Schloss Cappenberg

Sanierung fast abgeschlossen: Bald öffnet das Schloss Cappenberg wieder

Deutlich später als ursprünglich geplant öffnet das Schloss Cappenberg bald wieder für die Öffentlichkeit. Nach fünf Jahren Bauzeit sollen im Frühjahr 2022 wieder Ausstellungen laufen.

Die Tür zum Schloss steht am Mittwochnachmittag offen. Ein ungewohntes Bild – zumindest in den letzten fünf Jahren. So lange schon wird das geschichtsträchtige Gebäude in Cappenberg umgebaut. Bald ist alles fertig – und die Schlosstür wird der Öffentlichkeit wieder regelmäßig offen stehen. Eine Nachricht, die vor allem Kulturfreunde der Region aufhorchen lassen wird: Ab Frühjahr 2022 sollen im Schloss nach der langen Pause wieder Ausstellungen laufen können.

Er freue sich sehr darüber, sagte am Mittwoch (8. September) Schlossherr Graf Sebastian von Kanitz in die Richtung von Landrat Mario Löhr und LWL-Direktor Matthias Löb: Zusammen hatten sie zu einem Rundgang durch die renovierten Räume geladen. Der LWL und der Kreis Unna sind ja Mieter beziehungsweise Untermieter des Schlosses. Die Verträge dazu waren im November 2015 erneuert worden – für eine Laufzeit von 20 Jahren. Kreis Unna und LWL kümmern sich – wie auch schon in den Jahren davor – um die „museale Ertüchtigung“ des Schlosses.

Fertigstellung hatte sich immer weiter nach hinten geschoben

In den ersten Jahren nach der Vertragsunterzeichnung lag der Kulturbetrieb im Schloss aber brach: Seit 2016 ist es für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich, im Herbst hatten Sanierung und Umbau begonnen. Eigentlich sollten die Arbeiten bis 2017 abgeschlossen sein. Aus diesem ursprünglichen Plan ist offensichtlich nichts geworden. Immer wieder war die Öffnung des Schlosses Jahr und Jahr verschoben worden.

Bei so einem alten Gebäude, so sagt es Sebastian Graf von Kanitz im Gespräch mit der Redaktion, sei es nun mal so, dass bei den Arbeiten viele Überraschungen zutage treten, die man so vorher nicht auf dem Plan hatte. Das bestätigt auch Thomas Richter, Projektleiter für die Umbauarbeiten, mit einem wissenden Lächeln. „Das ist im Denkmal normal“, sagt er.

Die Decken im Schloss sind einen Meter dick – dort einen Aufzug einzubauen, sei eben nicht so einfach gewesen wie in einem Neubau. Zumal „jedes Detail“ mit dem Denkmalbehörde abgesprochen werden musste. Und alle Beteiligten großen Wert darauf gelegt haben, das Gebäude zu sanieren, aber eben auch nicht zu sehr zu verändern, sondern seinem historischen Charakter zu erhalten.

Ausstellungen bald barrierefrei zugänglich

Wichtig war dabei vor allem dem LWL ein barrierefreier Zugang, den es durch den Aufzug jetzt gibt. Man könne heutzutage kein Museum mehr betreiben, das nicht auch Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung besuchen können.

Neu ist auch ein Treppenhaus, das sich behutsam in die Schlosskulisse fügt. Böden, Putz, Farbe, Fassade, Sanitäranlagen, Klimageräte – viel ist erneuert, angeschafft oder aufgearbeitet worden in den vergangenen fünf Jahren. Viel auch, das man gar nicht unbedingt sieht. Alle Kabel zum Beispiel seien neu, sagt Thomas Richter. „Wenn man nach der Sanierung historischer Gebäude keine großen Veränderungen sieht, dann ist man zufrieden“, erklärt er.

Insgesamt 4,5 Millionen Euro hat die Sanierung insgesamt gekostet. Den Großteil davon hat die Familie von Kanitz getragen. 600.000 Euro hat der Kreis Unna dazu beigetragen, 600.000 Euro der LWL. „Wir sind sehr dankbar“, sagte Landrat Mario Löhr, dass die Familie von Kanitz so viel hineingesteckt hat in das „Highlight“ im Kreis Unna, das ihm als Selmer natürlich besonders am Herzen liege.

Sorge, dass die Schlosstüren nicht wieder öffnen würden, hätte er nie gehabt – auch wenn der Zeitplan sich immer weiter nach hinten verschoben habe. „Ich weiß ja: Wenn der Graf etwas anpackt, dann macht er das auch ganz genau“, so Mario Löhr.

Freiherr vom Stein-Ausstellung und Kunst von Heinrich Graf Luckner

Ab 2022 wird der Kreis Unna im Schloss Cappenberg wieder wechselnde Kulturausstellungen zeigen. Los geht es im März mit einer Ausstellung, die dem Künstler Heinrich Graf Luckner gewidmet ist. Das liegt nahe: Von diesem Maler (1891 bis 1970) stammt auch die Wandbemalung in dem Raum des Schlosses, von dem aus es auf den großen Balkon des Schlosses geht. „Er war ein Freund meines Großvaters“, erklärt Sebastian Graf von Kanitz am Mittwoch, während er genau in jenem Raum steht. Eine Figur auf der Wand, so erzählt er, zeige sogar seinen Großvater.

Auch das Thema der anderen Ausstellung, so sagt es der Graf, liege ihm sehr am Herzen: Die Dauerausstellung des LWL dreht sich um den bekannten Staatsmann und Reformer Freiherr vom Stein – ein Vorfahre des jetzigen Schlossherren. Zumindest indirekt kam er bei der Führung am Mittwoch auch zu Wort. Sebastian Graf von Kanitz zitierte seinen Urahnen im frisch sanierten Stein-Saal des Schlosses, in dem an der einen Wand ein Gemälde Kaiser Otto und die Schlacht von Ungarn zeigt, das auf der anderen Wand den Tod Barbarossas: „Indem ich meinen Saal mit Darstellungen großer Momente aus der vaterländischen Geschichte zu verzieren mich entschloss, so beschränkte sich meine Absicht nicht auf meinen individuellen Genuss, der ist in meinem Alter doch nur sehr vorübergehend. Ich wünschte durch eine solche Ausstellung auf das Gemüt der neugierigen Besucher und der Bewohner des Hauses zu wirken und den Geschmack der reichen Familien dieses Landes bei ihren größeren Anlagen von der Frivolität des gewöhnlichen, wenn gleich kostbaren Ameublements auf das Edlere und dauerhaft Schöne der Kunstwerke zu lenken.“

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Ich mag Geschichten. Lieber als die historischen und fiktionalen sind mir dabei noch die aktuellen und echten. Deshalb bin ich seit 2009 im Lokaljournalismus zu Hause.
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Marie Rademacher