Schlechte Absprache: Stress für Selmer Autohändler

Wegen der Umweltprämie

Neue Prämien für alte Dieselautos sollen Kunden die Sorgen vor dem Autokauf nehmen. Ein kleiner Lichtblick für verunsicherte Dieselauto-Besitzer. Für viele Selmer Autohändler bedeutete das allerdings riesigen Stress – bei der Absprache mit den Herstellern ist einiges schief gelaufen.

Selm

, 13.08.2017, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schlechte Absprache: Stress für Selmer Autohändler

Das Autohaus Horst fühlt sich bei den neuen Prämien für Dieselautos vom Fahrzeughersteller im Stich gelassen.

„Wir Händler vor Ort wussten mit als Letzte von der neuen Aktion“, sagt Eva Hoselmann vom Autohaus Horst.

Mit einer sogenannten „Umweltprämie“ wollen Autohersteller alte Dieselautos von der Straße bekommen und gleichzeitig neue Autos verkaufen. Dafür überbieten sich die Hersteller mit Angeboten, bei denen Kunden bis zu 10.000 Euro für ihren Diesel bekommen können. „Das Telefon klingelt ohne Ende“, sagt Christian Isermann, Verkäufer beim Autohaus Horst, das unter anderem Fahrzeuge von Volkswagen anbietet. Das Problem: Die Kunden wussten durch die Medien eher von den neuen Plänen Bescheid, als die Händler.

Nach der Präsentation der Pläne am Dienstag und dem Start der Aktion am Mittwoch, mussten sich die Angestellten die neuen Angebote nahezu selbst erarbeiten. Hilfe gab es durch eine E-Mail des Autoherstellers, doch da wussten die meisten längst aus den Medien von der Aktion.

Ähnlich lief es beim Autohaus Selm

Informationen durch den Hersteller habe es keine gegeben, sagt Serviceleiter Rolf Kerkemeier. Auch er erfuhr von der Umweltprämie durch die Medien: „Da wünscht man sich eine bessere Kommunikation.“

Sehr deutlich bekomme er dafür die Reaktionen der Kunden mit. „Man merkt die Verunsicherung deutlich“, sagt Kerkemeier. Die Verkaufszahlen seien rückläufig, die Fragen nach der Zukunftstauglichkeit der Autos hingegen steigen. „Ich kann im Moment nur empfehlen, abzuwarten“, so der Fachmann.

Das empfiehlt auch Service-Berater Thomas Köckling vom Kia-Autohaus Tuschmann. Dort gebe es zwar keine Prämie, allerdings bezweifelt er auch, ob sich die Prämie der Konkurrenz lohne. „Die Werte der Dieselautos gehen gerade stark in den Keller.“

Um bis zu 3500 Euro seien die gebrauchten Autos zum Teil im Wert gesunken – weil nicht klar ist, was Fahrer zukünftig noch mit Dieselautos dürfen und was nicht. Ob die Umweltprämien den Wertverlust ausgleichen, müsse von Fall zu Fall ausgerechnet werden. Wie sich der Wert der Autos entwickele, sei noch nicht absehbar.

Lichtblick für die Autohändler: Die Leute brauchen Alternativen

Ein mögliches Dieselverbot in Innenstädten, über das Städte künftig selbst entscheiden könnten, sei bei Verbrauchern ein allgegenwärtiges Thema. „Die Politik muss sich irgendwann mal entscheiden, damit Klarheit herrscht“, sagt Daniel Krampe, Inhaber des gleichnamigen Autohauses. Zumindest für Selm gibt Stadtsprecher Malte Woesmann zunächst Entwarnung. „Zurzeit ist ein mögliches Fahrverbot keine Option.“

Gleichzeitig gibt Daniel Krampe auch zu bedenken, dass es für Vielfahrer aus finanzieller Sicht kaum Alternativen gebe. „Für eine absehbare Zeit empfehle ich meinen Kunden noch Dieselautos, wenn es zu den Umständen passt“, so Kampe. Auf längere Sicht könne er keine Prognosen stellen.

Beim Renault-Autohaus Jahn ist zwar klar, dass es Umweltprämien geben soll, aber noch nicht, wie diese aussehen. Die Autohäuser Wenge und Reher konnten hingegen keine Auskunft geben. Positive Auswirkungen der ganzen Diesel-Debatte kann schon jetzt Oliver Klinkenbus vom Autohaus Rüschkamp spüren. Die Nachfrage nach Hybrid- und Elektrofahrzeugen steige – auch durch das sinkende Vertrauen in Dieselfahrzeuge.

Die Voraussetzungen für die Prämie
Um die neue „Umweltprämie“ der Autohersteller nutzen zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden:
Nur beim Kauf eines neuen Autos gilt die Prämie. Das alte Diesel-Fahrzeug darf maximal der Euro-4-Norm entsprechen. Sechs Monate muss das Auto mindestens auf ein Mitglied des Haushaltes zugelassen sein.

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