Psychische Beratungsstellen in Corona-Zeiten: Wo gibt es Hilfe?

Corona-Krise

Kontaktverbote, Quarantäne, die dringende Bitte an alle Menschen, einfach mal Zuhause zu bleiben: Da fällt Alleinstehenden schnell die Decke auf den Kopf. Wer hilft in der Einsamkeit?

Selm

, 01.04.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Telefonberatungen bieten nach wie vor Hilfe an - in Coronazeiten auch mit Handschuh.

Telefonberatungen bieten nach wie vor Hilfe an - in Coronazeiten auch mit Handschuh. © picture alliance/dpa

Gerade für Alleinstehende kann das Gefühl des Eingesperrtseins zur Qual werden. Kommen Sorgen hinzu, weil die berufliche Existenz gefährdet ist, kann der Kajütenkoller zu psychischen Problemen führen. In normalen Zeiten gibt es zig Beratungsstellen und Anlaufstationen - doch wie sieht das in Zeiten von Corona aus? In Selm eher düster.

Ein Anker für Menschen mit Problemen ist nach wie vor die bundesweit tätige Telefonseelsorge. Die ist inzwischen nicht nur unter den kostenfreien Telefonnummern (0800) 111 0 111 oder (0800) 111 0 222 sowie die 116123 erreichbar, sondern auch über Email und Chat, erreichbar über die Adresse www.telefonseelsorge.de. Die Sprechstunden in Dortmund müssen derzeit jedoch ausfallen.

Kirchen als Ansprechpartner

Auch die Kirchengemeinden vor Ort haben ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte ihrer Gemeindeglieder. Sowohl die katholischen Pfarrer und Seelsorger als auch die evangelischen Pastöre stehen am Telefon als Ansprechpartner zur Verfügung. „Auch die Mitarbeiter der Diakonie kümmern sich weiter“, sagt Pfarrerin Antje Wischmeyer. Sie selbst ruft in diesen Tagen verstärkt Gemeindeglieder an, „aber ich stelle fest, dass die untereinander ganz gut vernetzt sind. Die Mitglieder der Frauenhilfe rufen sich gegenseitig an. Da sorgt man untereinander füreinander“, freut sich Wischmeyer über den Zusammenhalt.

Dennoch merkt die Pfarrerin, dass ein erhöhter Redebedarf bei Gemeindegliedern besteht. „Die freuen sich alle über Anrufe, viele haben auch Sorgen. Die Älteren hingegen sehen das ganz locker, nehmen es hin und meinen, das wird schon wieder.“ Und noch etwas konnte Antje Wischmeyer erfreut zur Kenntnis nehmen: „Viele Senioren haben mittlerweile Smartphones und lassen sich von Enkeln am Telefon erklären, wie sie WhatsApp noch besser nutzen können. Das ist schon toll.“

Viele Beratungsstellen geschlossen

Auf katholischer Seite stehen ebenfalls die Seelsorger zur Verfügung. Sind sie nicht erreichbar, rufen sie zeitnah zurück. „Wir können schon viel in unserem Seelsorgeteam abdecken, vermitteln aber auch beispielsweise zur Hospizgruppe Selm-Olfen, die Trauerbegleitung macht, oder haben eine Liste von Erste-Hilfe-Nummern, wenn wir an unsere Grenzen stoßen.“ Doch auch Corona sei nur eine Krise - und grundsätzlich sei das Team für Krisenbegleitung ausgebildet. „Wir sind der Situation also grundsätzlich gewachsen“, sagt der Leitende Pfarrer Claus Themann, der in seiner Gemeinde keinen höheren Gesprächsbedarf erkennt.

Die Stadt hat weder Sorgentelefon noch Selbsthilfegruppe. Hilfe kommt jedoch von den Schicksalshelfern, wenn jemand unter Quarantäne Einkäufe benötigt. Im Homeoffice sind nahezu alle Mitarbeiter der Familienbildungsstätte und des Hauses Nienkamp 28.

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