gegründeten Geschichtlichen Forums Selm, das sich zur Aufgabe gesetzt hat, das Barbarossajahr 2022 besonders zu feiern. Schließlich befindet sich die berühmte Büste des 1022 geborenen Stauferkaisers im Cappenberger Kirchenschatz. Werden Sie da aktiv bleiben? Aktiv wohl nicht. Das gehört zu den Dingen, die sehr schade sind, aber die dieser Wechsel mit sich bringt. Natürlich werde ich aber kommen und mir alles ansehen, wenn es so weit ist.

Nachfolger gefunden:
- Pater Gregor Pahl (35) wird zum 1. Februar die Leitung der Gemeinde übernehmen. Der gebürtige Oberhausener legte im August sein Gelübde ab, das ihn an die Ordensregeln bindet.
-Pater Norbert Rebmann (84) bleibt in Cappenberg. Er wird auch den neuen Pfarrer weiter als Ruheständler unterstützen.
- Seit 1974 leiten Prämonstratenser-Patres die Kirchengemeinde.
- Weil der Orden die Pfarrer stellt, ist St. Johannes Evangelist weiter eigenständig .
- Cappenberg ist seit fast 900 Jahren fest mit dem Prämonstratenserorden verbunden. Gottfried von Cappenberg schenkte Burg Cappenberg dem Ordensgründer Norbert von Xanten.

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