„Selm ist auf einem sehr gutem Weg“

Interview mit Ina Scharrenbach

Ina Scharrenbach besucht an diesem Donnerstag Selm. Im Interview spricht die NRW-Ministerin für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung über Schulden, Heimat und Ratschläge für die Kanzlerin.

Selm

, 15.02.2018, 11:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ina Scharrenbach (CDU).

Ina Scharrenbach (CDU). © picture alliance / Friso Gentsch

Grünkohl ist ein bodenständiges Essen – so etwas wie Heimat, die durch den Magen geht: das passende Gericht für den Besuch der 41-jährigen, neuen Heimatministerin in Selm an diesem Donnerstag. Erst wird sie sich im Borker Amtshaus ins Goldene Buch der Stadt eintragen und mit Bürgermeister Mario Löhr (SPD) über die Entwicklung Selms sprechen, ab etwa 19 Uhr wird sie beim Grünkohlessen der CDU im Jakobsbrunnen, Südkirchener Straße 191, erwartet.

Hallo Frau Scharrenbach, Sie sind in Unna geboren und in Kamen aufgewachsen. Was war Ihr erster Kontakt zu Selm?


1995 wurde ich Mitglied der Jungen Union; 1996 Mitglied der CDU. Früh hat es Kontakte zur Jungen Union Selm gegeben.

Wie hat sich Ihr Blick auf die Stadt seitdem verändert?


Die Selmer Stadtpolitik hat große Anstrengungen unternommen, um die lokale Handlungsfähigkeit wiederzuerlangen. Keinem Kommunalpolitiker macht es Spaß, „seinen“ Bürgerinnen und Bürgern immer neue Beiträge abzuverlangen. Indes: Selm ist auf einem sehr guten Weg. Respekt!

Was bedeutet für Sie Heimat?


Heimat ist für mich persönlich meine Stadt Kamen, wo ich herkomme und aufgewachsen bin. An diesem Ort sind meine Freunde und meine Familie. Dort fühle ich mich wohl.

Sie stehen dem neuen Heimatministerium vor. Auch auf Bundesebene soll es künftig eines geben. Warum macht der Begriff Heimat gerade derart Karriere?

Das Thema Heimat ist Ausdruck der Sehnsucht der Menschen, in einer globalisierten Welt mit vielen Umbrüchen und Herausforderungen Halt, Orientierung und Wegweiser zu haben. Deshalb ist es vor allem unsere Aufgabe, die Arbeit der Ehrenamtlichen zu stärken, die Situation in den Kommunen zu verbessern und für ein Lebensumfeld – etwa beim Wohnen – zu sorgen, in dem sich die Menschen geborgen fühlen. Heimat kann nicht von oben verordnet werden, sondern muss von unten wachsen.

Kommunale Finanzen gehören auch zu Ihrem Ressort. Selm ist Stärkungspaktkommune. Wie andere Ruhrgebietsstädte auch wird Selm trotz aller erfreulicher Entwicklung der vergangenen Jahre auf einem Schuldenberg sitzen bleiben. Was halten Sie von einem Schuldenschnitt, wenn der Stärkungspakt ausläuft?


Der Stärkungspakt der Vorgängerregierung hat das Altschuldenproblem ausgeblendet. Steigen die Zinsen, droht ein unkalkulierbares Risiko. Zurzeit stimmen wir innerhalb der Landesregierung ab, wie eine verlässliche und nachhaltig wirkende Kredithilfe für die Kommunen ausgestaltet werden kann. Ich hoffe, dass dieser Sprengsatz entschärft wird.

Kein Interview in diesen Tagen ohne Blick nach Berlin. Freuen Sie sich auf die Große Koalition von CDU, CSU und SPD?


Ich habe selbst an den Verhandlungen für den Koalitionsvertrag in Berlin teilgenommen. Kurzum: Geredet ist genug, jetzt muss entschieden werden.

Sollte die Kanzlerin noch in der laufenden Legislaturperiode ihr Amt in jüngere Hände legen?


Ich fühle mich nicht dazu berufen, Bundeskanzlerin Angela Merkel gute Ratschläge zu geben. Das überlasse ich anderen.

Ina Scharrenbach:
  • Ina Scharrenbach wurde am 30. September 1976 in Unna geboren.
  • Sie ist gelernte Bankkauffrau, studierte Betriebswirtschaft und war bis 2012 bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft tätig.
  • Von 1999 bis 2011 war sie CDU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat Kamen.
  • Seit 2012 ist sie Vize-Vorsitzende der CDU NRW. Im selben Jahr zog sie über die Liste in den Landtag ein.
  • 2017 verpasste sie den Wiedereinzug ins Parlament.
  • Seit 2017 ist sie Landesvorsitzende der Frauenunion.
  • Seit dem 30. Juni 2017 ist Ina Scharrenbach Ministerin.
  • Sie ist ledig und hat keine Kinder.
Lesen Sie jetzt