Piepston statt Klimpern? So denken Gemeinden über den digitalen Klingelbeutel

rnDigitaler Klingelbeutel

In einigen evangelischen Gemeinden Deutschlands kursiert er schon: der digitale Klingelbeutel. Hat er auch eine Zukunft in Selm, Olfen und Nordkirchen? Die Gemeinden sehen das eher skeptisch.

von Sophie Godelmann

Selm, Olfen, Nordkirchen

, 07.02.2019, 09:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist ein typisches Geräusch in der Kirche: Geld, das während des Gemeindegesangs, in den Beutel hineinklimpert. In einigen Gemeinden Deutschlands könnte es bald durch ein leises Piepsen ergänzt werden. Verursacht durch den digitalen Klingelbeutel. Evangelische Gemeinden in Berlin oder Duisburg haben die neue Art, Kollekten zu sammeln bereits genutzt. Aber: Wäre das auch in den Gemeinden in Selm, Olfen und Nordkirchen eine Option?

Zunächst mal zum Prinzip: Der digitale Klingelbeutel sieht aus wie ein herkömmlicher Klingelbeutel. Man kann durch ihn Beträge bis zu 25 Euro spenden. Dazu müssen Nutzer den entsprechenden Betrag in den digitalen Klingelbeutel eingeben und danach die Kredit- oder Girokarte darauf legen. Zur Bestätigung erklingt ein kurzer Piepston. Gleichzeitig kann in dem gleichen Klingelbeutel aber auch noch eine „normale“ also bare Kollekte gegeben werden.

„Nicht sicher genug“

Pfarrer und Pfarrerinnen in den umliegenden Gemeinden sehen die digitale Form des Klingelbeutels eher skeptisch: Pfarrer Lothar Sonntag von der evangelischen Kirchengemeinde in Selm zum Beispiel hat zwar schon von der neuen Methode gehört, jedoch sei ihm diese „nicht sicher genug“, da er Sorge wegen der Daten der Gottesdienstbesucher habe.

Der gleichen Meinung ist auch Thorsten Melchert, Pfarrer in der evangelischen Christus-Kirchengemeinde in Olfen. Melchert findet das Prinzip zu aufwendig. „Außerdem kann ich mir vorstellen, dass einige, vor allen Dingen ältere Besucher, von einem digitalen Klingelbeutel abgeschreckt werden könnten“, sagt er im Gespräch mit der Redaktion.

Andreas Spitzley, Kirchmeister der evangelischen Gemeinde in Nordkirchen betont auch, dass durch diese Zahlmethode Gottesdienstbesucher abgeschreckt werden könnten. Er ist sich zudem sicher, dass dieses Prinzip der Zahlung genau so sicher - oder auch unsicher - wie in einem normalen Geschäft sei.

„Kein Verständnis für große Gedanken“

Auch in den katholischen Gemeinden dominiert die Skepsis.

Alfred Kordt, Pfarrer em. der katholischen Gemeinde St. Mauritius in Nordkirchen, glaubt, dass eine Kirche dafür geeignet sei, um eine „Vermittlung des Glaubens, von Angesicht zu Angesicht“ zu vermitteln und eine Digitalisierung, zum Beispiel durch Klingelbeutel, sie diesem Ziel nicht näherbringe. Er habe „kein Verständnis für die großen Gedanken“ bezüglich des Themas der digitalen Klingelbeutel.

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