Pestalozzischule in Selm soll neuer Kita weichen

Erhöhter Bedarf an Betreuungsplätzen

Von wegen demografischer Wandel. Selms Bevölkerung baut nicht ab, sondern auf. Dank des anhaltenden Zuzugs und der Tatsache, dass wieder mehr Babys zur Welt kommen, benötigt die Stadt eine zusätzliche Kita für 70 Kinder. Wer als Betreiber der neuen Kindertagesstätte fungieren soll, sorgt unterdessen für Diskussionen.

SELM

, 21.09.2017, 12:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Wird wohl abgerissen: die Pestalozzischule in Selm.

Wird wohl abgerissen: die Pestalozzischule in Selm.

Die Verwaltung kann sich einen 3,4 Millionen Euro teuren Neubau, der im August 2020 öffnen soll, gut auf dem Gelände der Pestalozzischule vorstellen, der Jugendhilfeausschuss ebenfalls. Trotz dieser Übereinstimmung kam es am Mittwochabend im Jugendhilfeausschuss aber nicht zur Abstimmung.

Schuld war die Betreiberfrage. „Ich kann aus betriebswirtschaftlichen Gründen nur dringend davon abraten, dass die Stadt selbst Betreiber der neuen Einrichtung wird“, sagte Wolfgang Strickstrock, Bereichsleiter Jugend, Schule, Familie und Soziales. Eine Kommune sei immer deutlich schlechter gestellt als jeder andere Träger, wenn es um die Bezuschussung der laufenden Kosten gehe. 

Möglichkeit der Trägerschaft für Stadt Selm

„Als Stärkungspaktkommune – dürfen wir keine Aufgaben annehmen, die uns finanziell mehr belasten“ und die andere günstiger leisten könnten, bekräftigte Sylvia Engemann, Beigeordnete und Kämmerin. Dr. Hubert Seier (UWG) sah das komplett anders. „Es ist ja noch viel zu früh, sich festzulegen“, sagte er, „aber wir sollten doch die Möglichkeit prüfen, die neue Kita in städtischer Trägerschaft zu führen“. Der Beschlussvorschlag der Verwaltung hatte das ausgeschlossen. „Dass eine Stadt unserer Größe keine einzige Kita in eigener Trägerschaft hat, ist ein Unding“, so Seier.

Im aktuellen Kindergartenjahr sind laut André Kautz, seit Juli Jugendhilfeplaner, alle Plätze belegt. Gruppen für Kinder über drei Jahre (Ü3) würden sogar überbelegt, um den Bedarf zu decken. Und der steige stetig. Am 5. Oktober wird der Rat zu beschließen haben, ob die Stadt mit 80.000 Euro in die Planung der Kita einsteigt. 

Geburtenrate auf Wachstumskurs
2006 waren in Selm 170 Babys zur Welt gekommen, 2016 211. Zurzeit hat Selm 13 Tageseinrichtungen. Im aktuellen Kindergartenjahr herrscht nach Auskunft des Jugendhilfeplaners „nahezu Vollauslastung“, teilweise Überbelegung. Ein Kita-Träger hat bereits Interesse angemeldet, die neue Einrichtung nicht nur zu betreiben, sondern auch zu bauen.

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