Pfadfinder organisieren Zeltlager für Hochwasser-Opfer in Selm

Querfeldein

Kinder und Jugendliche aus Hochwasser-Gebieten sollen bald in Selm Ferien machen können - und den Kopf frei bekommen. Die Pfadfinder haben ein Zeltlager organisiert. Sie suchen noch Unterstützer.

Selm

, 27.07.2021, 19:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Ein Bild aus dem Jahr 2013, entstanden im Pfadfinderbundeslager. Im August wollen die Selmer und Lüdinghauser Pfadfinder ein Lager für die Opfer der Hochwasserkatastrophe auf die Beine stellen.

Ein Bild aus dem Jahr 2013, entstanden im Pfadfinderbundeslager. Im August wollen die Selmer und Lüdinghauser Pfadfinder ein Lager für die Opfer der Hochwasserkatastrophe auf die Beine stellen. © picture alliance / dpa

Helfen. Etwas tun angesichts der Hochwasserkatastrophe, die im Westen Deutschlands in den letzten Wochen so viele Menschen betroffen gemacht hat. Das wollen die Pfadfinder aus dem Bezirk Coesfeld und auch der Stamm aus Selm mit einer besonderen Aktion: Sie haben ein Zeltlager aus dem Boden gestampft, das sie in Selm für die Opfer des Hochwasser veranstalten werden.

„Die Bilder in den Medien haben uns alle tief getroffen und erschüttert“, erklären die Pfadfinder dazu in einer Pressemitteilung. „Als Jugendverein liegen uns dabei natürlich die Kinder und Jugendlichen ganz besonders am Herzen. Wir wollen die betroffenen Familien unterstützen und bieten aus diesem Grund ein Ferienlager für Kinder und Jugendliche an. In der Planung von Zeltlagern haben wir bereits jahrzehntelange Erfahrung und so wurde innerhalb weniger Tage ein komplettes Lager auf die Beine gestellt“, heißt es darin weiter.

Es soll vor Orte eine Trauma-Betreuung geben

Eigentlich, so sagt es Alexander Braun vom Stamm in Lüdinghausen im Gespräch mit der Redaktion, bereiten die Pfadfinder ein Zeltlager ein halbes Jahr lang vor. Jetzt habe es - auch durch die städte- und kreisübergreifende Teamarbeit der Pfadfinderschaft - auch in zwei Wochen relativ spontan geklappt. 40 Kinder wahrscheinlich aus dem Kreis Ahrweiler werden vom 9. bis 15. August nach Selm kommen. 30 ehrenamtliche Betreuer und Organisatoren haben sich schon gefunden. Wo genau in Selm sie ihr Lager mit dem Namen „Querfeldein“ aufschlagen, wollen die Pfadfinder noch nicht sagen - zum Schutz der Kinder und Jugendlichen. „Sie sind ja wahrscheinlich sehr traumatisiert“, sagt Alexander Braun. Geplant sei deshalb auch, auch Seelsorger vor Ort zu haben und zusammen mit Jugendämtern eine Trauma-Betreuung zu organisieren, um den Betroffenen bei der Verarbeitung zu helfen.

Über die Jugendämter haben die Pfadfinder im Kreis Ahrweiler auch schon gefragt, ob eine solche Aktion überhaupt sinnvoll ist. Dabei sei aber der Bedarf nach Kinderbetreuung sofort deutlich geworden. Das Lager ist für Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren ausgelegt. „Selbstverständlich werden während des Lagers sämtliche Vorschriften die sich aus der Corona-Schutzverordnung ergeben eingehalten, ein Hygiene- und Testkonzept wird aktuell gemeinsam mit dem Gesundheitsamt und den örtlichen Apotheken ausgearbeitet“, erklären die Pfadfinder außerdem.

Vorbilder für ein Zeltlager wie das in Selm hat es auch schon in Schleswig-Holstein gegeben, erklärt Alexander Braun. In der Gemeinde Bosau im Kreis Ostholstein sind so gerade 45 Kinder, deren Familien aus dem Raum Aachen im Hochwasser alles verloren haben. Dort hatte die Jugendfeuerwehr die Idee zu der Aktion gehabt - und ganz viele Unterstützer im Ort gefunden. „Wir haben ganz, ganz viele Aktionen angeboten bekommen - von ganz vielen Firmen. Die wollen alle helfen, die sponsern Grillabende, Ponyhof - alles, was man sich vorstellen kann“, sagte vor Ort einer der Initiatoren dem NDR. Und weiter: „Wir haben nie damit gerechnet, dass so viel Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung da ist. Also Wahnsinn!“

Pfadfinder suchen nach Spenden und Unterstützern

Natürlich sollen die Kinder aus den Hochwassergebieten für das Ferienlager in Selm nichts bezahlen müssen, sagt Alexander Braun. Deshalb sind die Pfadfinder gerade auch noch auf der Suche nach weiteren Sponsoren und Unterstützern.

Auch Sachspenden würden helfen. „Den Kindern und Jugendlichen fehlt es leider an allem, was für ein Ferienlager in Zelten nötig ist, beispielsweise Taschenlampen, Isomatten, Schlafsäcke, Regenjacken, Trinkflaschen, festes Schuhwerk“, heißt es. Alles Dinge, die man normalerweise im Keller aufbewahrt, sagt Alexander Braun bedauernd. „Wir würden uns freuen, wenn wir an dieser Stelle Unterstützung vom örtlichen Handel bekommen könnten um diesen Engpass abzudecken. Ebenso wäre es hilfreich, wenn seitens der örtlichen Gastronomie und der Supermärkte der Lebensmittelbedarf der Kinder und Jugendlichen in Teilen abgedeckt werden könnte - vielleicht ja sogar in Form von kompletten Mahlzeiten.“ Wer die Pfadfinder unterstützen möchte, meldet sich per Mail an querfeldein2021@web.de oder unter Tel. (01575) 8089335.

Spenden von Schlafsäcken etc. aus dem privaten Bereich können die Pfadfinder allerdings nicht annehmen - „wegen Corona“, erklärt Alexander Braun. Aber: Für die allabendlichen Lagerfeuerrunden wird noch Kaminholz gebraucht. Am 1. August können Spender von 10 bis 18 Uhr Holz im Pfadfinderheim Lüdinghausen (Vogelrute 7) oder in Selm am Parkplatz des Findus (Kreisstraße 29) abgeben.

Geldspenden können direkt mit dem Verwendungszweck „Querfeldein“ auf das Konto IBAN DE98 4016 5366 0106 5885 01 (Kontoinhaber: Förderverein Selm) überwiesen werden. Für eine Spendenbescheinigung kann man per Mail mit dem Selmer Pfadfindern Kontakt aufnehmen: kontakt@foerdervereinpfadfinderselm.de

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