Polizeihunde haben in Selm nichts erschnüffelt

Bandidos-Prozess

Kein Rauschgift, keine Geldbündel, keine Handgranaten. Nichts von alldem haben Jippie, Atze und Manni bei der Großrazzia im Mai 2015 beim Angeklagten in Selm gefunden. Darauf bestand Rechtsanwalt Michael Budde am Dienstag in seinem Plädoyer im Bandidos-Prozess. Er fordert den Freispruch für den Selmer Bandido.

SELM/MÜNSTER

21.06.2016 / Lesedauer: 2 min

Michael Budde, einer der drei Verteidiger des 46-jährigen Selmers, bezog sich in seinem über dreistündigen Plädoyer auf den Einsatz des Drogenspürhunds Jippie, des Geldspürhunds Atze und des Sprengstoffspürhunds Manni. Weder in der Wohnung noch in der Halle des Selmer Rockers hätten die Polizeihunde etwas erschnüffelt.

Deshalb, so der Anwalt, seien die Vorwürfe gegen seinen Mandanten haltlos. Die bei der Durchsuchung gefundenen Chemikalien dienten allesamt der Fahrzeugpflege und nicht zur Herstellung von Amphetamin. Die Anschuldigungen stützten sich allein auf die Aussagen des Kronzeugen. Sie seien aber unglaubwürdig und widersprüchlich.

Freispruch für den Selmer

Akribisch ging Michael Budde die polizeilichen Vernehmungen des Kronzeugen und dessen Aussagen vor der Strafkammer durch und wies Punkt für Punkt deren Schwachpunkte auf. Sie hielten nicht den vom Bundesgerichtshof geforderten Ansprüchen stand, um damit eine Anklage zu begründen. Vielmehr habe die Staatsanwaltschaft alle Unebenheit weggebügelt. Und das Gericht habe zudem die Aufklärung von Ungereimtheiten im Zeugenschutzprogramm und die Anhörung eines Entlastungszeugen verwehrt. Am Ende forderte Budde einen Freispruch für den Selmer.

Freisprüche für ihre Mandanten beantragten auch die Rechtsanwälte Georg-Heinrich Pott und Lars Volkenborn, die die beiden holländischen Angeklagten verteidigen. Ihnen wirft die Anklage unter anderem den Betrieb von Marihuana-Plantagen vor. Auch Pott und Volkenborn bezeichneten den Kronzeugen als Lügner. Die Behörden hätten sich von ihm täuschen lassen, weil sie ihm nur zu gern alles glauben wollten.

Beweisaufnahme wieder öffnen

Rechtsanwalt Frank Gladisch beantragte sogar, die Beweisaufnahme wieder zu öffnen, um doch noch den Entlastungszeugen sowie einen Polizeikommissar zu hören. Damit wolle er beweisen, dass der Kommissar diesen Zeugen im Auftrag des Staatsanwalts unter Druck gesetzt habe, damit der seine Aussagebereitschaft zurückzieht.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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