Sanierung von Schloss Cappenberg verzögert sich

Eröffnungstermin unklar

Ein Jahr ist vergangen, seit auf Schloss Cappenberg die letzte Ausstellung zu sehen war. Danach sollten eigentlich die Handwerker Einzug halten, um dringend nötige Sanierungsarbeiten zu erledigen. Doch daraus wurde bisher nichts. Die Arbeiten verzögern sich immer weiter. Wir erklären, wieso.

CAPPENBERG

von Kevin Kohues

, 26.08.2016, 16:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sanierung von Schloss Cappenberg verzögert sich

Das Schloss Cappenberg von oben: Wann in den Räumen wieder Ausstellungen zu sehen sein werden, ist derzeit unklar.

Die für Anfang 2017 avisierte Wiedereröffnung der größten kulturellen Perle des Kreises Unna ist längst Utopie. Es gibt Verzögerungen, die mit der komplexen Gemengelage zwischen dem Eigentümer und den beiden Mietparteien zusammenhängen – und mit der Tatsache, dass es sich bei dem barocken Schloss um ein denkmalgeschütztes Gebäude handelt.

Schon die Verhandlungen über einen neuen Mietvertrag zwischen dem Eigentümer Sebastian Graf von Kanitz und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Hauptmieter sowie dem Kreis Unna als Untermieter hatten sich lange hingezogen, kamen aber im vergangenen Jahr zu einem Abschluss.

"Äußerst komplexen Spannungsfeld"

Über Streitpunkte aus dem alten Vertrag hatte man sich geeinigt, die Mietparteien stellten jeweils 600.000 Euro in ihre Haushalte ein, um Instandhaltungsarbeiten vor allem an der Fassade zu finanzieren, die aus einer alten Vertragsklausel resultierten. Im neuen Vertrag, der eine geringere Ausstellungsfläche und geringere Mietkosten vorsieht, ist die Instandhaltung Sache des Eigentümers – beide Seiten waren seinerzeit zufrieden.

Doch die Sanierungs- und Umbauarbeiten, im Zuge derer die Ausstellungsräume unter anderem barrierefrei erreichbar werden sollen, haben noch immer nicht begonnen. Nach den Gründen gefragt, spricht Kreisdirektor und Kulturdezernent Thomas Wilk von einem „äußerst komplexen Spannungsfeld“. Die baufachliche Koordination erfordere einen deutlich höheren Aufwand als gedacht.

Erhebliches Abstimmungsproblem 

Wilk berichtet im Gespräch mit unserer Redaktion, dass es mindestens einmal im Monat Baubesprechungen gebe. Dazu treffe sich regelmäßig eine Projektsteuerungsgruppe. Ihr gehören der Graf, sein Verwalter und sein Architekt an, dazu Vertreter des Hauptmieters LWL sowie für den Kreis Unna Wilk und Baudezernent Detlef Timpe.

Letzterer berichtete am Donnerstag im Kreisausschuss für Bildung und Kultur von „erheblichen Abstimmungsproblemen“ hinsichtlich der Fragen, wer den „Hut auf“ habe und die Aufträge erteile. „Es ist im Kern ein organisatorisches Problem, das sage ich ohne Wertung und Schuldzuweisung“, so Timpe.

Denkmalrechtliche Genehmigungen erforderlich

Als klassischer Untermieter sei der Kreis das letzte Glied in der Kette, sagt Wilk, die Möglichkeiten der Einflussnahme seien entsprechend begrenzt. Der Bauantrag für ein sogenanntes „Sonderbauvorhaben“ ist bereits im Februar genehmigt worden. Die Ausschreibungen für den Einbau neuer Fenster, Fußböden oder die neue Fassade sind vorbereitet, doch es brauche für alles eine denkmalrechtliche Genehmigung, so Wilk.

Und sämtliche Gewerke müssen den hohen Ansprüchen der musealen Nutzung gerecht werden. Als Beispiel nennt Wilk die Fenster. Die Anforderungen an die Klimastabilität würden seitens der Leihgeber immer höher. Auch der Einbau eines Aufzuges, der Besucher vom Sockelgeschoss bis ins erste Obergeschoss bringen soll, erfordert in einem Denkmal aufwendige Vorplanungen.

Eröffnung im Jahr 2017 unwahrscheinlich

Nicht zuletzt hoffen alle Beteiligten noch auf Fördergelder vom Land oder von Stiftungen, um die Kosten zu decken. Die Anträge sind gestellt, haben aber nur dann eine Chance auf Bewilligung, wenn die Arbeiten noch nicht begonnen haben.

Um die Abstimmungsprobleme zu lösen, haben sich die Parteien schon im März darauf verständigt, mit dem Architekturbüro Bock und Partner aus Coesfeld als Projektsteuerer externen Sachverstand mit Erfahrung hinzuzuziehen. Allerdings, räumt Timpe ein, habe auch diese Maßnahme bisher keinen Fortschritt gebracht.

Damit ist klar, dass es zu einer deutlichen Verzögerung bei der Wiedereröffnung kommen wird. Vom Frühjahr 2017 ist inzwischen keine Rede mehr, eher vom Herbst. Kreisdirektor Wilk sagt: „Es würde mich freuen, wenn wir 2017 öffnen können. Aber es gibt derzeit nicht viel, was dafür spricht."

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