Polizist sagt als Zeuge aus: „So einen schönen Fingerabdruck finden wir selten“

rnNach Raub in Selm

Im Oktober wurde ein Rentner in seinem Haus an der Lange Straße überfallen und ausgeraubt. Vor Gericht wurde nun klar, wie die Polizei dem Hauptverdächtigen auf die Spur gekommen ist.

Selm

, 18.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Nach dem Überfall hatten die Täter den 73-jährigen Rentner gefesselt und hilflos auf dem Boden liegend zurückgelassen. Dem Senior war es jedoch schnell gelungen, sich zu befreien und die Polizei zu alarmieren. Den herbeigerufenen Beamten erzählte er sofort, was er erlebt hatte. Und gab dabei wahrscheinlich auch den entscheidenden Tipp weiter.

Tipp kam vom Opfer

Der Selmer hatte nämlich beobachtet, dass einer der Räuber den im Wohnzimmer stehenden Nachtspeicherofen angefasst und kurz nach vorne gekippt hatte. „Das klang für uns schon sehr merkwürdig“, erinnerte sich einer der Polizisten am Donnerstag als Zeuge vor dem Dortmunder Landgericht. Zusammen mit seinem Kollegen wiederholte er sofort den Vorgang und suchte die glatte Oberfläche des Ofens auf Spuren ab. Volltreffer.

„Wir konnten an der Heizung eine sehr gute Fingerabdruck-Spur sichern“, sagte der Polizist weiter. „So einen schönen Fingerabdruck finden wir wirklich selten.“ Und dass die Spur dann auch noch für einen Treffer in der Straftäter-Datei im Polizeicomputer sorgte, war das Tüpfelchen auf dem i. Der Angeklagte ist nämlich vorbestraft und daher schon erkennungsdienstlich gespeichert.

Kein Geständnis zu erwarten

Zugeben will der 32-Jährige seine Beteiligung an dem Überfall dennoch nicht. „Mein Mandant wird schweigen“, hatte Verteidiger Jan-Henrik Heinz schon zu Prozessbeginn gesagt. Und daran änderte sich auch am zweiten Verhandlungstag nichts. Heinz versuchte vielmehr, Alternativen zu kreieren, wie der Fingerabdruck auf legalem Weg auf den Heizkörper gekommen sein könnte. Richtig überzeugt schienen die Richter jedoch nicht.

Und auch die Tatsache, dass in der ganzen übrigen Wohnung keinerlei weitere Spuren des 32-Jährigen gefunden wurden, hat offensichtlich nichts zu bedeuten. „Wir haben ja auch nicht überall gesucht“, sagte der Polizist offen. Auf vielen Oberflächen sei es ihm und seinen Kollegen sogar völlig unmöglich, Fingerabdrücke zu sichern. „Deshalb gehen wir wirklich nur da ran, wo wir Aussicht auf Erfolg haben“, so der Polizist. Und er gab zu: „Hätte es den Hinweis des Rentners nicht gegeben, hätten wir doch niemals einen Heizkörper nach vorne gekippt und nach Fingerabdrücken untersucht.“

Opfer starb sieben Wochen nach der Tat

Tatsache ist, dass der Rentner zwar den Überfall überlebte, dabei aber seinen Lebensmut fast vollständig einbüßte. „Er war nicht mehr derselbe“, erinnerte sich sein Sohn vor dem Dortmunder Landgericht. Nur sieben Wochen nach der Tat starb der Rentner. Wohl aber nicht an den direkten Folgen des Überfalls. Ansonsten müsste sich der Angeklagte wegen Mordes vor Gericht verantworten.

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