Sechs Schleiereulen aus Dortmund in Netteberge ausgewildert

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In Netteberge haben sechs Schleiereulen eine neue Heimat gefunden - zumindest vorübergehend. Die Tiere wurden vom Naturschutzbund Dortmund ausgewildert.

Bork

, 02.02.2020, 21:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Netteberge gehen nachts seit Kurzem sechs Schleiereulen auf Beutezug. Jürgen Primbsch vom Stadtverband Dortmund des Naturschutzbunds (Nabu) hat die Tiere, die unter anderem aus dem Dortmunder Zoo kommen, gemeinsam mit Mitarbeitern des Zoos und Michael Overhaus, Landschaftswächter der unteren Landschaftsbehörde im Kreis Unna, im Januar in der Bauerschaft Netteberge ausgewildert.

Jeweils drei Tiere sind auf einem Bauernhof und im Wanderheim des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV) Lünen-Selm untergekommen. „Das machen wir regelmäßig - meist zu Beginn des Jahres“, sagt Michael Overhaus.

Premiere in Selm

Bisher hat der Landschaftswächter nur Jungtiere aus dem Dortmunder Zoo ausgewildert. Erstmals waren nun auch Tiere dabei, die verwahrlost auf einem Bauernhof in Dortmund-Sölde gefunden wurden. Die Auswilderung in Selm ist für die Beteiligten eine Premiere. „Wir ziehen die Brut auf und anschließend wird sie von uns freigelassen. In Selm machen wir das aber das erste Mal“, so Overhaus.

Jürgen Primbsch geht weiter ins Detail: „Wir haben die Tiere vorher in Volieren in der Eulen- und Greifvogel-Station daran gewöhnt, sich alleine zu versorgen. Dort haben wir ihnen Küken und Mäuse zum Fressen gegeben - allerdings nicht mehr lebendig.“

Ein letztes Fresspaket

Als das Nabu-Team gesehen hat, dass die Eulen mit der Selbstversorgung schon sehr gut klarkommen, wurden die Tiere in ihre neuen Quartiere in Netteberge gebracht. Dort wurden sie in Schleiereulen-Kästen eingesetzt und noch mit einem „letzten“ Fresspaket ausgestattet. Denn von nun an sollen sich die Tiere selbst versorgen. Damit die Tiere auch ausfliegen können, sind auf dem Dachboden des Wanderheims und auf dem Bauernhof Löcher in der Wand.

Im Wanderheim des Sauerländischen Gebirgsvereins Lünen-Selm haben drei Eulen ihre neue Heimat gefunden.

Im Wanderheim des Sauerländischen Gebirgsvereins Lünen-Selm haben drei Eulen ihre neue Heimat gefunden. © Jürgen Primbsch

„Die räumen nachts einiges an Schädlingen weg“, sagt Primbsch. Deshalb sei die Nachfrage von Bauern auch ziemlich groß nach den Greifvögeln. „Die Bauern sind in der Regel ziemlich gallig auf die Eulen. Leider ist es so, dass wir in Dortmund immer mehr Schwierigkeiten haben, Höfe zu finden, wo wir die Tiere hinbringen können.“ Die meisten Höfe seien schon von anderen Vögeln besetzt. „Und die würden sich dann nicht vertragen“, so Primbsch.

„Wenn wir Glück haben, gründen sie eine Familie“

Ins Wanderheim des SGV ist ein Weibchen aus dem Dortmunder Zoo mit den zwei Männchen, die in Sölde gefunden wurden, eingezogen. „Wenn wir Glück haben bleibt ein Männchen beim Weibchen und sie gründen eine Familie. Wir hoffen, dass es klappt“, sagt Primbsch.

Vier der sechs Schleiereulen, die nun in Netteberg ihr neues Quartier bezogen haben, sind Jungtiere aus dem Dortmunder Zoo.

Vier der sechs Schleiereulen, die nun in Netteberg ihr neues Quartier bezogen haben, sind Jungtiere aus dem Dortmunder Zoo. © Jürgen Primbsch

Es spricht für Primbsch eigentlich nicht viel dagegen. Das Habitat in Netteberge passe laut dem Nabu-Mitarbeiter zu einhundert Prozent zu den Tieren: „Mäuse gibt‘s da auf jeden Fall genug.“ Dennoch könne man nie mit kompletter Gewissheit sagen, ob die Eulen auch in ihrem Auswilderungsgebiet bleiben. Sollten die Eulen ihr Habitat verlassen, könne man anhand eines angebrachten Fußringes aber später erkennen, wie weit sich die Tiere noch von ihrem Auswildungsort entfernt haben.

Kameras filmen die menschenscheuen Eulen

Overhaus betont, dass es sich bei den Schleiereulen nicht um zutrauliche Tiere handelt. Zudem sind sie nur nachts aktiv: „Die Schleiereulen haben kaum Kontakt zu Menschen. Lediglich bei der Jungaufzucht kann es schon mal vorkommen, dass man sie auch tagsüber draußen sieht.“ Und Primbsch ergänzt: „Die müssen ihre Ruhe haben, sonst fangen die nicht an zu brüten.“

Ein interessanter Aspekt: Im Wanderheim des SGV, wo das Weibchen mit ihren beiden männlichen Begleitern untergebracht ist, gibt es eine Kamera, die das Geschehen auf dem Dachboden filmt. „Die Bewegtbilder können im Wanderheim auf einem Fernseher angesehen werden. Einen Receiver gibt es da aber leider nicht, daher sind dort nur Live-Bilder zu sehen“, sagt Primbsch.

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