Selm sorgt sich um die minderjährigen Flüchtlinge

Spontan Wohngruppe eingerichtet

Die Stadt Selm kämpft mit einem neuen Problem der Flüchtlingssituation: mit der Zuweisung von Kindern, die ohne Eltern aus ihrer Heimat geflüchtet sind. Worin dieses genau besteht und welche Lösungen bislang gefunden wurden, schilderte Sylvia Engemann jetzt im Stadtrat.

SELM

, 21.11.2015, 05:52 Uhr / Lesedauer: 1 min
Beigeordnete Sylvia Engemann gratulierte den Abiturienten im Namen von Rat und Verwaltung.

Beigeordnete Sylvia Engemann gratulierte den Abiturienten im Namen von Rat und Verwaltung.

Menschlich betrachtet, müssen diese Jugendlichen in besonderer Weise pädagogisch betreut werden. Für sie kommt eine Unterbringung weder in den zentralen kommunalen Aufnahmeeinrichtungen in Selm (Körnerstraße), Bork (Auf dem Südfeld) oder Cappenberg (Am Kohuesholz) infrage, noch ein längerer Aufenthalt in der Notunterkunft.

Dort richtete man zuletzt vorübergehend ein eigenes Zelt her. Rechtlich betrachtet, besteht ein Spannungsfeld zwischen dem Kinder- und Jugendhilferecht auf der einen und dem Aufenthalts- und Asylrecht auf der anderen Seite.

Probleme bei der Unterbringung

Für Selm bedeutete das zuletzt konkret: „Wir haben große Probleme bei der Unterbringung“, so Engemann. Eine Gesetzesänderung am 1. November habe dazu geführt, dass die Verteilung der Minderjährigen ebenso nach Königssteiner Schlüssel erfolgt, wie die von Familien oder alleinstehenden Erwachsenen.

Laut Engemann kamen vergangene Woche elf Minderjährige ohne Eltern in Selm an. In der Woche davor seien 14 Personen unter 18 Jahren angekündigt gewesen, tatsächlich seien acht gekommen.

Die Stadt organisierte eine Unterkunft neben der Feuerwehr Bork: Sie richtete eine Wohnung ein – „um Obdachlosigkeit zu vermeiden“, sagt Engemann. Eine Übergangslösung. „Es war schwierig, Plätze zu finden – weil landesweit kaum noch welche frei sind“, so Engemann.

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Hauptsächlich sind die Flüchtlinge 16 und 17 Jahre alt, aber es waren auch ein 12- und ein 14-jähriges Kind unter ihnen. „Stand heute konnten alle in Wohngruppen vermittelt werden“, so Engemann. Die Stadt will nun eine zweite Wohnung herrichten – am Adenauerplatz, vis-a-vis der Verwaltung. Die Unterbringungskosten trägt der Bund.

Eine Unterbringung in Pflegefamilien sei grundsätzlich auch eine Option. Ratsherr Thomas Staschat brachte die Frage nach einem allgemeinen Aufruf ein. Engemann: „Wir haben am Runden Tisch schon darüber gesprochen. Aber wir müssen die Familien genau prüfen, ob sie dazu in der Lage sind.“ 

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