Schön schwanger: Geburtsvorbereitung in Selm

Angebot der Familienbildungsstätte

Da sollte man meinen, Frauen seien angespannt, wenn es auf die Zielgerade der Schwangerschaft geht. Denkste. Die Geburtsvorbereitungskurse der Familienbildungsstätte (FBS) Selm nehmen mögliche Ängste, bereiten die Frauen sehr gut auf die Geburt vor – und sind zudem noch unterhaltsam.

SELM

09.09.2017, 07:03 Uhr / Lesedauer: 3 min
Schön schwanger: Geburtsvorbereitung in Selm

Sind sie nicht schön, die angemalten Bäuche dieser drei Frauen? Kein Wunder, lautet doch der Titel des Geburtsvorbereitungskurses "Schön schwanger - schwanger, wie schön".

Zum Beispiel, wenn sich die Teilnehmerinnen gegenseitig die gewölbten Bäuche bemalen oder wenn Angehörige das tun. Wahre Kunstwerke entstehen dann. Eigentlich geeignet, für die Ewigkeit erhalten zu bleiben. Geht natürlich nicht. Aus natürlichen Gründen.

Was aber von diesen Kunstaktionen bleibt, ist zum einen, dass Hemmschwellen bei der Beschäftigung mit dem schwangeren Bauch gesenkt werden, zum anderen ist es auch die Leichtigkeit, mit der die Teilnehmerinnen miteinander umgehen.

Im Video: So geht spontanes Babywickeln in ungewohnten Situationen.

 

Ist das das einzige Geheimnis? Wahrlich nicht. Hebamme Stefanie Tüllmann und Heide-Marie Schmidt, pädagogische Mitarbeiterin der FBS, setzen auf ein Vorbereitungskonzept, das auf Vielfalt beruht. Und dessen Faktoren in der Summe dazu führen, „dass ich eine positive Vorfreude empfinde“, wie es Magda Böcker im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt. Bei einer Tasse Tee. Denn auch das gehört zum Kurs dazu: ein gemütliches Frühstück. Gemeinsamkeit: Das ist wichtig.

Jetzt lesen

Zustande gekommen seien die Geburtsvorbereitungskurse im Grunde genommen auf Initiative eines Fachmediziners, wie Heide-Marie Schmidt erläutert: „Der Chefarzt der Geburtshilfe am St.-Marien-Hospital Lünen, Dr. Donat Romann, hat mal gesagt, die Frauen seien vor, während und nach der Geburt insgesamt nur noch zwei Tage in der Klinik. Wenn dann noch Migrationshintergrund vorliege, könnten die Ärzte gar nicht mehr einschätzen, ob die Kinder gut zuhause versorgt werden.“ 

Frauen seien auch schon mal völlig unvorbereitet in den Kreißsaal gekommen. „Dann hat er uns gefragt, ob wir nicht auch was für diese Frauen tun können.“ Wobei die Kurse, die dann entstanden seien, gemischt sind. „Wir hatten Kurse mit acht Nationalitäten, wo syrische Frauen für albanische Frauen übersetzt haben“, erzählt Heide-Marie Schmidt. „Das ist auch gut so, denn so können sich Netzwerke bilden und Freundschaften entstehen.

Eine Atmosphäre der Wertschätzung

Der Reporterbesuch bei einem der Kurse bestätigt die Einschätzung der pädagogischen Mitarbeiterin der FBS: Die Frauen lachen miteinander, tauschen sich aus. Eine Atmosphäre der Wertschätzung. Die auch einer jungen Frau aus Nigeria, die nicht so gut Deutsch spricht, ermögliche, viel mitzunehmen. Erfahrungen zum Beispiel und praktische Anleitungen.

„Atemübungen auf der Matte, Geburtsvorlauf, Verhalten bei den Eröffnungswehen; das ist der Part der Hebamme Stefanie Tüllmann.“ Eine Stunde lang. Die nächste Stunde sei der Tee- und Infostunde gewidmet: „Da biete ich Informationen an, wie zum Beispiel, wie man ein Baby aufnimmt und es hinlegt.“ Die Frauen üben an einer Puppe. Inhaltliche Wünsche der Frauen nimmt Heide-Marie Schmidt auf.

Jetzt lesen

Klingt alles recht harmonisch. Und doch gibt es Frauen, die das Kind möglicherweise gar nicht gewollt haben. Auch sie können es irgendwann als schön empfinden, dass sie schwanger sind, sagt Heide-Marie Schmidt. Wie gelingt aber der Kontakt der FBS zu ihnen? „Wir erreichen ihn durch die Beratungsstelle des Sozialdienstes katholischer Frauen.“ Die Mitarbeiterinnen begleiten die Frauen zur FBS. Ein Netzwerk, das sinnvoll ist. Wie sonst sollten Frauen wissen, wer sie bei der Zeit vor der Geburt unterstützen kann?

Und Unterstützung finden die Frauen auf jeden Fall. Und zwar ab der 20. Schwangerschaftswoche bis kurz vor dem Geburtstermin. Heute zum Beispiel haben sich zwei Frauen vom Kurs abgemeldet. „Weil sie schon auf dem Weg in den Kreißsaal sind, sagt Heide-Marie Schmidt, und die anderen Frauen freuen sich riesig mit den beiden.

Mit Händen und Füßen und auf Englisch

Überhaupt gehen die Teilnehmerinnen sehr freundschaftlich miteinander um. Aber wie funktioniert die Verständigung, zum Beispiel mit Flüchtlingsfrauen? Mit Händen und Füßen und auf Englisch zum einen. Und sonst? Heide-Marie Schmidt: „Wir haben eine CD in vielen Sprachen.“

Zu besprechen gibt es viel. „Unser Kurs dauert sieben Woche und in dieser Zeit spreche wir alles durch, vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Wochenbett“, erzählt Hebamme Stefanie Tüllmann.

Und am Ende sind die Frauen gut vorbereitet für den großen Tag. „Ich hatte mich mit dem Thema Geburt vor dem Kurs noch gar nicht so beschäftigt. Jetzt bin ich vier Wochen vor dem Termin und weiß jetzt, warum es so lange dauert“, sagt Viktoria Bardmann. Sie und die anderen Teilnehmerinnen sind lebende Beispiel dafür, dass der Titel des Kurses passt: „Schön schwanger – schwanger, wie schön.“  

Auch abends
- Wenn Geschwisterkinder im Kurs dabei sein sollen, organisiert die FBS eine Kinderbetreuung, während die Mutter am Kurs teilnimmt.
- Partner können auch an den Kursen teilnehmen.
- Es gibt Kurse am Vormittag und am Abend, um auch Berufstätigen die Teilnahme zu ermöglichen. Weitere Infos .

Lesen Sie jetzt