Samer Alchoufi: Erfolgreiche Integration durch Kunst

Syrischer Künstler

Die Geschichte von Samer Alchoufi ist eine der außergewöhnlichsten Flüchtlings-Geschichten. Am Dienstag eröffnete der 45-jährige Künstler eine Ausstellung im Borker Amtshaus mit eigenen Werken und stellte sie auf Deutsch vor. Mit Hilfe seiner Gemälde verarbeitet der Syrer seine Erfahrungen - und das ziemlich erfolgreich.

BORK

, 01.12.2015 / Lesedauer: 3 min
Samer Alchoufi: Erfolgreiche Integration durch Kunst

Samer Alchoufi erklärte mit Worten und Gesten, was die Bilder für ihn bedeuten und was sie zeigen sollen.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Flüchtlings-Künstler stellt im Amtshaus aus

Ausstellungseröffnungen im Amtshaus Bork sind oft kleine Termine mit wenig Publikum. Diese war anders: Samer Alchoufi zeigt dort seit Dienstag seine Werke, die er in den vergangenen zweieinhalb Jahren in Selm geschaffen hat. Er ist Flüchtling und lebt mit seiner Familie in einer Wohnung in Bork. Die Geschichte der Alchoufis ist ein Musterbeispiel für gelungene Integration. Ein Fingerzeig: Rund 70 Menschen kamen zur Vernissage.
01.12.2015
/
Samer Alchoufi erklärt Diana Post (l., Schulleiterin der Sekundarschule) und Monika Heitmann (Asylkreis Bork) eines seiner Werke.© Foto: Tobias Weckenbrock
So voll ist es im Obergeschoss des Amtshauses so gut wie nie: Zur Ausstellungseröffnung von Samer Alchoufi kamen rund 70 Besucher.© Foto: Tobias Weckenbrock
Samer Alchoufi ist Künstler - und als solcher erläuterte der 45-Jährige den Gästen seine Arbeiten.© Foto: Tobias Weckenbrock
Dabei kamen sowohl Kunstinteressierte als auch Menschen aus dem Umfeld der Alchoufis zur Feier zusammen. Sie bewunderten, was der Künstler und seine Familie geschafft haben.© Foto: Tobias Weckenbrock
Ein Werk mit viel Selmer Bezug: Samer Alchoufi sagt, es handle sich um das frühere, das heutige und das Selm der Zukunft. Zu erkennen ist die Bergleute-Statue (links), der Barbarossakopf, das Schloss Cappenberg (rechts), das Bürgerhaus - Selm ist die neue Heimat von Familie Alchoufi.© Foto: Tobias Weckenbrock
Weiße Tauben, die den Frieden symbolisieren, und die Häuser von Damaskus: Das ist der Traum von Samer Alchoufi und vielen Syrern. Der Krieg soll endlich enden.© Foto: Tobias Weckenbrock
Auch die Söhne von Samer Alchoufi waren zugegen und stolz auf den Papa. Sie gehen in Selm zur Schule und sprechen deutsch, als hätten sie nie etwas anderes gelernt.© Foto: Tobias Weckenbrock
Samer Alchoufi erklärte mit Worten und Gesten, was die Bilder für ihn bedeuten und was sie zeigen sollen. Es sind auch Möbelstücke dabei, die er restauriert und bemalt hat - so wie er es schon in Damaskus tat.© Foto: Tobias Weckenbrock
Samer Alchoufi erklärte mit Worten und Gesten, was die Bilder für ihn bedeuten und was sie zeigen sollen. Es sind auch Möbelstücke dabei, die er restauriert und bemalt hat - so wie er es schon in Damaskus tat.© Foto: Tobias Weckenbrock
Samer Alchoufi erklärte mit Worten und Gesten, was die Bilder für ihn bedeuten und was sie zeigen sollen. Es sind auch Möbelstücke dabei, die er restauriert und bemalt hat - so wie er es schon in Damaskus tat.© Foto: Tobias Weckenbrock
Auch dieses Tryptichon stammt aus der Hand des Künstlers Alchoufi: Drei Leinwände, die ein Ganzes ergeben, gespickt mit Buchstaben der deutschen Sprache und der Arabischen.© Foto: Tobias Weckenbrock
Auch dieses Tryptichon stammt aus der Hand des Künstlers Alchoufi: Drei Leinwände, die ein Ganzes ergeben, gespickt mit Buchstaben der deutschen Sprache und der Arabischen.© Foto: Tobias Weckenbrock
Auch dieses Tryptichon stammt aus der Hand des Künstlers Alchoufi: Drei Leinwände, die ein Ganzes ergeben, gespickt mit Buchstaben der deutschen Sprache und der Arabischen.© Foto: Tobias Weckenbrock
Auch dieses Tryptichon stammt aus der Hand des Künstlers Alchoufi: Drei Leinwände, die ein Ganzes ergeben, gespickt mit Buchstaben der deutschen Sprache und der Arabischen.© Foto: Tobias Weckenbrock
Auch dieses Tryptichon stammt aus der Hand des Künstlers Alchoufi: Drei Leinwände, die ein Ganzes ergeben, gespickt mit Buchstaben der deutschen Sprache und der Arabischen.© Foto: Tobias Weckenbrock
Samer Alchoufi erklärt Diana Post (l., Schulleiterin der Sekundarschule) und Monika Heitmann (Asylkreis Bork) eines seiner Werke.© Foto: Tobias Weckenbrock
Samer Alchoufi erklärt Diana Post (l., Schulleiterin der Sekundarschule) und Monika Heitmann (Asylkreis Bork) eines seiner Werke.© Foto: Tobias Weckenbrock
Schlagworte Bork

70 Menschen kamen – das ist so viel wie bei keiner Amtshaus-Ausstellung in den vergangenen Jahren. Dabei war es schon die zweite Ausstellung, die Samer Alchoufi in Selm veranstaltet. Im August zeigte er einige seiner Arbeiten im Bürgerhaus, damals blieb der Rahmen allerdings noch recht klein. Dienstag war es anders. Menschen aus den Asylkreisen Bork und Selm, Freunde, Nachbarn, die Spitze der Selmer Stadtverwaltung, Kulturinteressierte – der Flur im Obergeschoss des Amtshaus-Altbaus ist sonst wohl nur bei großen Hochzeiten so voll.

Hoffnung auf Frieden

Und Samer Alchoufi wollte gar nicht mehr aufhören zu reden: Er zeigte seine Werke, er erläuterte sie, wie ein Künstler das bei einer Vernissage tut. Auf Deutsch. Bilder aus der Heimat zeigen enge Gassen von Damaskus, Häuser, dicht an dicht. Ein Bild mit Friedenstauben in der Stadt: „Ich habe die Tauben und die Häuser zusammen gemalt“; sagt er. „Auf ein Bild.“ Es sei seine Hoffnung: Frieden in der Heimat.

Die Heimat verließ Alchoufi 2012, weil durch den Krieg die Sorge um seine Familie, seine Frau Samira, seine Kinder groß war. Er arbeitete dort als Restaurator, der Möbel auch bemalte – zum Beispiel stattete er das italienische Konsulat aus. „Er transportiert seine Erinnerungen an sein Land hierher und verarbeitet auch die Erfahrungen, die er auf der Flucht und hier gemacht hat“, erklärt Manon Pirags, stellvertretender Leiterin der Volkshochschule.

"Ein Musterbeispiel für Integration"

„Familie Alchoufi ist ein Musterbeispiel für Integration“, sagt die städtische Beigeordnete Sylvia Engemann, die die Eröffnung der Ausstellung selbst übernimmt. „Die Familie meistert das toll“, so Engemann. Mit Unterstützung der Asylkreise. Inzwischen hat die Familie eine Wohnung in Bork. Die Kinder gehen zur Schule. Samira geht halbtags, Samer praktisch ganztags arbeiten: Er unterstützt andere Menschen bei der Integration.

Was aus den Alchoufis selbst wird, weiß man nicht. Vater, Mutter, vor allem die Kinder – alle sprechen sehr gut Deutsch. „Sie verfügten schon vorher über internationale Kontakte“, so Pirags. „Insofern sind sie privilegiert.“ Die Liebe zu und die Sehnsucht nach Damaskus sind Alchoufi bei dieser Vernissage, bei seinen Beschreibungen der Bilder, deutlich anzumerken. Wenn dort einmal wieder Frieden herrscht...

Lesen Sie jetzt