Bonpflicht ab 2020 ärgert nicht nur Bäcker in Selm

rnNeues Kassengesetz

Am 1. Januar 2020 tritt ein neues Kassengesetz in Kraft. Jeder Kunde soll bei seinem Einkauf einen Beleg kriegen - selbst für den Kauf eines einzelnen Brötchens. In Selm sorgt das für Unmut.

Selm

, 31.12.2019, 21:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ab 2020 müssen Geschäfte und Lokale, die mit einem elektronischen Kassensystem arbeiten, ihren Kunden immer einen Beleg ausstellen. Doch das neue Kassengesetz steht schon längst in der Kritik. Auch Selmer Geschäftseigentümer sehen die Bonausgabepflicht kritisch.

„Ich finde das so was von bescheuert“, sagt Sandra Klusendieck vom Kaffeehaus an der Teichstraße 54. In Zeiten, in denen immer mehr über Umweltschutz und Müllvermeidung gesprochen wird, sei eine solche Pflicht unpassend. In der Kasse des Bäckereicafés werde ohnehin jede Bestellung registriert. Dadurch könne sie jeden Verkauf auch später noch nachweisen und auch im Nachhinein noch einen Beleg ausstellen.

„Wir werden hier in einer Papierflut ersticken“

„Wir haben die Kassen vor drei Jahren erneuert, die sind alle manipulationsgeschützt“, erklärt auch Bäckermeister Berthold Brinkert, der neben dem Kaffeehaus auch in Olfen eine Bäckerei betreibt. Sein Unternehmen achte immer sehr auf einen geringen Ressourcenverbrauch, „da passt das mit dem Papierausdrucken nicht“.

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Für die Zukunft erwartet seine Mitarbeiterin Sandra Klusendieck eine neue Dimension der Papierverschwendung. „Wir werden hier in einer Papierflut ersticken“, sagt sie. Das neue Gesetz soll die Zahl der Steuerhinterziehungen verringern, doch „da gibt es aber andere Geschäfte, denen man auf den Zahn fühlen sollte“, sagt sie.

Bei der Stöberstube Selm wird nur selten nach dem Bon gefragt

Auch bei den Kunden des Kaffeehauses stößt die Bonausgabepflicht auf Unverständnis. „Die sagen, das ist unnütz.“ Der Tenor innerhalb der Kundschaft sei „sehr negativ“. Die meisten der Belege würden direkt im Müll landen. „Ich kann den Kunden den Bon ja nicht aufzwingen.“ Berthold Brinkert hofft, dass es „vielleicht irgendwann eine Lösung“ gibt. Als Beispiel nennt er die Möglichkeit, erst einen Bon ausgeben zu müssen, wenn eine gewisse Summe oder Menge an Backwaren erreicht wird.

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Doch nicht nur Bäcker sind von dem neuen Kassengesetz betroffen. Auch andere Geschäfte müssen ab dem 1. Januar jedem Kunden einen Beleg ausstellen. „Ich finde das schwachsinnig“, sagt Steven Rainer Müller von der Stöberstube Selm an der Kreisstraße 47. Nur sehr selten würden Kunden in seinem Secondhand-Laden darum bitten, einen Beleg zu bekommen.

„Eigentlich nur bei Elektro-Geräten“, sagt der Selmer. „Sonst fragen die nicht nach.“ Die technischen Voraussetzungen hat das Geschäft aber. Die Funktion, immer automatisch einen Beleg zu drucken, hatte er bislang jedoch an der Kasse deaktiviert. Die Papierrolle für die Belege ganz aus der Kasse zu entfernen sei allerdings nicht möglich. „Wenn keine Rolle drin ist, geht die Kasse gar nicht erst auf“, erklärt Müller.

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