Schafe in Selm unterwegs: Wanderschäfer zieht mit 400 Tieren an der Funne entlang

rnSchäfer in Selm

Wer derzeit von Selm nach Lüdinghausen fährt, dem bietet sich an der Kreuzung Hellweg ein inzwischen selten gewordenes Bild: Da grast eine Schafherde. Woher kommen die Schafe und wohin ziehen sie?

von Carina Strauß

Selm

, 08.02.2020, 17:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Spaziergänger an der Funne bleiben fasziniert stehen und zücken ihr Smartphone. Sie beobachten an der Kreuzung am Hellweg-Baumarkt zwischen Selm und Lüdinghausen, wie Schäfer Elias Konze aus Lünen zusammen mit seinem Vater seine Herde zusammentreibt. Blöckende Schafe, Ziegen und kleine Lämmchen, die in der großen Herde nach ihrer Mutter suchen, sammeln sich an dem Viehanhänger. Doch der ist nicht zum Transport der Herde gekommen. Die zieht am Freitag nur ein paar Meter weiter die Funne entlang.

„Die Schafe werden jeden Tag einmal umgezäunt. Manchmal sind es auch zwei Tage. Das kommt ganz darauf an, wie viel Futter zur Verfügung steht“, erklärt Elias Konze. Derzeit grasen die etwa 380 Mutterschafe zusammen mit ihrem Nachwuchs und einigen Ziegen die Wiesen entlang der Funne ab. Danach geht es weiter nach Vinnum und Olfen. „Je nachdem wie wir ziehen können.“

Die Schafe ziehen zunächst weiter die Funne entlang.

Die Schafe ziehen zunächst weiter die Funne entlang. © Carina Strauß

Das Wohl der Tiere steht im Vordergrund

Elias Konze ist ein Wanderschäfer. Das heißt, er wandert mit seinen Schafen von einem Weidegrund zum anderen. Wenn sie ihre Tiere weitertreiben, achten die Schäfer darauf, Hauptverkehrsstraßen nach Möglichkeit zu meiden. „Ich könnte natürlich auch den großen dreistöckigen LKW kommen lassen und die Herde von einem Ort zum anderen fahren lassen, aber das wäre für die Tiere Stress pur.“

Das Wohl seiner Tiere liegt Konze am Herzen und ist auch ein Grund, warum er die Nachfolge seines Vaters angetreten hat. Es sei die natürlichste Art, Tiere zu halten.

Mehr Toleranz wünschenswert

Doch das sehen einige Leute wohl anders. „Wenn ein totes Lamm auf der Weide liegt, ist man sofort ein Tierquäler. Aber das kann leider bei einer natürlichen Geburt schon mal passieren“, beschreibt Konze die ihm entgegengebrachten Vorurteile. „Und wenn ein Schaf humpelt, wird sofort von Moderhinke gesprochen. Unsere Schafe sind aber alle dagegen geimpft. Das Humpeln kommt durch das eiweißhaltige Gras.“, erklärt Konze. Dies sei eine Folge des warmen Wetters.

Konze würde sich insgesamt mehr Toleranz in der Bevölkerung wünschen. „Viele Spaziergänger lassen ihre Hunde ohne Leine laufen, die dann an die Schafe springen. Und dann heißt es der will doch nur spielen. Aber für die Schafe ist das Stress pur.“ Besonders schlimm sei das für die tragenden Mutterschafe, die durch Tritte sogar ihr Lamm verlieren könnten.

Schafe in Selm unterwegs: Wanderschäfer zieht mit 400 Tieren an der Funne entlang

© Carina Strauß

Aussterbender Beruf

Für Landwirt Bernhard Kertelge, dessen Wiesen die Schafe zuvor abgegrast hatten, ist die Durchreise der Herde nur von Vorteil: „Das Grünland bekommt dadurch wieder Tritt und das Gras kann besser anwachsen.“

Doch der Schäfer ist ein aussterbender Beruf. „Wir sind nur noch ca. 900 Berufsschäfer“, so Elias Konze. Die jungen Leute wollen nicht mehr. „Zu viel Arbeit, zu wenig Geld.“ Die Konkurrenz aus dem Ausland sei einfach zu groß.

Wären nicht schon sein Vater und Großvater diesem Beruf nachgegangen, hätte auch Konze diesen nicht ausgeübt. Aber so führt er die Tradition weiter, auch wenn es oft schwer ist.

Konze rechnet vor: „Im letzten Jahr habe ich 35 Cent für einen Kilo Wolle bekommen. Ein Schaf bringt circa drei Kilo Wolle. Da sind wir dann bei einem guten Euro. Ein Schaf zu scheren kostet aber ungefähr drei Euro.“ Für Konze also ein reines Verlustgeschäft.

Schafe in Selm unterwegs: Wanderschäfer zieht mit 400 Tieren an der Funne entlang

© Carina Strauß

Das Problem sei, dass die australische oder neuseeländische Wolle qualitativ hochwertiger sei. Hinzu kommt der niedrige Preis für das Lammfleisch. Für die großen deutschen Supermarktketten sei das ausländische Fleisch einfach deutlich günstiger.

Für Konze ein großes Problem. Denn er muss von dem Geld das er verdient eine Aushilfe bezahlen, sowie seine und die Familie seines Vaters ernähren.

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