Die Polizei musste Sonntagabend nach einer Auseinandersetzung zwischen einem Spaziergänger und dem Security-Dienst in den Auenpark kommen. Ausgangspunkt für den Streit war die Leinenpflicht vor Ort.

Selm

, 18.08.2020, 21:25 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Auenpark in Selm ist es am Sonntag (16. August) zu einer Auseinandersetzung gekommen: Mitarbeiter von dem von der Stadt engagierten Sicherheitsdienst und ein Spaziergänger gerieten dabei aneinander. Auch die Polizei war vor Ort. Was genau ist passiert?

Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung war wohl, dass der Spaziergänger den Hund, mit dem er unterwegs war, nicht angeleint hatte. Der 52-jährige Selmer sagt im Gespräch mit der Redaktion, er sei von dem Security-Dienst-Mitarbeiter harsch dazu aufgefordert worden, den Hund anzuleinen. Als er sich weigerte, habe der Mitarbeiter versucht, ihn am Weitergehen zu hindern, habe ihn bedroht, am Shirt und am Arm festgehalten, woraufhin der Spaziergänger die Polizei rief, wie er sagt.

Dieser Schilderung der Ereignisse widerspricht Jörg Hausner vehement. Sein Sicherheitsunternehmen JH Security Selm ist von der Stadt im Auenpark eingesetzt. Jörg Hausner sagt im Gespräch mit der Redaktion, dass einer seiner Mitarbeiter den Spaziergänger angesprochen und freundlich auf die Leinenpflicht hingewiesen habe. „Er ist aber sofort aggressiv geworden und hat meine Mitarbeiter beleidigt“, sagt er. Von dem Spaziergänger sei dann die Auseinandersetzung ausgegangen, er habe seinen Mitarbeiter den Ellenbogen in die Rippen gestoßen und geschubst, sagt er. Und es sei sein Mitarbeiter gewesen, der dann als erstes die Polizei gerufen habe.

Polizei hat zwei Anzeigen aufgenommen

Welche Version stimmt? Das müssen jetzt die Ermittlungen der Polizei ergeben. Fakt ist, so bestätigt es Polizeisprecherin Vera Howanietz auf Anfrage der Redaktion, dass Beamte am Sonntag gegen 21.30 Uhr in den Auenpark gerufen wurden. Und dass von beiden Seiten Anzeigen aufgegeben wurden. Wegen Körperverletzung. Die Stadt als Auftraggeber des Sicherheitsdienstes äußert sich deswegen nicht zu den Einzelheiten des Vorfalls - mit Verweis auf das noch laufende Verfahren.

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Zum Ausgangspunkt des Streits - zur Leinenpflicht - erklärt Stadtsprecher Malte Woesmann allerdings, dass sie im Auenpark durchaus bestehe. Das besage nicht nur die Ordnungsbehördliche Verordnung über die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung auf Verkehrsflächen und in Anlagen im Gebiet der Stadt Selm, sondern auch das Landeshundegesetz. Er zitiert: „Hunde sind an einer zur Vermeidung von Gefahren geeigneten Leine zu führen in der Allgemeinheit zugänglichen, umfriedeten Park-, Garten- und Grünanlagen einschließlich Kinderspielplätzen mit Ausnahme besonders ausgewiesener Hundeauslaufbereiche.“

In diesem Gesetz steht auch, dass darauf nicht gesondert auf Schildern hingewiesen werden muss. So ist es auch im Auenpark. Auch deshalb, so sagt es der Spaziergänger im Gespräch mit der Redaktion, sei ihm nicht klar gewesen, dass er seinen Hund an der Leine hätte führen müssen.

Schilder sollen im Auenpark aufgestellt werden

„Schilder, auf denen die Verhaltensregeln (unter anderem Leinenzwang) im Auenpark beschrieben sind, werden trotzdem in Kürze aufgestellt. Diese waren bereits bestellt“, erklärt Woesmann dazu.

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Der 52-jährige Spaziergänger sagt aber noch, dass er sich auch gerne an die Pflicht gehalten hätte, wenn der Security-Dienst ihn „vernünftig“ darauf hingewiesen hätte. Nach dem Vorfall in dem dunklen Park, bei dem er sich von dem Mitarbeiter richtig bedroht gefühlt habe, habe er in der Nacht kein Auge zugetan, erzählt er. Jörg Hausner sagt hingegen, dass sein Mitarbeiter freundlich gewesen sei - wie bei den circa 20 weiteren Hinweisen auf die Leinenpflicht, die die Security seit den sechs Wochen, die sie im Auenpark im Einsatz ist, schon gegeben habe. „Wir wollen für Sicherheit und Ordnung sorgen“, sagt er. Es liege nicht im Interesse seines Unternehmens, Unruhe zu stiften.

Vandalismus und Videoüberwachung im Auenpark

Der Security-Dienst im Auenpark ist dort von der Stadt eingesetzt, weil es dort von Anfang an schon mehrmals Probleme mit Vandalismus gegeben hat.

Zuletzt hatten Unbekannte Schäden am damals gerade frisch eröffneten Klettergerüst auf dem Spielplatz im Auenpark verursacht. Mit großem Kraftaufwand hatten sie Kletterseile und Verankerungen gelöst - Unfälle hätten schlimm enden können. Das Klettergerüst musste von der Stadt kurzzeitig gesperrt werden, jetzt ist es wieder repariert.

Ihrem Ärger über Vandalismus-Fälle wie diesen haben viele Selmer in Leserbriefen an die Ruhr Nachrichten oder bei Facebook zum Ausdruck gebracht. Dass es auf dem Gelände deshalb eine Videoüberwachung geben soll, steht auch schon lange fest. Allerdings ist sie noch nicht in Betrieb, wie Malte Woesmann auf Anfrage erklärt: „Die Vorrichtungen zur Installation der Kameras sind erfolgt. Der Auftrag für die Beschaffung und Installation der Kameras ist erteilt. Wann die Kameras installiert werden, ist zurzeit noch offen.“

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