Seit diesem Schuljahr gibt es eine besondere Klasse an der Overbergschule: die Ganztagsklasse 1a. Ein Pilotprojekt, das revolutionär ist für die Selmer Grundschule.

Selm

, 30.08.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Löwenklasse in der Overbergschule schreibt Selmer Schulgeschichte. Die 24 i-Männchen bleiben Tag für Tag bis nachmittags zusammen im Klassenverband - und das verbindlich über ihre gesamte Grundschulzeit. Tobias Leßmann ist der Klassenlehrer. Er ist schon zwei Wochen nach dem Start des Pilotversuchs von den Vorteilen überzeugt.

„Die Kinder aus dieser Klasse sind bis in den späten Nachmittagsbereich in der gleichen Gruppe, nämlich in ihrer Klasse“, Sagt Leßmann. Normalerweise wären sie im Nachmittagsbereich auch mit den anderen Kindern des Ganztags zusammen, aber aufgrund von Corona bleibe der Klassenverband auch während dieser Zeit bestehen. Von dem Projekt ist der Pädagoge begeistert. „Dadurch, dass die Kinder in der Ganztagsklasse im Gegensatz zu den anderen Klasse länger Unterricht haben, kann man auf die Kinder besser eingehen und sie individuell fördern.“ Der Unterricht dauert bis 14.15 Uhr. Danach ist freies Spiel angesagt. Eltern können ihre Kinder um 15 oder 16 Uhr abholen.

Hausaufgaben machen die Kinder in der Schule

Wichtig für das Konzept einer Ganztagsklasse sei laut Tobias Leßmann ein einheitliches System. So haben die Kinder jeden Tag sieben Stunden und werden zusätzlich von einem Sozialpädagogen, einer Ganztagskraft sowie einer Bundesfreiwilligendienstlerin betreut. In der vierten Stunde gebe es eine Lernzeit, in der die Kinder Aufgaben bearbeiteten: das, was Kinder anderer Klassen als Hausaufgaben kennen. „Die traditionellen Hausaufgaben gibt es für die Kinder in meiner Klasse sozusagen nicht mehr“, sagt Leßmann.

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Für den Grundschullehrer ist das ein klarer Vorteil. Er Und seine Kolleginnen und Kollegen könnten so in der Schule erkennen, ob ein Kind Förderbedarf habe oder umgekehrt mit mehr Unterrichtsmaterial versorgt werden müsse. „Dadurch ist es hier flexibler, da wir als Lehrpersonal nach den individuellen Bedürfnissen der Kinder schauen können und auch mehr Unterrichtszeit haben.“

Dass die Kinder in der Ganztagsklasse mehr lernen, könne man pauschal nicht sagen, sagt Leßmann. Er sei regelmäßig im Gespräch mit den anderen Lehrerinnen und Lehrer der ersten Klassen, sodass alle Erstklässler auf dem gleichen Lernstand seien.

In der fünften Stunde - also nach den „Haus“-Aufgaben, essen die Kinder gemeinsam zu Mittag. „Im Moment bemängeln die Eltern, dass es kein warmes Mittagessen gibt. Das geht jedoch aufgrund von Corona nicht“, erklärt Leßmann. In der sechsten und siebten Stunde werden unterschiedliche Arbeitsgruppen angeboten. „Im Moment habe ich eine Stadterkundungs-AG. Da erkunden wir Selm und bewegen uns ein bisschen an der frischen Luft.“

Kinder der Ganztagsklasse sind entspannter

Für den Lehrer bedeutet es mehr Aufwand, eine Ganztagsklasse zu betreuen. Schließlich muss er genug Lehrmaterial bereitstellen. Das lohne sich aber, sagt der Klassenlehrer. Die Kinder seien im Nachmittagsbereich viel entspannter als die OGS-Kinder, die erst nach Unterrichtsschluss zusammenkommen und nicht schon ab morgens. Eine Beobachtung, die auch Kollegen teilen.

Die Kinder der Klasse 1a bleiben, anders als die anderen Kinder der ersten Klassen an der Overbergschule, jeden Tag länger in der Schule. Sie sind Teil eines Pilotprojekt: Der Ganztagsklasse.

Die Kinder der Klasse 1a bleiben, anders als die anderen Kinder der ersten Klassen an der Overbergschule, jeden Tag länger in der Schule. Sie sind Teil eines Pilotprojekt: Der Ganztagsklasse. © Sophie Godelmann

Daniela Simonetti arbeitet im offenen Ganztag der Overbergschule und betreut bis 16 Uhr die Kinder der Ganztagsklasse. „Ich kannte das Konzept der Ganztagsklasse schon vor dem Projekt an dieser Schule und ich finde, dass das Konzept den Kinder gut tut“, sagt sie. Die Kinder der Ganztagsklasse hätten immer die gleichen Ansprechpartner und würden sich - zumindest in Zeiten der Pandemie- immer im gleichen Raum befinden. Die Gaki-Kinder, wie Simonetti sie nennt, seien „ausgeglichener, ruhiger und zufriedener“. Sie spricht von einem „Hand-in-Hand Arbeiten“ zwischen der Schule und dem offenen Ganztag, da es für die Kinder der Ganztagsklasse keine Grenze zwischen der Schule und der Betreuung gebe.

Wird aus dem Pilotprojekt ein dauerhaftes Angebot?

Diesen positiven Eindruck der Ganztagsklasse teilt auch Christine Jücker, Schulleiterin der Overbergschule. „Die Kinder kommen total gerne in die Schule und sind super zufrieden“, sagt sie.

Ganztagsklassen gibt es schon an anderen Schulen im Kreis Unna: in Villigst-Schwerte und in Fröndenberg. „Als wir uns mit dem Schulträger Ganz Selm dazu entschieden haben, dass wir dieses Pilotprojekt durchführen wollen, haben wir uns erst einmal gefragt, wie das Konzept an dieser Schule aussehen könnte“, erzählt sie. Danach hätten sie sich verschiedene Schulen im Kreis Unna angeschaut, an denen es bereits Ganztagsklassen gebe. Die Eltern in Selm brauchten nicht lange überzeugt zu werden.

Platz für 24 von 28 angemeldeten Kindern

28 Anmeldungen hat es auf Anhieb für die Ganztagsklasse gegeben. 24 Kinder sind letztendlich genommen worden. „Die vier übrigen Kinder wurden auf die anderen zwei Klassen aufgeteilt“, sagt Jücker. Die begrenzte Anzahl sei darauf zurückzuführen, dass für diese Klasse mehr Räume und Personal nötig seien. „Das muss natürlich alles finanziert werden“, sagt die Schulleiterin.

Ob es im Schuljahr 2021/2022 eine weitere Ganztagsklasse geben wird, kann Christine Jücker zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. „Es ist wichtig, dass Ganz Selm und wir mehr Rückmeldung von den Eltern als auch von den Kindern bekommen. Deswegen sind zumindest die Eltern schon jetzt in die Evaluierung der Klasse involviert“, sagt sie.

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